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Bamberg

Klimawandel: Ein Herbst, der nicht mehr endet

2019 war in Bamberg ein Jahr mit zwei Gesichtern: Der Dürre im Frühling folgte ein feuchter Herbst, der die Gärtner immer noch auf Trab hält.
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Der Herbst, als der Regen kam, sorgt in Bamberg für einen zweiten Frühling: Wirsingfeld Ende Dezember.  Foto: Barbara Herbst
Der Herbst, als der Regen kam, sorgt in Bamberg für einen zweiten Frühling: Wirsingfeld Ende Dezember. Foto: Barbara Herbst
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Von der Trockenheit der letzten Sommer ist in der Nordflur nichts mehr zu spüren. Und ebenso wenig vom Winter. Mit schweren Schuhen stapft Hans-Jürgen Eichfelder durch Ackerfurchen, in denen das Wasser knöchelhoch steht. Dazwischen leuchten Bamberger Wirsing und Lauch in der Dezembersonne. Sie sorgen dafür, dass die Gärtner auch zu Silvester gut zu tun haben.

Das war nicht immer so: "Bei Frost und Schnee konnten mein Vater und mein Großvater nicht weitermachen. Noch vor 20 Jahren war Anfang November Schluss. " Doch Eichfelder klagt nicht: Die feucht gemäßigten Temperaturen verliefen nach seinem Geschmack - viel Regen und kein grimmiger Frost. Die kühlen Temperaturen halten die Schädlinge in Schach, ohne das Wachstum der Pflanzen auszubremsen. "Meine Petersilie steht draußen wie im Kühlhaus."

Es ist nicht der erste Herbst, der nicht zu Ende geht, mit der Folge, dass die Pastinaken im Januar frisch vom Feld geerntet werden können. So hört sich die Bilanz von Eichfelder, dem Vorsitzenden des Unteren Gärtnervereins, fast versöhnlich an: "Wenn das der Klimawandel in Bamberg ist, stehen wir betriebswirtschaftlich nicht schlechter da als vorher." '

Freilich ist die superlange Saison nur eine Auswirkung von vielen, die die spürbare Erhöhung der Temperaturen in unseren Breiten verursacht. So wird das Jahr 2019 vor allem für die Forstwirtschaft als Katastrophe in die Annalen eingehen. Nach dem zweiten Dürresommer in Folge zeigte 2019 eine Baumart Schwäche, die bisher als trockenhart und unverwüstlich galt - die Kiefer. Aber auch Laubbäume leiden unter der Hitze in den Städten und sinkenden Grundwasserspiegeln. Über 80 Bäume im Hain zählen zu den prominenten Opfern.

Thomas Foken, in Bischberg lebender Klimaforscher, fühlt sich 2019 in seiner Erwartung bestätigt, dass die Erwärmung Bamberg mit voller Wucht trifft, eine Stadt, die ohnedies zu den wärmsten Bayerns gehört: "2019 war seit Beginn der regelmäßigen Messungen mit 10,4 Grad in Bamberg bereits das viertwärmste Jahr. Damit war es nur 0,3 Grad kälter als der bisherige Spitzenreiter 2018", sagt Foken. Was den Meteorologen besonders beunruhigt, ist der rasche Anstieg der sommerlichen Spitzenwerte: So kletterte das Quecksilber in Bamberg 2019 an 26 Tagen über die 30-Grad-Marke. Drei Mal lag die Temperatur über 35 Grad, und am 25. Juli wurde die bisher höchste je in Bamberg gemessene Temperatur eingestellt - 38,2 Grad. "Vor 50 Jahren waren heiße Tage über 30 Grad ein eher seltenes Ereignis. Sie kamen fünf bis zehn Mal vor." Hört man Foken, hat das nicht nur für die Wälder und Straßenbäume Folgen. Auch die Gesundheit der Menschen leidet. Nach einer Bilanz der Bundesregierung gab es 2018 5000 Hitzetote. 2019 soll die Zahl ähnlich hoch liegen.

Doch nach eineinhalbjähriger Trockenheit scheint der Bann mittlerweile gebrochen. Es regnet wieder. Dass dies seit seit Oktober so ist, lässt sich mit Blick auf die Luftdruckkarte leicht erklären. Es sind die blockierenden Wetterlagen mit ortsfesten Hoch- und Tiefdruckgebieten, die ausgedient haben. So kann bei Westwind wieder feuchtere Luft in den Kontinent vordringen. Das Ergebnis: In den letzten drei Monaten fielen in Bamberg rund 180 Liter Regen auf den Quadratmeter, zehn Prozent mehr als im langjährigen Mittel.

Ist das bereits ein Grund zur Entwarnung? Davon kann auf Basis der Bamberger Wetterwete keine Rede sein. So beläuft sich das aufgelaufene Niederschlagsdefizit seit 2018 noch immer auf 200 Liter. Auch in der Grundwasserstation Hallstadt spiegelt sich die in tieferen Schichten nach wie vor herrschende Trockenheit. An der Messstelle ist erst vor wenigen Wochen der tiefste Stand seit 1996 gemessen worden.

Eine Erklärung für die nur sehr schleppend verlaufende Regeneration mancher Grundwasserstände ist die geringe Wasserleitfähigkeit einmal ausgetrockneter Bodenschichten. Dazu kommt ein Effekt, der gerne unterschätzt wird: Die parallel zu den Temperaturen steigende Verdunstung. Es kommt also auch bei gleichbleibenden Regenmengen immer weniger Wasser im Grundwasser an.

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