Bamberg
Kulturarbeit

Kulturdiskussion in Bamberg macht nachdenklich

Der Theaterpädagoge und Comedian Dirk Bayer feiert seinen 20. Bühnengeburtstag mit einer bunten Gala. Die hatte neben viel heiteren Momenten auch einen ernsten Anlass.
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Dirk Bayer alias "Heinz" gibt sich nachdenklich und sinniert über zu viel Gratis-Kultur in Bamberg. Foto: Martin Wohlgetan
Dirk Bayer alias "Heinz" gibt sich nachdenklich und sinniert über zu viel Gratis-Kultur in Bamberg. Foto: Martin Wohlgetan
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"20 Jahre Kulturarbeit in Bamberg, quo vadis jetzt?" Gleich zwei Aussagen transportiert das Motto, das Dirk Bayer dem Abend vorangestellt hatte. Es wurde ein Rückblick auf seine bisherige Arbeit, die Arbeit mit Freunden, Förderern und Partnern einerseits. Andererseits stand auch beständig die Frage im Raum, was Kultur in Bamberg eigentlich bedeute und wie es mit ihr weitergehe. Denn klar ist: Es gibt die hervorragenden Häuser der Symphoniker und das E.T.A.-Hofmann-Theater, beide werden von Seiten der Stadt subventioniert. Daneben gibt es aber auch eine unglaublich vielfältige Kultur abseits dieser "Leuchttürme", diverse Theater, bildende Künstler, Musiker, Performer. Und für die Schaffenden dieses Bereichs bleibt oftmals nicht viel übrig, wenig Anerkennung, wenig Wahrnehmung, von monetärer Entlohnung ganz zu schweigen.

Viel Umsonst-Kultur

"Der Künstler macht das so gerne, dass er dann auch gern mal für lau oder umsonst auftreten kann", illustrierte Villa-Concordia-Direktorin Nora Gomringer via Video ironisch die Situation mit Hilfe des "Armen Poeten", des karikaturistischen Bildes von Carl Spitzweg. Hinzu kommt, wie Dirk Bayers alias "Heinz" im Eröffnungswort bemerkte, dass es in Bamberg sehr viel Umsonst-Kultur gäbe. Jazz- und Bluesfest, Bamberg zaubert, das Weinfest - da sei es schwierig, eine ernsthafte Kulturdebatte zu führen, wenn schon die Definition eines Kulturwerts schwierig sei.

Kulturbürgermeister Christian Lange (CSU) würdigte Bayer nicht nur für seine jahrelangen Verdienste als Clown, Comedian, Kabarettist, aber auch als Familientrainer und Aktivist für Gewaltprävention, sondern auch für seinen kritischen Geist, um dann doch hinterher zu schieben: "Für die Kultur sind immer noch wir im Kulturreferat verantwortlich."

Dem kann man in der Sache nicht widersprechen, doch still sein wird auch niemand. Die Gäste, die sich Dirk Bayer zu seiner Feier eingeladen hatte, durften sich neben ihrem Auftritt nämlich auch zu ihrer Definition von Kultur und vor allem Kultur in Bamberg äußern. So wie "Heissa Katreinerla", die nach ihrem Tribal-Tanz (übrigens zu rein Bamberger Musik von Nora Gomringer und der Band Brotmüller) Teile eines offenen Briefes verlas, der vom Team des Kontaktfestivals demnächst in Gänze an den Stadtrat adressiert wird. In ihm wird vor allem die Raumnot für Kultur in Bamberg bemängelt und das "Sterben hiesiger Institutionen" thematisiert - wie beispielsweise des Morph Clubs, an dem die Stadtpolitik nicht ganz unschuldig sei.

Es geht auch anders

Dass es Gott sei Dank auch anders geht, zeigten die diversen Beiträge in der Aula der Maria-Ward-Schule. Neben der mehrmals am Abend erwähnten hervorragenden Arbeit des KS BAM zeigte sich dies an den Auftritten der Künstler. Da waren die Jazzcombo der Maria-Ward-Schule, der Puppenspieler Patrik Lumma mit einem von britischem Humor inspirierten Stück ("Der betrunkene Kasperle") oder der bissige Kommentar von Florian Herrnleben in bester, spitzfindiger Ahörnla-Stammtisch-Rhetorik.

Dirk Bayer selbst fasste sich kurz an diesem Abend, weil er in "Thomas-Gottschalk-Manier", auch optisch mit Ledermantel und Rüschenhemd, die Zeit vergaß. Das hatte zur Folge, dass sich das Publikum in der Pause halbierte, so aber noch einige Glanzlichter verpasste: den Freestyle-Rap auf "freie Kultur und das Wort" des Soul Jam-Kopfs George und das ambitionierte Bamberger Alternativtheater "Wildwuchs", das sein aktuelles Stück "Die Stühle" (nach Eugène Ionesco) passend zu "zwischen den Stühlen der Kultur sitzend" adaptierte.

Lachen und Rührung

Zum Lachen brachte alle der Auftritt des Zauberkünstlers Timm Full, zum Schmunzeln der Schriftsteller Martin Beyer (der unter anderem auch das Festival "Bamberg liest" organisiert) und zur Rührung die Sängerin Anneke Groot, die sich mit ihrem Programm nachhaltig für eine Auseinandersetzung mit dem Thema Magersucht engagiert. Aber auch der eigentliche Mittelpunkt des Abends, Dirk Bayer, hat noch was im Angebot: Jede Schule oder Kita aus Stadt und Landkreis Bamberg, die in diesem Schuljahr einen Elternvortrag bucht, bekommt diesen für den halben Preis. "Damit möchte ich was zurückgeben." Denn Kultur findet nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch in der Familie statt (Kontaktadresse für Dirk Bayer: ask@dirk-bayer.de).



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