Bamberg
Ausstellung

Kunst und Pathologie, das passt

Kunstliebhaber liegen hier am Sonntag richtig: Führungen durch die "Kunst in der Pathologie" am Bamberger Klinikum geben spannende Einblicke.
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Ohne Kunst an der Wand geht es nicht: Pathologe Gerhard Seitz Foto: Julian Megerle
Ohne Kunst an der Wand geht es nicht: Pathologe Gerhard Seitz Foto: Julian Megerle
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Vor 28 Jahren musste Professor Gerhard Seitz auf dem Weg durch seine Pathologie-Abteilung noch auf kahle, weiße Wände schauen. Damals, als im neugebauten Klinikum am Bruderwald noch unansehnliche Flure das Sagen hatten. "So waren die Wände einfach nur abwesend", meint Seitz. Ein bisschen mehr Farbe in dieser wohl für manchen letzten Station darf schon sein. Also fing der Chefpathologe an, sein Reich mit Kunstwerken zu schmücken.

Angefangen hat alles mit einem Bild im Andy-Warhol-Style: Ein Helicobacter, ein Bakterium, das im Magen Entzündungen auslöst, hängt in quietsch-bunten Farben an der Wand. Der Beginn einer gut besuchten Ausstellung "Kunst in der Pathologie", die mittlerweile aus zahlreichen Zeichnungen, Aquarellen, Ölgemälden, Skulpturen und Karikaturen besteht. So hängen fast drei Jahrzehnte später rund 200 Werke von fast genauso vielen Künstlern an der Wand. Eine Sammlung aus 100 Jahren.

Am kommenden Sonntag, 24. November, ist wieder soweit: Von 11 bis 18 Uhr finden stündlich Führungen für bis zu 25 Personen statt, die sich mit den Ausführungen von Anna Scherbaum, Leiterin der Volkshochschule in Bamberg, und Gerhard Seitz durch die Sammlung bewegen werden. Dabei gibt es so einiges zu entdecken: Ganze Sammelreihen zu verschiedenen Themen wie zum Beispiel "Sucht" spielen eine Rolle. Oder auch mehrere Karikaturen zum Wirken des Bambergers Johann Lukas Schönlein, welcher im 19. Jahrhundert die Medizin revolutionierte.

"Mir ist wichtig, dass jedes der Werke einen Bezug zur Medizin und der Pathologie hat", betont der Arzt Seitz. Mal sind Werke von Medizinern, die sich zwischen den Patienten die Zeit vertreiben, manchmal beschäftigen sich Künstler mit ihren eigenen Krankheitsbildern oder malen anlässlich einer bevorstehenden Transplantation ein Selbstportrait. Auf dem Gang von Seitz' heiligen Hallen sticht ein Ölgemälde aus dem Jahr 1910 ins Auge: Mehrere Ärzte schauen bei einer Obduktion zu. Es ist eine Nachbildung des Rembrandt Bildes "Anatomie des Dr. Tulp", welches der Kunstliebhaber Seitz auf der Burg Gaillenreuth in der Fränkischen Schweiz ergatterte.

Selbst vor der "Herzkammer" der Pathologie, den Sektionssaal, welchen man als leidenschaftlichen "Tatort"-Gucker nur zu gut kennt, macht die Kunst aber nicht halt: Wieder finden sich im Stil des US-Künstlers Andy Warhol mehrere Bilder knallbunte Bilder der Sängerin Marilyn Monroe. Warum gerade sie? "Sie hatte Selbstmord begangen und musste folglich auch zur Obduktion", stellt Seitz klar. Selbst auf der Toilette ist man nicht sicher vor Kunstwerken. Fast jede freie Wand ist inzwischen vergeben.

Bamberg-Bezüge

Aber was wäre eine Kunstausstellung am Bamberger Klinikum ohne Bezug zu Bamberg? "Die Menschen in der Stadt lieben Ansichten von Bamberg, deshalb haben wir mit den Bildern des Grafikers Thilo Pustlauk einen entsprechenden Kalender gestaltet", erzählt der Pathologe und freut sich über das Ergebnis. Die 13 Bilder, welche auch in der Pathologie hängen, greifen bekannte Gebäude, Plätze und Sehenswürdigkeiten in der Weltkulturerbestadt auf und bringen sie farbenfroh zur Geltung. Der Kalender mit dem Titel "Bamberg im Fokus der klassischen Moderne" entstand aus Titelbilder der Bamberger Morphologietage und hat einen guten Zweck dahinter: "Jeder verkaufte Kalender geht zu 100 Prozent in das Krankenhaus in Thies im Senegal", erläutert Seitz die Idee. Das Erzbistum Bamberg samt Bischof pflegen gute Kontakte in die Partnerdiözese. Für 10 Euro können Exemplare erstanden werden.

Wer an der Führung vor Ort spenden möchte, kann damit sogar selbst Kunst schaffen: Am Clavius-Gymnasium soll ein steinernes Clavius-Medallion entstehen. 5000 Euro stehen noch aus. Zum anderen Teil gehen die Spenden an die Volkshochschule in Bamberg.

Auch wenn die Atmosphäre es hergeben würde: "Wirklich gruselig wird's nicht", meint der Arzt mit einem Augenzwinkern vor dem Sonntag. Eine Anmeldung zu den Führungen ist unter der E-Mail-Adresse praxis-pathologie@sozialstiftung-bamberg.de möglich.

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