Bamberg
Politik

Kulturzentrum steht auf Bürgermeister-Wunschliste

Bürgermeister Christian Lange ließ sich im "Spezial" zu den wichtigsten Themen in und um Bamberg befragen.
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Das Politik-Gespräch im Frühstücksraum der Brauerei "Spezial" mit Bürgermeister Christian Lange (vorne l.) und Redakteur Michael Memmel verfolgten die Zuhörer mit großem Interesse.  Foto: Barbara Herbst
Das Politik-Gespräch im Frühstücksraum der Brauerei "Spezial" mit Bürgermeister Christian Lange (vorne l.) und Redakteur Michael Memmel verfolgten die Zuhörer mit großem Interesse. Foto: Barbara Herbst
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Aus der einen "Aktuellen Stunde", zu der in dieser Woche der Fränkische Tag in die Brauerei "Spezial" eingeladen hatte, wurden am Ende zwei. So viele Themen gab es mit Christian Lange abzuarbeiten: von der Bilanz seiner Arbeit als Bürgermeister über den Bahnausbau und die Aufnahmeeinrichtung Oberfranken bis hin zur strategischen Ausrichtung der CSU auf die nächsten Wahlen, zu der er als Vorsitzender des Kreisverbandes Bamberg-Stadt Stellung bezog. Alle Zuhörer blieben bis zum Ende bei der Stange und folgten den Fragen von FT-Redaktionsleiter Michael Memmel - und löcherten den Referenten für Bildung, Kultur und Sport auch selbst. Hier ein kleiner Auszug des Gesprächs.

Wie haben Sie sich Stärke und Energie für dieses Jahr geholt - mit Bier oder anderen Energiequellen?
Durch meine Familie. Das ist für mich die Quelle von Kraft und Energie, die mich optimistisch und zuversichtlich ins neue Jahr einsteigen ließ.

Haben Sie Vorsätze für das Jahr 2018 gefasst?
Da gibt es einen - mehr Sport. Mein Sohn fängt jetzt an, Purzelbäume und andere sportliche Übungen zu machen - und er meint "Papa, mach mit". Und dann stellt man fest: Ein wenig aus der Übung ist man schon.

Kommen wir nun zur Politik: Als Historiker sind Sie es ja gewohnt, in etwas längeren Zeiträumen zu denken. Wenn man diese Maßstäbe anlegt, wie würde der Historiker Lange den Bürgermeister Lange in seinen ersten vier Jahren bewerten?
Der würde erst einmal die Frage aufwerfen, ob man bei vier Jahren von historischen Dimensionen sprechen kann (lacht). Aber wahrscheinlich würde er den Versuch unternehmen, das historisch etwas einzuordnen. Und dann würde ich zwei Schlussfolgerungen daraus ziehen: Einmal steht der Christian Lange in der Tradition von erfolgreichen CSU-Bürgermeistern - Rudi Grafberger, Gustav Matschl und Werner Hipelius. Also einerseits Kontinuität, andererseits würde ich auch sagen, setzt der Christian Lange auch eigen Akzente. Bei den Schulen bleibe ich bei den Sanierungen und bringe als neues Thema den Ausbau der Ganztagesbetreuung.

Kommen wir zu den einzelnen Themenbereichen, für die Sie zuständig sind. Welche Note würden Sie sich beim Thema Bildung geben?
Das müssen andere benoten. Aber ich glaube, es ist uns schon gelungen, mit vereinten Kräften - auch mit unserem Kämmerer Bertram Felix - das Thema Bildung stärker nach vorne zu bringen. Wir haben unter anderem mit der Einrichtung eines Bildungsbüros, das als Querschnittsaufgabe direkt beim Bürgermeister angesiedelt ist, deutlich gemacht, dass wir die Bildungslandschaft und die Bildungsentwicklung strategisch und systematisch angehen wollen.

Im vergangenen Jahr hat die Stadt massiv in neue Plätze in Kindergärten und Krippen investiert - vier Millionen Euro für 206 neue Plätze in den nächsten fünf Jahren. CSU und SPD haben sich dafür selbst auf die Schulter geklopft. Aber wurde damit nicht nur die Pflicht, also die gesetzlichen Vorgaben erfüllt?
Das eine ist: Bamberg wächst - auch erfreulicherweise in Bezug auf junge Familien. Und das führt dazu, dass unsere bisherigen Ausbauprogramme nicht mehr ausreichten, um den insbesondere auch von Ursula von der Leyen aufgestellten Rechtsanspruch zu erfüllen. Deswegen war es richtig und wichtig zu sagen, wir gehen hier massiv voran, weil wir das Ziel haben, familienfreundlich zu sein. Das andere ist: Das Bundesförderprogramm bezieht sich auf Kinderbetreuungsplätze im Bereich null bis sechs Jahre. Das greift in meinen Augen zu kurz. Denn je mehr wir die Eltern von Drei- bis Sechsjährigen daran gewöhnen, dass sie einen Betreuungsplatz haben, umso größer wird die Lücke, wenn wir dann gerade im Grundschulbereich solche Angebote nicht anbieten können. Und diese Förderung wird von diesem Bundesförderprogramm unglücklicherweise bis jetzt nicht erfasst. Ich werbe für ein Programm an Ganztagesangeboten insbesondere an Grundschulen.

Sind Sie ein wenig sauer auf den Landrat, Ihren Parteikollegen, dass er den Umzug des Dientzenhofer-Gymnasiums in den Landkreis ins Spiel gebracht hat?
Nein, ich verstehe ihn. Er ist der Landrat des Landkreises Bamberg. Wir haben etwa zwei Drittel der Gymnasiasten aus dem Landkreis Bamberg und etwa ein Drittel aus der Stadt Bamberg. Dass da die Frage auftaucht, warum denn Gymnasien eigentlich nur in der Stadt und nicht im Landkreis stehen, kann ich grundsätzlich verstehen. Da es um die Sanierung von insgesamt drei Gymnasium und damit um eine Investitionssumme von etwa 90 Millionen Euro geht, haben wir uns auf eine Untersuchung verständigt. Bei der Studie kann von einer Sanierung im Bestand bis zu einem Neubau im Landkreis Bamberg alles herauskommen. Dass ich mir als Bildungsreferent der Stadt wünsche, dass das Dientzenhofer-Gymnasium in Bamberg bleibt, ist selbstverständlich. Wichtig ist, sehr schnell Klarheit zu schaffen, wie es weitergeht.

Thema Kultur: Vor der Wahl vor vier Jahren hat der Fraktionschef Helmut Müller gesagt: "Wir haben in Sachen Kultur noch viele Pfeile im Köcher". Haben Sie ihre größten Pfeile schon verschossen?
Das wäre ja unklug (lacht). Mir war es wichtig, das zu tun, was man vor der Wahl versprochen hat. Ich habe gesagt, wenn ich die Möglichkeit bekomme, mich hier zu engagieren, möchte ich ein Stipendium für Kulturschaffende einrichten; das haben wir gemacht. Ich habe gesagt "Wir wollen einen Kulturentwicklungsplan anstoßen, um die bunte, vielfältige, attraktive und lebendige Kulturszene in Bamberg zu analysieren und strategisch weiterzuentwickeln." Ich bin dem Stadtrat dankbar, dass ich dafür Haushaltsmittel bekommen habe. Den Bereich Museen haben wir fertig, den Bereich Literatur stärken wir beispielsweise durch das neue Literaturfestival, und im Bereich Musik und bildende Kunst arbeiten wir gerade ab. Das dritte, was wir im Prinzip gemacht haben, war, dass wir eine Lösung gefunden haben für das Kesselhaus - als temporäre Ausstellungsstätte für zeitgenössische Kunst.

Welche Pfeile sind noch im Köcher?
Ich würde mir wünschen, dass wir ein eigenes städtisches Kulturzentrum bekommen, das von unseren guten und fleißigen Kulturamt auch betrieben werden darf. Darüber diskutieren wir gerade verwaltungsintern. Wenn wir so weit sind, werden wir mit dem Stadtrat sprechen. Das muss dann kein großes E-Werk sein, wie wir es aus Erlangen kennen, aber ein eigenes Kulturzentrum, mit dem wir viele Bedarfe in der Stadt abdecken können, wäre mir ein großes Anliegen. Eine Umsetzung in der Lagarde-Kaserne wäre eine Option.

Beim Sport treten Sie nicht so häufig in Erscheinung. Weil alles so gut läuft oder weil der Sport vielleicht eher in einer unteren Liga bei Ihnen spielt?
Nein, weil ich Anhänger des 1. FC Nürnberg bin und da gibt es in der Regel weniger zu feiern (lacht). Ich glaube, der Sport ist schon sehr wichtig und auch hier gibt es verschiedene Baustellen, an denen wir arbeiten. Auch hier ein Sportentwicklungsplan, den wir interkommunal aufstellen, wo wir gemeinsam Ziele entwickeln wollen mit den Bamberger Sportvereinen. Wir sind auch dabei, die ersten Empfehlungen und Wünsche der Sportvereine umzusetzen - zum Beispiel beim Thema Hallenkapazitäten. Infrastrukturell halte ich es für ganz wichtig, dass wir zur Sanierung des Gaustadter Sportzentrums kommen. Und ein Ziel, das ich mir persönlich vornehme: Im Jahr 2026 wird unser Volkspark 100 Jahre alt. Ich werbe dafür, jetzt Schritt für Schritt diesen Volkspark zu entwickeln, damit wir 2026 einen modernen und attraktiven Volkspark für die Bürger als Naherholungsgebiet und für die Bamberger Sportvereine als Sportplatz haben. Deswegen würde ich ein wenig der These widersprechen, dass der Sport zu kurz kommt.

Brose Bamberg nimmt aktuell etwas Abstand von den Hallenneubauplänen. Lässt es Sie aufatmen, dass der Druck von Michael Stoschek hier ein wenig nachlässt?
Michael Stoschek macht keinen Druck, und ich bin dankbar dafür, dass wir ihn haben. Denn er ist der, der mit großen Herzblut und großem Engagement die jüngste Bewegung im Bamberger Basketball angestoßen hat. Die erfolgreiche Periode, die wir jetzt haben, ist untrennbar mit seinem Namen verbunden. Das Ziel, eine Halle mit der Kapazität für 10 000 Besucher zu haben, ist zweifach ausgerichtet: Einmal geht es um das Thema "Vorgaben des europäischen Basketballs". Da muss man einfach die Entscheidung treffen: Möchte man diese Norm erfüllen? Das muss im breiten Dialog mit der Bevölkerung und der breiten Mehrheit im Stadtrat beantwortet werden. Der zweite Aspekt: Es geht ja nicht nur um Basketball. Bei der Frage "Halle und Hallenkapazität" geht es ja auch um Kultur. Wir können in Bamberg im Moment gewisse Konzerte beispielsweise nicht anbieten, weil die Mindestvoraussetzung 10 000 Besucher sind. Vielleicht ist eine größere Halle - wenn ich die Investitionsabschreibungen ausblende - sogar leichter mit einer schwarzen Null zu betreiben. Deswegen ist die Debatte, Hallenkapazität nur auf Basketball zu konzentrieren, eine verkürzte.

Die Fragen stellte
Michael Memmel

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