Bamberg
Kirche

Längster Gottesdienst umfasst drei Tage

Gründonnerstag, Karfreitag, Karsamstag und Osternacht: Der Bamberger Domkapitular Peter Wünsche klärt über den Zusammenhang auf.
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Ein bewegender Moment in der österlichen Lichtfeier, die die Obere Pfarre ökumenisch mit St. Stephan begeht: Pfarrer Matthias Bambynek und Pfarrer Walter Neunhoeffer entzünden am Osterfeuer die jeweilige Osterkerze.  Foto: Karl Zimmermann
Ein bewegender Moment in der österlichen Lichtfeier, die die Obere Pfarre ökumenisch mit St. Stephan begeht: Pfarrer Matthias Bambynek und Pfarrer Walter Neunhoeffer entzünden am Osterfeuer die jeweilige Osterkerze. Foto: Karl Zimmermann
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Die Gottesdienste werden in aller Welt nach einer Grundstruktur gefeiert. Wer die einzelnen Elemente einmal gelernt hat, findet sich zurecht - gleich ob in einer Bamberger katholischen Kirche oder in Afrika, Amerika oder Asien. Umso verwirrender kann einem dann die Liturgie in der Karwoche vorkommen. Denn sie ist irgendwie anders. Zugleich ist das "Triduum Paschale" oder auch "Triduum Sacrum" von Gründonnerstagabend bis zur Osternacht der Höhepunkt aller Kirchenfeste schlechthin: "Wer seinen Glauben ernst nimmt, sollte an den drei Feiern von Donnerstag bis Sonntag teilnehmen, auch wenn kirchenrechtlich nur der Ostersonntag nötig ist", sagt der Bamberger Liturgiewissenschaftler und Domkapitular Peter Wünsche unserer Zeitung. Das Triduum beginne exakt mit dem Abendmahlsgottesdienst am Gründonnerstag und ende mit der Ostervesper. Domkapitular Wünsche spricht von einem "durchgehenden inneren Zusammenhang" dieses längsten Gottesdienstes im Kirchenjahr.

Denn der erste Schlüssel zum Verständnis dieser auf den ersten Blick rätselhaften Liturgie lautet: Die heiligen drei Tage sind in Wirklichkeit nur ein einziger Tag - und ein einziger Gottesdienst. Alles, was zu fehlen scheint, wie etwa der Schlusssegen im Abendmahlsgottesdienst oder Begrüßungsworte in der Karfreitagsliturgie, erklärt sich damit. Es handelt sich um ein einziges Hochfest und damit um eine Liturgie die drei Tage umfasst. "Trauer und Freude in einem Gottesdienst machen deutlich, dass das Leiden und die Auferstehung Christi zwei Seiten desselben Heilsereignisses sind", so Peter Wünsche.

"Die drei österlichen Tage vom Leiden, vom Tod und von der Auferstehung des Herrn" beginnen in der Abendmahlsmesse am Gründonnerstag zunächst feierlich, um dann still und schlicht zu werden. Erst spielt laut die Orgel, die Glocken läuten, die Ministranten klingeln mit ihren Schellen. Und dann verstummt vielerorts die Orgel bis zur Osternacht, die Ministranten benutzen nur noch Klappern aus Holz. Ins Zentrum rückt dann die Eucharistie. Bei der Wandlung werden - zum einzigen Mal im Kirchenjahr - die Worte verändert. Dann heißt es je nach Hochgebet "Denn am Abend, an dem er ausgeliefert wurde und sich aus freiem Willen dem Leiden unterwarf - das ist heute" oder "Denn in der Nacht, da er verraten wurde - das ist heute -, nahm er das Brot und sagte Dank ...".

Nach der Kommunion werden die geweihten Hostien in eine Seitenkapelle überführt. Der Tabernakel bleibt offen und leer. Der Altar wird abgedeckt: "Dies deutet man seit langem als Hinweis auf die Verlassenheit Jesu und die Beraubung von seinen Kleidern."

Die Fußwaschung

So wie das Evangelium des Gründonnerstags die Fußwaschung behandelt, die Jesus damals an seinen Jüngern vorgenommen hat, so wird diese auch nach der Predigt in vielen Gemeinden begangen - im Dom als Bischofskirche ist die Fußwaschung sogar Pflicht. Domkapitular Wünsche macht deutlich, dass "die Fußwaschung in jeder Pfarrei möglich und in die Messe integriert ist". Und: "Laut Papst Franziskus dürfen auch Frauen die Füße gewaschen werden." Erzbischof Ludwig Schick habe diesen Akt zum Beispiel 2017 an Frauen aus dem Diözesanrat vollzogen. In diesem Jahr sind Sängerinnen (und Sänger) der Domchöre an der Reihe.

Die Karfreitagsliturgie zur Todesstunde Jesu, also um 15 Uhr, ist durch das Verlesen der Leidensgeschichte, die Kreuzverehrung und die Großen Fürbitten gekennzeichnet. Die "Feier vom Leiden und Sterben Christi" ist keine Eucharistiefeier. Wohl wird die Kommunion gespendet "in dem Sinn einer innerlichen Vereinigung mit dem sterbenden Christus". Am Karsamstag gibt es eine Trauermette, zum Beispiel in der St. Martins-Kirche, so genannt wegen der Lesungen aus den Klageliedern des Jeremias. Am Tag der Grabesruhe Jesu ist außer dem Stundengebet keinerlei Gottesdienst. Am ganzen Karsamstag wird "eucharistisches Fasten" ohne Kommunionempfang gehalten.

Intensives Ostererlebnis

Die Osternachtfeier im Zeitraum nach Sonnenuntergang und vor Sonnenaufgang ist das Zentrum des "Triduums paschale". "Kirchenfremden empfehle ich, für eine Annäherung mit der Osternacht zu beginnen", sagt Liturgiefachmann Wünsche. Die Liturgie - bestehend aus den vier Elementen Lichtfeier, Wortgottesdienst, Taufe, Eucharistie - sei ein intensives Ostererlebnis. Vor der Kirche im Freien segnet der Priester zunächst das Osterfeuer und entzündet daran die Osterkerze. In einer Prozession wird die Kerze in das dunkle Gotteshaus getragen - unter dem dreimaligen Ruf "Lumen Christi - Deo gratias" - "Christus, das Licht - Dank sei Gott". Das Licht der Osterkerze wird an die Ministranten weitergeben und an alle Mitfeiernden. Es folgen - noch immer ohne elektrisches Licht - das gesungene Osterlob, das sogenannte Exsultet, und die Bibellesungen. Beim Gloria wird es feierlich: Die Orgel spielt wieder, alle Glocken läuten und das Licht wird vielerorts angemacht: "Besser wäre es, auf Kunstlicht in der Osternacht ganz zu verzichten", regt Domkapitular Wünsche an.

Vor dem Evangelium erklingt zum ersten Mal seit Aschermittwoch wieder das Halleluja. Das Glaubensbekenntnis entfällt vor den Fürbitten, weil alle Anwesenden ihr Taufversprechen erneuern und mit dem gesegneten Osterwasser besprengt werden. Die Eucharistiefeier ist der Höhepunkt des wichtigsten Gottesdienstes im Kirchenjahr. Die Osterzeit findet mit Pfingsten ihren Abschluss.

Der Tod ist nicht das Letzte

Wie kann einem modernen Menschen von heute, der sich möglicherweise mit dem Glauben an eine persönliche Auferstehung schwer tut, Ostern überhaupt erklärt werden? Domkapitular Peter Wünsche gibt diese Antwort: "Ostern ist eine Protestfeier gegen Strukturen des Todes wie Unterdrückung und Gewalt. Der Tod ist nicht das Letzte, Auferstehung ist auch eine Erfahrung von Befreiung. Aus Unheil wird Heil, Schuld kann überwunden und vergeben werden. Ostern bedeutet Hoffnung auf Zukunft."



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