Ebrach

Kunst am Silo in Ebrach - Werbung für die Milchbauern

Kuh, Käse, Müsli und Wiesen auf 40 Metern. Das wird für Aufsehen sorgen. Das Kunstwerk in Buch gehört zum Werbefeldzug, den die Landesvereinigung der Bayerischen Milchwirtschaft im Freistaat gestartet hat.
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Michael Schmitt und seine Frau Sandra beobachten, was Sone aus der Silomauer macht. Foto: Ronald Rinklef
Michael Schmitt und seine Frau Sandra beobachten, was Sone aus der Silomauer macht. Foto: Ronald Rinklef
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In jedem Regierungsbezirk gibt es ein Unikat. Also ein Kunstwerk in einem Milch produzierenden Betrieb, das sich dem Thema Milch widmet. Graffiti soll gerade junge Menschen dazu bringen, sich mit dem Thema Milch auseinander zu setzen, so das Ziel der Initiatoren.

Einzigartig in Oberfranken ist damit auch das, was dieser Tage am Ortsende des Ebracher Gemeindeteils Buch entsteht. Das Opus des jungen Street-Art-Künstlers Sone, der auch schon an einem Stück der Berliner Mauer in Magdeburg gearbeitet und einen international besetzten Street-Art-Workshop in Portugal gehalten hat.
Jetzt macht sich der Magdeburger in Buch zu schaffen. An der Außenmauer des Fahrsilos von Familie Schmitt. Zehn Jahre lang stach hier eine lange, graue, öde Mauer ins Auge.
Michael Schmitt hatte schon öfter drüber nachgedacht, den Anblick aufzuwerten.

Wie kamen Sone, mit bürgerlichem Namen Christoph Ackermann, und Landwirt Schmitt zusammen? Übers Internet. Dort hatte die Landesvereinigung der Bayerischen Milchwirtschaft (LVBM) gemeinsam mit dem Street-Art-Verein "Die Bunten" einen Wettbewerb ausgelobt. Schmitts sind bei der LVBM, Sone ist bei den Bunten. Bewerben konnten sich einerseits Landwirte mit freien Flächen, andererseits Künstler mit ihren Skizzen. Gewählt (ge-voted) wurde gleichfalls übers Internet.
 
Das Rennen gemacht

Schmitts machten bei den freien Flächen in Oberfranken das Rennen, Sone wiederum unter 50 Bewerbern, die ihre Referenzen beilegen mussten. Am Ende setzte sich sein Entwurf dann unter den ausgewählten 20 durch. Wie seitens der LVBM betont wird, hatte die bayerische Milchköngin Katharina Schlattl das Projekt angeregt. Hintergrund: Ihren Hof ziert ein Street-Art-Motiv (Graffiti).

Seit Montag macht Sone sich an der 40 Meter langen Wand, die zwischen 1,50 und 1,80 Meter hoch ist, zu schaffen. Aus 200 Farbdosen in den unterschiedlichsten Tönen will er den auf mehrere DIN-A-Seiten verteilten und digital erstellten Entwurf sprühen. "Die aus der Szene sagen nicht sprayen", klärt David Höfler auf. Der 24-Jährige kommt aus der Graffiti-Szene und dokumentiert für die LVBM die Entstehung der insgesamt sieben Kunstwerke in Bayern. Die Aufnahmen werden am Ende zu einer Zusammenschau komponiert, lässt der Fotograf fröstelnd wissen.

Es ist frisch auf dieser Anhöhe des Steigerwalds. Sone hat sich mit Handschuhen und Kräutertee gerüstet. Wind und Kälte zwar, aber doch viel besser, als in einer Millionenstadt an einer Säule zu arbeiten, an der die Automassen nicht abreißen, findet er. Sone mag diese Umgebung: Sprühen, mitten in der Natur. Die ist ihm auch Vorlage. "Wenn ich mal ne Straße brauche".

Ob er was braucht, das fragen ihn auch die schon jetzt stolzen Besitzer der einzigen Profi-Kunst-Silowand Oberfrankens. Denn immer wieder schaut jemand von der Familie Schmitt vorbei und ist höchst angetan. Insbesondere die Kinder Peter, Kathrin und Marco zieht die Wand schier magisch an. Bisher hatten sie sich nur an Tapeten künstlerisch probieren dürfen, verrät ihr Papa. Ihm schwant schon so einiges, wenn er an die farbigen Markierungsdosen für den Wald denkt und angesichts der neuen Begeisterung für Graffiti.

Michael Schmitt und seine Frau Sandra finden die Aktion jedenfalls toll. Für ihre Fahrsilowand und natürlich für den Berufsstand. "Viele Kinder wissen gar nicht mehr, wo die Milch herkommt," stellt Sandra Schmitt kopfschüttelnd fest. Gerade junge Leute soll diese Kampagne ansprechen, weiß das Landwirtspaar, das einen Milchviehbetrieb mit 100 Milchkühen und deren Nachzucht bewirtschaftet.

Künstler hat's mit Viechern

Sone (35) mag die Motive, die Arbeit an Käse, Müsli, Landschaft, Milchkrug und Riesenkuh macht ihm Spaß. Derzeit hat er‘s mit Viechern. Zuletzt hat er für eine Sattlerei ein sieben Meter großes Pferd gesprüht. Bei all der künstlerischen Auseinandersetzung mit Milch erwartet ihn hier auch persönlich ein ganz neues Milch-Erlebnis: Er darf auch endlich einmal Milch frisch von der Kuh probieren. Der Fotografen-Kollege indes hofft darauf, dass er in den nächsten Tagen dabei ist, wenn ein Kalb geboren wird. Der Job, den der Mann von der Besamungsstation erledigt, interessiert ihn dagegen weniger.
Seit 11. Oktober und noch bis Ende des Monats machen sich junge und profilierte Street-Art-Künstler in ganz Bayern auf den sieben ausgewählten Bauernhöfen zu schaffen. Im Einzelnen ist das neben Sone die Street-Art-Künstler Jeroo in Hahnbach (Oberpfalz), Loomit in Niederrieden (Schwaben), Nuke in Rothenburg ob der Tauber (Mittelfranken), Looney Lobster in Untergriesbach (Niederbayern), Nea in Serrfeld (Unterfranken) sowie Codeak in Puschlagen (Oberbayern).
Nach dem Projekt der Milchwirtschaft geht es für Sone an die Verschönerung einer Art Stromverteiler in Magdeburg sagt der Diplom-Designer zum nächsten Auftrags-Graffiti, ein gegenüber dem oberfränkischen kleineres Projekt.
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