Bamberg
Kunst

Künstler über neue Großskulpturen in Bamberg: Bitte nicht hochklettern

Bamberg veranstaltet wieder eine Ausstellung von Großplastiken im öffentlichen Raum. Künstler Rui Chafes betont: Die Gebilde aus Eisenkugeln eignen sich nicht zum Klettern.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Skulptur "Ich will alles von Dir" des portugiesischen Künstlers Rui Chafes ist auf der Brücke vor dem Alten Rathaus zu sehen. Foto: Nicolas Armer/dpa
Die Skulptur "Ich will alles von Dir" des portugiesischen Künstlers Rui Chafes ist auf der Brücke vor dem Alten Rathaus zu sehen. Foto: Nicolas Armer/dpa
+4 Bilder
Die Titel klingen gewaltig. "Ich will alles von Dir", "Langer Traum" und "Stärker als der Tod" heißen drei der insgesamt 17 großformatigen Eisenskulpturen von Rui Chafes, die von diesem Samstag an bis Anfang September in Bamberg präsentiert werden. Die Stadt feiert damit die Ernennung zum Unesco-Weltkulturerbe vor 25 Jahren.

Ausstellungen von Großplastiken im öffentlichen Raum haben in Bamberg schon Tradition. Von Sponsoren und durch Stiftungen angekaufte Figuren von Fernando Botero, Joannis Avramidis, Igor Mitoraj, Erwin Wortelkamp, Bernhard Luginbühl und Markus Lüpertz prägen inzwischen das Stadtensemble und sind zu so etwas wie Mobiliar auf belebten Plätzen geworden. Ein Begriff, bei dem Chafes zusammenzuckt. Denn anders als etwa die wuchtigen Botero-Figuren, auf denen Kinder spielen, eignen sich seine bis zu fünf Meter langen, zum Teil schwebenden Stahlgebilde nicht zum Klettern und Sitzen. Der portugiesische Bildhauer bittet darum, nicht daran hochzuklettern - nicht nur weil dies zu Beschädigungen führen kann, sondern auch, wie schon geschehen, zu Abstürzen.



Eigentlich seien es keine Skulpturen, sondern "Ereignisse im Raum", sagt Chafes. Seine schwarzen Kugelformationen hängen in Ästen am Ufer der Regnitz, thronen am Domkranz oder baumeln vom Balkon des ehemaligen Rotenhan-Palais, heute Sitz der Universitätsverwaltung. Chafes schafft keine Monumente, sondern Gebilde, die sich erst im Raum verwirklichen. Die Figuren(en) "Ich will alles von Dir" könnten zwei innig verschlungene Liebende sein, die mit den Kugeln des Lebens balancieren und am Durchgang des Brückenrathauses Passanten salutieren. Schwarz und schwer symbolisieren die Eisenkugeln die Last, aber zugleich auch die Schatten und die Leichtigkeit des Seins.

Chafes' Figuren sind im Stadtbild nicht sofort zu sehen, sondern wollen gesucht und gefunden werden. Versteckt schweben sie in zwölf Metern Höhe in einem Baumgeäst im Stadtpark Hain, als hätte ihnen jemand die Schwere des Eisens herausgezaubert. "Kugeln sind ein Zeichen von Bewegung und verkörpern für mich auf ideale Weise die Idee von Immaterialität", sagt der 1966 in Lissabon geborene Künstler.

Chafes lässt sich auf den Raum ein, jeden der Präsentationsorte hat er gründlich ausgesucht. Seine Kugeln nehmen die Formen des Barock mit seinen Schwüngen und muschelförmigen Ornamenten auf und geben der Schwere des Eisens zugleich eine tröstende Leichtigkeit, indem er sie anscheinend federleicht schweben oder auf Bahnen scheinbar gleiten lässt. Es ist ein Spiel mit Schwere und Leichtigkeit, Festigkeit und Bewegung, mit Zeit und Vergänglichkeit. "Diese Stadt gibt ein großes Gefühl von Zeit und von Epochen, weil sie nicht zerstört worden ist. Das ist in modernen Großstädten verlorengegangen", sagt Chafes, der seit seinem Studium an der Kunstakademie Düsseldorf sehr gut Deutsch spricht und die Werke des romantischen Dichters Novalis ins Portugiesische übersetzt hat.

Sprache und Bildhauerei vereinen sich bei ihm zu einer Art Universalpoesie. Seinen Großgebilden hat er als Kontrast zum harten, kalten Eisen warme, poetische Titel gegeben: "Ich arbeite mit Worten und mit Eisen."

Die Reihe Großplastiken im öffentlichen Raum nahm in der Stadt 1998 ihren Anfang, als der damalige Leiter des internationalen Künstlerhauses Villa Concordia, Bernd Goldmann, die prallen Bronze-Statuen des Kolumbianers Fernando Botero nach Bamberg holte. Auch bei der jetzigen Schau ist Goldmann Initiator und Kurator. Boteros "Liegende mit Frucht" sorgte später überregional für Aufsehen, weil sie, auf einem Ponton mit Stahlseilen in der Regnitz befestigt, doch zu schwer war und im Fluss badenging. Heute liegt sie auf einem trockenen Betonsockel in der Innenstadt und offeriert Besuchern einen Apfel.
Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren