Bamberg
Auszeichnung

Kunstverein Bamberg verleiht den Berganza-Preis

Zum 25. Mal verlieh der Kunstverein Bamberg gestern den Berganza-Preis. Dieser ging an Hans Lyer, Seelsorger in der JVA Ebrach und der St. Elisabeth-Gemeinde im Sand.
Artikel drucken Artikel einbetten
Bamberg; Preisverleihung vom Kunstverein Bamberg des Berganzapreises an Hans Lyer; Foto: Barbara Herbst
Bamberg; Preisverleihung vom Kunstverein Bamberg des Berganzapreises an Hans Lyer; Foto: Barbara Herbst
+19 Bilder
Frei nach E.T.A. Hoffmanns Nachrichten von den neuesten Schicksalen des sprechenden Hundes Berganza hat der Kunstverein Bamberg Anforderungen an einen Preisträger heraus destilliert: Von exzentrischen Köpfen ist da die Rede, die aufgrund ihres Enthusiasmus und ihrer rücksichtslosen Kunstbegeisterung nahezu wahnsinnig erscheinen. "Wir suchen also Solche, die etwas Unerwartetes, Individuelles leisten, dabei aber nicht überall gleich auffallen", sagte Barbara Kahle, Erste Vorsitzende des Kunstvereins. Leidenschaftlichkeit, Idealismus, Selbstlosigkeit, Zielstrebigkeit, intensive Arbeit, ausdauernde Verfolgung eines Ziels und Glaube an ihre Aufgabe seien die entscheidenden Kriterien.

Begnadeter Vermittler

Und in diesem Sinne hat der Kunstverein den Träger des nunmehr 25. Berganza-Preises gefunden: Hans Lyer, zwar kein Künstler, doch ein begnadeter Vermittler im Kunstbetrieb.
In einer Feierstunde in der Stadtgalerie Villa Dessauer am gestrigen Sonntag erhielt der katholische Seelsorger in der JVA Ebrach und der St. Elisabeth-Gemeinde in Sand die Auszeichnung. "Ich bin auf den Hund gekommen", meinte Lyer launig zu der Trophäe - eine Berganza-Plastik des Bildhauers Adelbert Heil - und den Preisscheck über 2500 Euro, den die VR Bank gestiftet hatte. "Ich komme von denen, die keinen Namen haben, ich komme von Ebrach", fügte Hans Lyer hinzu. Es brauche "die Verrückten, denn wir wollen in dieser Welt etwas verrücken, um sie im Miteinander menschlicher, friedlicher zu machen". Und: "Die Lehrer der Kirche und der Theologie sind die Armen und Namenlosen."

Große Themen

Dieser Sichtweise des Preisträgers gab auch Barbara Kahle ihren Ausdruck. Das Wirken Hans Lyers setze bei der Frage nach der Relevanz des Kunstwerks ausgehend von der Glaubenssituation an. Die praktische Arbeit mit künstlerischem Handeln in der JVA Ebrach sei für ihn auch eine Bewältigungstherapie, "also eine Form der Seelsorge", so Kahle. Dabei wirke er mit Künstlern wie Clemens Muth, Manfred Scharpf, Rolf-Bernhard Essig oder Stipendiaten des Internationalen Künstlerhauses Villa Concordia bei vielen Projekten für die jugendlichen Strafgefangenen zusammen. Auch in seiner Gemeinde, die sich jeden Samstag in der Elisabethkirche beziehungsweise momentan in der Nikolaus-Kapelle am Stephansberg einfinde, habe Lyer die spirituelle Kraft des künstlerischen Bildes wiederentdeckt und in die Gottesdiensträume getragen. "Es geht ihm um die Arbeit an einer künstlerisch-religiösen Fragestellung, um so große Themen wie Leben und Tod, das Woher und Wohin, Themen, mit denen sich die Kunst und die Religion befassen", führte Barbara Kahle aus. Im besten Fall gehe es ihm schlicht darum, Menschen zum Fragen und zum Austausch zu bringen.
Lyers Weggefährte in der Elisabeth-Gemeinde, Christoph Gatz, nannte den Preisträger in seiner Laudatio "ein Zwischen-Wesen": Im Mittelpunkt dessen beruflicher Arbeit stehe die Vermittlung "zwischen Drinnen und Draußen". Kunst bilde dabei das Vehikel, die Blicke auf die Welt im Knast zu lenken, Barrieren abzubauen, Verbindungen zu schaffen, den Gedankenraum der jungen Häftlinge in die Öffentlichkeit zu tragen. Als Pfarrer von St. Elisabeth stehe Hans Lyer als "Zwischen-Wesen" zwischen Gott und den Menschen, zwischen Himmel und Erde. Dabei binde er immer wieder Künstler in die Glaubensverkündigung ein.

Bemühen um Lüpertz-Fenster

Als aktuelles Projekt Lyers nannte Gatz dessen Bemühungen um die Kirchenfenster des Malers und Bildhauers Markus Lüpertz für St. Elisabeth. Die ersten Entwürfe würden für das kommende Frühjahr erwartet. Dennoch, so Christoph Gatz, "liegen der Realisierung noch viele Steine im Weg" da die Stadt Bamberg als Eigentümerin der Kirche dem Projekt noch nicht zugestimmt habe. Immerhin sicherte Kulturbürgermeister Christian Lange (CSU) in seinem Grußwort an die Festversammlung in der Villa Dessauer seine Unterstützung für Lyers Initiative zu: Die Lüpertz-Kirchenfenster "wären eine Bereicherung für Bamberg", betonte Lange.
Einen eigenen künstlerischen Akzent setzte der Musiker Christian Reinhard in der Feierstunde. Er brachte extra für Hans Lyer komponierte Stücke mit dem Saxophon zu Gehör. Programmatisch klang da ein Titelsong: "Strong man, go on..."
Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren