Bamberg
Firmenporträt

Kreditkarten made in Bamberg

Von Visa- und Mastercard bis zur Geschenkkarte: TCS Cards and Services produziert an der Kronacher Straße mit 220 Mitarbeitern für namhafte Kunden.
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Unter streng geschützten Bedingungen produziert die Firma TCS in Bamberg. In der Fabrik wird jede Ecke videoüberwacht. Es gibt laut TCS keine toten Winkel. Foto: Sebastian Schanz
Unter streng geschützten Bedingungen produziert die Firma TCS in Bamberg. In der Fabrik wird jede Ecke videoüberwacht. Es gibt laut TCS keine toten Winkel. Foto: Sebastian Schanz
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Die meisten Bamberger werden ein Produkt der heimischen Firma TCS täglich im Geldbeutel mit sich tragen, ohne es zu ahnen. Denn die "Cards and Services GmbH" produziert an der Kronacher Straße Wertkarten - von der Bank- über die Tankkarte bis zum Gutschein.

All das hat mit Geld zu tun - dementsprechend scharf sind die Sicherheitsbestimmungen in der Bamberger Fertigung. Die 220 Mitarbeiter gelangen nur über eine Security-Schleuse in die Produktionshalle und werden während ihrer Tätigkeit ununterbrochen von Kameras überwacht.

"Es gibt keine toten Winkel", erklärt Gerhard Osterrieder, der wie Nina Jäger geschäftsführender Gesellschafter der Gesamtholding "GNC und TCS" mit 280 Mitarbeitern ist. Jeder Beschäftigte muss schon vor der Einstellung eine Sicherheitsüberprüfung über sich ergehen lassen. Denn hier wird täglich mit hochsensiblen Daten gearbeitet - besonders bei den Bankkarten.

Sicherheit wird groß geschrieben

"Wir sind Gesamtdienstleister für die Banken", sagt Osterrieder. "Wir personalisieren und versenden Karten", erklärt Jäger. Die Finanzinformationen kommen verschlüsselt über Sicherheitsleitungen – gesichert nach dem sogenannten PCI-Standard – direkt aus den Rechenzentren der Geldhäuser nach Bamberg.

Ob sie nun Visa- oder Mastercard heißen: Die Rohlinge der Karten, bestehend aus vier bis fünf Lagen Plastik mit Magnetstreifen, Kontakt- oder kontaktlosem Chip fertigt TCS selbst oder bezieht sie von anderen Firmen. "Der Chip ist aufgebaut wie ein Computer", erklärt Osterrieder. Das Betriebssystem entsteht in Kooperation mit anderen Herstellern. An der Kronacher Straße werden sie mit Informationen versehen. Hier erhalten sie ihre Wertigkeit.

Jede fertige Karte wird im Werk mehrfach geprüft, ob sie auch funktioniert. Erst dann verschickt TCS das Produkt direkt an den Endkunden - plus einen gesonderten Brief mit der Geheimzahl.

Jahresumsatz über 40 Millionen Euro

20 Millionen solcher Bankkarten produziert das Unternehmen jedes Jahr, dazu sieben Millionen Tank- und Flottenkarten sowie 130 Millionen Geschenkkarten. 50 000 Pakete werden jährlich auf die Reise geschickt, 90 Millionen Anschreiben gehen raus. Der Jahresumsatz der Holding liegt bei über 40 Millionen Euro.

Wie schafft man es, sich gegen Konkurrenz aus Fernost zu behaupten? Auf die Frage verweisen die Geschäftsführer wieder auf die Sicherheitsstandards und das Know-How: Einzelne Module und die Verpackung stammen aus aller Herren Länder. Bei den sensiblen Teilen und der Datenbestückung vertrauen die Geldhäuser auf "made in Germany" - in diesem Fall: "made in Bamberg".

Das hiesige Werk war einst Bestandteil der Swiss-Post-Solutions. 2016 wurde es aus der Gruppe der Schweizerischen Post herausgelöst. Jäger und Osterrieder hatten sich bereits 2004 selbständig gemacht und eine Kartenfertigung der Lufthansa-Air-Plus in Neu-Isenburg gekauft. Seither expandierten sie stark und schafften sich in Bamberg ein zweites Standbein.

Volle Auftragsbücher waren hilfreich

"Wir haben das Unternehmen damals in einem finanziell schlechten Zustand übernommen", berichtet Jäger. Die Sanierung sei erleichtert worden, weil man volle Auftragsbücher mitbrachte. Der Standort an der Kronacher Straße wächst seither, berichtet der örtliche Geschäftsführer Hubert Spiegler. Für die Beschäftigten habe das Sicherheit gebracht, bestätigt die Bamberger Betriebsrätin Carina Krauß.

Mitarbeiter werden in Zeiten des Fachkräftemangels beinahe immer gesucht, vor allem Vertriebsleute, ITler und Programmierer. Auch im Ausland hält TCS nach qualifizierten Beschäftigten Ausschau. "Wir wollen unsere Mitarbeiter langfristig binden", sagt Osterrieder - deshalb bilde man derzeit auch 13 Nachwuchskräfte aus.

Herausforderungen der Zukunft sind mobile Bezahlwege über das Handy, aber auch neuartige Plattformen für die Chips. Die Geldkarte jedoch, da sind sich Osterrieder und Jäger sicher, wird noch lange Bestand haben: Weil sie einen viel sichereren Bezahlvorgang ermöglicht, als das Handy und keinen Strom braucht. "Es ist ein absolut sicheres Produkt, das immer funktioniert."



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