Bamberg

Kostenloses Park&Ride: So will Bamberg Pendler und Besucher zum Umstieg bewegen

Die Stadt setzt stärker auf den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV): Ab März soll das Parken auf den P+R-Parkplätzen und die Nutzung der zugehörigen Buslinien kostenlos werden. Weniger motorisierter Individualverkehr in der Innenstadt ist das Ziel.
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Der P+R-Parkplatz an der Kronacher Straße soll bald kostenlos nutzbar sein. Foto: Matthias Hoch
Der P+R-Parkplatz an der Kronacher Straße soll bald kostenlos nutzbar sein. Foto: Matthias Hoch

Das Auto auf dem Park&Ride-Parkplatz (P+R) abstellen und mit dem Bus in die Innenstadt fahren, kostet bisher 3 Euro am Tag. Doch das soll sich ab dem 1. März ändern: Gestern zeichnete sich ab, dass ein Beschluss im Stadtwerke-Aufsichtsrat Erfolg haben wird, wonach das Parken auf den Anlagen am Heinrichsdamm und an der Kronacher Straße inklusive der Fahrten mit den P+R-Linien kostenlos werden soll.

Aufsichtsratsvorsitzender OB Andreas Starke (SPD) bestätigte die Absicht. "Wir wollen eine Offensive starten, um Pendlern und Besuchern einen Anreiz zu bieten, vom Auto auf den Bus umzusteigen."

Hintergrund soll der erfolgreiche Versuch mit kostenlosen Busfahrten im Advent sein. Die Stadtwerke sprechen von rund einem Drittel mehr Fahrgästen an den vier Adventssamstagen. Außerdem seien elf Prozent weniger Autos in den innerstädtischen Parkhäusern gezählt worden - der Verkehr sei verringert worden.

Ein dauerhaft kostenloses Busangebot jedoch wie in Augsburg, wo in einer Tarifzone das Fahren ohne Bezahlen angeboten wird, ist laut Starke in Bamberg nicht praktikabel - es gebe hier etwa nur eine Tarifzone. Der Bamberger Weg führt deshalb über die P+R-Anlagen.

480 000 Euro Kosten

Das geplante Angebot wirft Kosten von rund 480.000 Euro auf. Laut Starke soll die Refinanzierung über Einsparungen und Umverteilung von anderen Aufgaben erfolgen. Genaueres gibt es dazu offenbar noch nicht.

Eingespart werden könnte aber beim erst im Dezember eingeführten elektronischen Ringbus durch die Innenstadt, der rund 160.000 Euro kostet. Er ist ein Beispiel dafür, dass nicht jede Neuerung auch sofort einschlägt. Bisher wird der Bus kaum angenommen. Starke will zwar nicht gleich die Flinte ins Korn werfen, aber man müsse die Linie auf den Prüfstand stellen, sollte die Akzeptanz nicht deutlich steigen. Der Testbetrieb läuft ein Jahr lang.

Das nun vorgelegte Angebot geht letztlich auch auf einen Vorschlag von Ursula Redler, Aufsichtsrätin der Bamberger Allianz, zurück. Diese hatte bereits 2018 in einem Antrag nach Vorbild von Aschaffenburg ein "Null-Euro-Ticket am Samstag" gefordert. Unterstützung bekam sie zunächst von der CSU. Im Oktober 2019 war dann ein entsprechendes Maßnahmenpaket beschlossen worden, in dem die freien Adventsfahrten, aber auch der Ringbus sowie stabile Busfahrpreise für 2020 beschlossen worden waren. Das jetzt geplante kostenlose Angebot begrüßt Redler: "Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber es müssen auch weitere Schritte folgen."

Aufsichtsrätin Christiane Laaser (Grünes Bamberg) lobt ebenso den Vorstoß: "Es ist eine gute Sache, um die Leute an den ÖPNV zu gewöhnen." Doch betont sie auch, dass nicht nur ein kostenloses Angebot zum Umstieg anregt. Vielmehr sei Schnelligkeit, etwa durch Busspuren, oder eine bessere Taktung gefragt. "Wir wollen außerdem mehr Park+Bike."

Erweiterung denkbar

"Wenn das Angebot gut angenommen wird, werden wir auch die Infrastruktur weiter ausbauen", erklärt Oberbürgermeister Starke. Im Herbst könnte eine erste Evaluation folgen, ob etwa die Anlage am Heinrichsdamm mit 800 Parkplätzen und an der Kronacher Straße mit 400 Parkplätzen erweitert werden müsse. "Wir verfolgen ein Gesamtkonzept." Mögliche Parkanbindungen seien auch am Stadteingang von Pödeldorf kommend oder von Bischberg nach Gaustadt denkbar.

Ein Spannungsfeld zu einer anderen, in der Vergangenheit beschlossenen Maßnahme, dem kostenlosen Parken für die erste Stunde in Parkanlagen der Stadtwerke in der Innenstadt, sieht Starke mit dem P+R-Angebot nicht: Das kostenlose Parken für die erste Stunde in den Tiefgaragen sei eine "Lex Lange Straße" gewesen. Die Kurzzeitparkplätze dort seien damals weggefallen. Eine verkehrspolitische Gestaltung der Langen Straße stehe grundsätzlich noch aus. Es sei aber mit dem Eine-Stunde-Kostenlos-Parken gesichert, dass schnelle Besorgungen weiterhin erledigt werden könnten. Der P+R-Parker dagegen sei meist ein Berufspendler, der den ganzen Tag parken wolle.

Dass jemand sein Fahrzeug an den P+R-Anlagen zu lange abstellt, sprich sein Auto dort über Tage am Stück parken könnte, wollen die Stadtwerke verhindern, indem weiter ein Ticket am Automaten gezogen werden muss. Damit kann auch künftig die P+R-Buslinie genutzt werden.

Kommentar von Sebastian Martin: Schönes (Wahl-)Geschenk

Das kostenlose Parken auf den P+R-Anlagen mit Nutzung der Busse könnte der Auftakt für eine ganze Reihe von verkehrspolitischen Maßnahmen sein, um den ÖPNV in Bamberg weiter zu attraktivieren und die Innenstadt vom motorisierten Individualverkehr zu befreien. Insofern ist das Kostenlos-Paket eine tolle Nachricht. Allein der Zeitpunkt lässt manchen aufhorchen: Am 15. März sind Kommunalwahlen, das nun zum Beschluss vorgelegte Angebot soll ab 1. März gelten und kommt somit also genau richtig. OB Starke betont zwar, es ging um die Sache, deshalb die Eile. Doch erinnert das auch an ein schönes Wahlgeschenk. Sei es drum: Solch schöne Wahlgeschenke kann man nun mal nicht ablehnen, und wenn es der Sache dient, sind sie umso besser. Man wünscht sich als Bürger nur eins: mehr davon - und das vor allem auch völlig unabhängig von irgendwelchen Kommunalwahlen.

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