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Krippensaison in Bamberg eröffnet

Mit der Ausstellung von Hafner-Krippen aus Marktredwitz im Historischen Museum wurde die Krippenstadt-Bamberg-Saison 2014/15 eröffnet. Selbst König Ludwig II. ist dabei.
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Über der großen Landschaftskrippe aus Marktredwitz thront der Kini vor dem Ostallgäuer Schloss Hohenschwangau. (Foto: Barbara Herbst)
Über der großen Landschaftskrippe aus Marktredwitz thront der Kini vor dem Ostallgäuer Schloss Hohenschwangau. (Foto: Barbara Herbst)
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Ausgelassene Stimmung herrscht rund um die Krippe mit dem Jesuskind. Bei Musik sitzen Männer und Frauen im Garten am Wirtshaus, trinken Bier und amüsieren sich. Nebenan bewirtschaften Bauern ein Blumenkohlfeld, in der Ferne geht ein Jäger mit angelegtem Gewehr auf die Pirsch. Auf dem Gipfel des Gebirgspanoramas aus Steinen, Wurzeln und Steinmoos thront das Schloss Hohenschwangau. Und kein Geringerer davor als der "Kini", König Ludwig II., der huldvoll herabgrüßt.

Diese große Landschaftskrippe aus Marktredwitz im Dreiländereck Bayern-Böhmen-Sachsen steht im Mittelpunkt der Ausstellung von Hafner-Krippen im Historischen Museum, eine der 37 Stationen des Krippenwegs durch Bamberg.

Museumschefin Regina Hanemann und Bürgermeister Christian Lange gaben am Freitagabend mit der Ausstellungseröffnung zugleich den Startschuss für den Marsch durch Kirchen, Museen und über Plätze, die sich allesamt
für die Krippensaison 2014/15 gewappnet haben. Schüler der Musikschule und ihre Lehrerin Melanie Erzfeld stimmten die zahlreichen Vernissage-Besucher mit adventlichen Weisen auf das Weihnachtsgeschehen ein.

Zwei dunkelhäutige Könige

Und das ist angesichts der vielen Flüchtlinge aus dem Nahen Osten und aus Afrika aktueller denn je, wie Bürgermeister Lange meinte: "Ein Gang durch die Krippenstadt kann daher auch dabei helfen, den Blick wieder auf den zentralen Kern des Weihnachtsfestes zu richten", sagte er. Es gehe nämlich nicht um Geschenke, gutes Essen und Glühweinstände, sondern "um Frieden, Liebe und Gnade".

Da bekommt eine Krippenszene im Marstall des Historischen Museums ihre ganz besondere Bedeutung: Unter den drei Weisen aus dem Morgenland befinden sich ausnahmsweise zwei dunkelhäutige Könige: "Die passen gut zur Situation in der Welt", erklärte Regina Hanemann und erinnerte an die Verantwortung und humanitäre Aufgabe für Flüchtlinge und Asylbewerber.

Natürlich wusste die Museumsdirektorin auch einiges über die Marktredwitzer Hafner-Krippen zu erzählen. Über "himmlische Irdenware, bei der viel Irdisches dabei ist", und das nicht nur im Material der Tonerde, sondern auch in der Landschaftsdarstellung mit Bergen, Trachten, Lederhosen, Dirndl, Gemsen, Raufereien, Kirchgang und mehr.

"Man muss etwas suchen, bis man in der protestantischen Krippenlandschaft das Heilsgeschehen um die Heilige Familie findet", machte Hanemann darauf aufmerksam, dass im evangelisch-lutherisch geprägten Marktredwitz eine sehr spezielle Krippentradition gepflegt wird. Zumal das Aufstellen von Krippen in evangelischen Gegenden eher verpönt war.

So entstand die Tradition der handgetöpferten Marktredwitzer Krippenfiguren aus der Not, als das Geschäft der lokalen Töpfer (Hafner) durch den Aufschwung der fränkischen Porzellanindustrie stark zurückging. Viele Hafner gaben auf, doch einige fanden eine lukrative Marktnische. Sie stellten Krippenfiguren her und verkauften gut.

Ungewohnte Augenweide

Die Figuren, die in Model gedrückt, gebrannt, von Hand nachbearbeitet und dann farbenfroh angemalt wurden, sind in der Tat für die Besucher des Historischen Museums eine ungewohnte Augenweide. Und lassen vielfach schmunzeln: So über die schwitzenden preußischen Sommerfrischler im Alpenland. Oder über den katholischen Mönch, der beim Kirchgang von einem evangelischen Pfarrer in schwarzem Talar und mit Beffchen erwartet wird. Für solche und andere Figurengruppen haben die Marktredwitzer Krippenbauer den Fachbegriff "Stickla" geprägt.

Bürgermeister Lange nannte diese Stickla "Prachtstücke der Krippenbaukunst" und dankte Museumschefin Hanemann und ihrem Team zu dem "Coup der Ausleihe" aus Marktredwitz.

Die Ausstellung "Himmlische Irdenware - Hafner-Krippen aus Marktredwitz" ist im Historischen Museum bis zum 11. Januar täglich von 9 bis 17 Uhr zu sehen, am 24. Dezember von 11 bis 16 Uhr und am 1. Januar von 13 bis 17 Uhr. Am ersten Sonntag im Monat ist für Familien der Eintritt frei.

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