Bamberg
Ortswechsel

Krankenhausseelsorger reif für die Insel

Am 11, Mai wird Karmelitenpater Dieter Lankes als Krankenseelsorger im Klinikum am Bruderwald verabschiedet. Er wird Inselpfarrer auf Sylt, Amrum und Föhr.
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Pater Dieter Lankes ist auf die Intensivstation gerufen worden, um einem Patienten die Krankensalbung zu spenden.  Foto: Marion Krüger-Hundrup
Pater Dieter Lankes ist auf die Intensivstation gerufen worden, um einem Patienten die Krankensalbung zu spenden. Foto: Marion Krüger-Hundrup

Wenn Pater Dieter Lankes seinen Dienst als Krankenseelsorger beginnt, führt ihn sein erster Weg in die Kapelle im Klinikum am Bruderwald: "um Gott um Beistand für diesen Tag zu bitten", wie er sagt. Und auch sein letzter Gang am Tag endet erst einmal in der Kapelle: "um Gott alles, was war, in die Hände zu legen".

Dieser letzte Satz bekommt am Samstag, 11. Mai, eine noch tiefere Bedeutung: In der Vorabendmesse um 17.15 Uhr wird der Karmelitenpater verabschiedet. Für die Sozialstiftung Bamberg wird Vorstandsvorsitzender Xaver Frauenknecht die Dankesworte für zwei Jahre Einsatz zum Wohle der Patienten und Mitarbeiter aussprechen. "Natürlich hätte ich noch länger meinen Dienst im Klinikum leisten können", erklärt Pater Dieter. Doch eine Lebensentscheidung führe ihn zum 1. Juni 2019 aus Bamberg weg: "Ich verlasse den Karmelitenorden und werde im Erzbistum Hamburg Inselpfarrer auf Sylt, Amrum und Föhr."

Hinter diesen nüchternen Worten verbirgt sich ein Ringen um den richtigen Zukunftsweg, dessen neunmonatige Dauer der Ordensmann lächelnd mit einer Schwangerschaft vergleicht. Nach der "Zeugung" standen im September 2018 "Entscheidungsexerzitien in Assisi" an. Diese hätten ihn wieder "bewusst an meine Priesterberufung herangeführt, ich bin mit Leib und Seele Seelsorger, erst dann Ordensmann".

Wie eine Geburt sei die Erkenntnis ein "schmerzhafter Prozess" gewesen, gut begleitet durch "Hebammen von außerhalb". Die für Ordensleute zuständige Vatikankongregation habe schließlich auf seinen Antrag hin die sogenannte "Exklaustration" ausgesprochen und ihn von den Gelübden entbunden.

"Entscheidung für mich"

Dieter Lankes ist es ein Herzensanliegen zu betonen, dass seine Entscheidung, den Karmelitenorden zu verlassen, keine gegen die Ordensgemeinschaft sei, sondern "eine Entscheidung für mich": "Es ist nicht einfach für beide Seiten", bekennt der 56-Jährige.

Zumal der gebürtige Nürnberger, der nach seiner Ausbildung im Bamberger Theresianum 1985 in den Orden eingetreten ist, sogar zehn Jahre lang als Provinzial die Leitungsverantwortung für seine Mitbrüder hatte. Zuvor war Dieter Lankes, der am 16. Mai 1992 zum Priester geweiht wurde, einige Jahre Pfarrer in der thüringischen Ordensniederlassung Ohrdruf, die im Jahr 2007 aufgelöst werden musste.

Seine dort gemachten Erfahrungen als Seelsorger kamen ihm natürlich im Klinikum zugute. "Dienst in der Klinik ist immer Dienst am ganzen Menschen, aber man steht als Priester nicht unter dem Erfolgsdruck, pastorale Konzepte entwickeln zu müssen", macht Lankes doch einen wesentlichen Unterschied zur Pfarreiarbeit aus. Er habe erfahren dürfen, dass der bedürftige, kranke Mensch offen sei für Zuwendung. Dabei gehe es in der Krankenseelsorge vor allem darum, zuhören zu können und Klagen auszuhalten. "Einfach da sein und dem Patienten oder Mitarbeiter Zeit schenken", bringt Pater Dieter Lankes seine Aufgaben auf den Punkt.

Er ist dankbar, dass er in seinem bewusst getragenen braunen Ordenshabit im Klinikum nie auf Ablehnung gestoßen ist. Fest in seinem Herzen eingeschlossen sind die ungezählten Stunden, die er bei sterbenden Menschen und ihren Angehörigen verbracht hat: "Oft ist ein Gespräch wichtig, wenn Angehörige entscheiden müssen, ob die Apparate abgestellt werden sollen, da entlastet ein Seelsorger, auch wenn er keine Entscheidung abnimmt", weiß der Priester Lankes nur zu gut, der seine Einsatzschwerpunkte auf den Palliativ- und Intensivstationen hatte. Auch wenn ein Patient gestorben sei, brauchten Angehörige jemanden, der sie auffange.

Nachfolge ist geregelt

Dieter Lankes ist auch dankbar, dass er in einem Konfessionen übergreifenden Team von Krankenseelsorgern - katholisch und evangelisch - wirken konnte. Und dass das Erzbistum Bamberg seine Nachfolge im Klinikum am Bruderwald zum 1. September 2019 regle. In den Sommermonaten werden Bamberger Priester dort für die Seelsorge einstehen. Im August ist es üblicherweise ein Neupriester, der eingesetzt wird.

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