Bamberg
Aktion

Knastkunst für die Kinderklinik

Der Freundes- und Förderkreis der Kinderklinik Bamberg lässt in der JVA Ebrach eine lebensgroße Giraffe basteln, die bald am Klinikum aufgestellt wird.
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Die Arbeit an der lebensgroßen Giraffe macht den Häftlingen Freude, weil sie den guten Zweck erkennen. Foto: Marion Krüger-Hundrup
Die Arbeit an der lebensgroßen Giraffe macht den Häftlingen Freude, weil sie den guten Zweck erkennen. Foto: Marion Krüger-Hundrup
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So richtig bewusst ist den jungen Herren wohl nicht, nach welchem berühmten Vorbild ihre Arbeit entsteht. Kein Geringerer als Surrealist Salvador Dalí hat die Steilvorlage für diese Knastkunst geliefert: Nämlich die "Brennende Giraffe" (1936, Öl auf Holz), deren Mähne und Rücken in Flammen stehen. Das Feuer scheint dem Tier aber nichts anhaben zu können. Bei ihm ist die Natur noch in Ordnung. Anders als bei den Menschen, die Dalì aus der Froschperspektive groß vor die Giraffe gemalt hat.

Egal, ob die Häftlinge der JVA Ebrach kunsthistorisch bewandert sind oder nicht: "Mir macht es einfach Spaß! Ist ja für einen guten Zweck, für Kinder!", sagt der 21-jährige Mike. "Eine Giraffe macht man nicht alle Tage, das ist Kunst", meint Dominik (22). Auch Marco (19) legt sich besonders ins Zeug, denn "man weiß genau, wofür es ist!" Christos (21) sieht die Bastelaktion pragmatischer: "Damit komme ich ein bisschen aus dem Alltag raus."

Ungewöhnlicher Auftrag

Ungewöhnlich ist der Auftrag allemal, den die Gefangenen erfüllen: Sie bauen an einer lebensgroßen, knapp sechs Meter hohen und 450 Kilogramm schweren Giraffe aus Zinkblech. Auftraggeber ist der Freundes- und Förderkreis der Kinderklinik Bamberg e.V. "Die alte Giraffe vor der Kinderklinik war total klasse, die Kinder waren begeistert", erzählt Vereinsvorsitzende Ines Hofferberth.

Doch die Witterung hatte dem Holzobjekt dermaßen zugesetzt,, dass es nicht mehr zu retten war. So hätten die über 50 Vereinsmitglieder beschlossen, eine neue Giraffe anzuschaffen: "Als Abschiedsgeschenk für Professor Karl-Heinz Deeg, der den Ruf der Kinderklinik sehr geprägt hat", erklärt Ines Hofferberth. Der Kinderarzt wurde bekanntlich im vergangenen Jahr in den Ruhestand verabschiedet.

Die Vereinsvorsitzende verweist auf Professor Gerhard Seitz, Chefpathologe am Klinikum und Gründungsmitglied des Freundes- und Fördervereins der Kinderklinik. Er habe die Idee geboren, die Giraffe in beständigerem Material aufleben zu lassen. Und flugs sei dessen Freund Pfarrer Hans Lyer, Gefängnisseelsorger in Ebrach, mit im Boot gewesen.

In Einzelgesprächen mit den Häftlingen griff Pfarrer Lyer die Gedanken auf, die beim Anblick einer Giraffe aufkommen: "Von der Höhe auf die Realität in der Welt schauen", klingt es fast philosophisch. Oder: "Auf hohen Beinen sich aus der Wirklichkeit heben und auf mein Leben schauen: Was hat mich nach Ebrach gebracht? Wie habe ich mich schuldig gemacht an Opfern?"

Form der Wiedergutmachung

Vielleicht ist für die Gefängnis-Insassen das Arbeiten für die Kinderklinik eine Form der Wiedergutmachung. Der 22-jährige Martin etwa, der in der JVA eine Ausbildung zum Maler absolviert und bereits im dritten Lehrjahr ist, spricht von einem "großen Ansporn zu wissen, dass ich etwas für kranke Kinder tue". Unter Anleitung seines Lehrmeisters Alexander Pauli hat Martin das zugeschnittene geformte und vernietete Zinkblech zwei Mal weiß grundiert und dann zwei Mal gelb lackiert. "Das hat er gut gemacht und sauber gearbeitet", lobt Pauli.

Dass diese Giraffe nun auch wirklich eindeutig als Giraffe zu erkennen ist, verdankt die Bastelcrew dem Bamberger Maschinenbauingenieur Jörg Zielinski. In seiner Freizeit hat er mit den Häftlingen geplant, erst ein Rohrgerüst gebaut und dieses mit dem Zinkblech verkleidet, Motivationsschübe verpasst und überhaupt ein fachmännisches Auge auf dieses Kunstwerk behalten. "Ich habe auch schon die Holzgiraffe zusammen mit dem Don Bosco-Jugendwerk Bamberg gebaut", lächelt Zielinski. Gerhard Seitz habe ihn also ein zweites Mal engagiert, Pfarrer Lyer die Kontakte zur Schlosserei und Malerwerkstatt der JVA Ebrach hergestellt.

Derzeit steht noch nicht genau fest, wann der neue Langhals vor die Kinderklinik aufgestellt wird. "Professor Seitz ist eifrig dabei, den Transport von Ebrach nach Bamberg zu regeln", erklärt Ines Hofferberth. Außerdem müsse für das schwere Stück ein Fundament gelegt werden. Nachdem der Freundes- und Förderkreis der Kinderklinik Bamberg die Kosten für die Giraffe im höheren vierstelligen Euro-Bereich übernommen hat, hoffen die Vereinsmitglieder, dass sich die Sozialstiftung entgegenkommend zeigt.

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