Bamberg
Fridays for Future

Klima-Streik am 12. Juli in Bamberg - was Politiker dazu sagen

Die "Fridays for Future"-Bewegung verliert auch in Bamberg nicht an Fahrt: Am Freitag, 12. Juli, wollen wieder mehrere Hundert Schüler auf die Straße gehen.
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Die "Fridays for Future"-Demos werden am 12. Juli auch in Bamberg fortgesetzt (hier ein Bild von der ersten Demo im Februar).  Foto: Ronald Rinklef
Die "Fridays for Future"-Demos werden am 12. Juli auch in Bamberg fortgesetzt (hier ein Bild von der ersten Demo im Februar). Foto: Ronald Rinklef

Die Schüler in Bamberg demonstrieren für eine konsequentere Klimapolitik. Zur Unterstützung hat sich inzwischen auch eine studentische Gruppe an der Universität Bamberg gegründet, die "Students for Future". Der Klima-Streik soll am Freitag, 12. Juli, um 11.30 Uhr am Bahnhofsvorplatz in Bamberg starten. Die Demonstranten wollen anschließend durch die Innenstadt zum Maxplatz ziehen.

Weiter für Diskussionen sorgt, dass die Demo wieder während des Unterrichts stattfindet. Doch die Veranstalter des Schulstreiks betonen, dass so der politische Druck aufrecht erhalten werden soll. Schließlich seien die Forderungen noch längst nicht erfüllt. Allerdings sollen die Streiks auch in den Sommerferien weitergehen.

Auch die drei Bamberger Bundestagsabgeordneten äußern sich zu den Schülerstreiks: Es gibt Lob für das Engagement der Jugend, aber auch Kritik. "Weniger Anklage und mehr Aktion wären wünschenswert", findet etwa Thomas Silberhorn (CSU).

So äußern sich die drei Bundestagsabgeordneten:

Andreas Schwarz, SPD-Bundestagsabgeordneter: "Lasst uns Vorreiter sein"

"Es ist großartig, wenn junge Menschen politisch interessiert sind und sich engagieren. Das sollte in viel mehr Politikbereichen so werden. Ich persönlich habe schon vor einiger Zeit dem Organisationsteam der Bamberger "Fridays for Future"-Demos geschrieben und würde mich freuen, wenn es schon bald zu einem gemeinsamen Treffen kommt.

Mein Wunsch ist, dass man beim Thema Klima nicht nur mit den Ängsten der Bevölkerung arbeitet, sondern auch die Chancen für unser Land sieht. Wir müssen wieder Vorreiter werden. Deutschland wünsche ich mir als Weltmarktführer beim Thema Klimaschutz.

Dazu darf man aber nicht tausende Arbeitsplätze einfach vernichten, sondern muss unsere Industrien fit für die Zukunft machen. Das muss technologieoffen geschehen! Diese Aufgabe ist extrem komplex und die Antworten von vielen sind dafür oft zu einfach. Wir müssen aber alle in unserem Land bei dieser Generationenaufgabe mitnehmen.

Wir Sozialdemokraten wollen ein schnelles und wirksames Klimaschutzgesetz, und wir brauchen dringend eine CO²-Bepreisung, die aber kleine und mittlere Einkommen nicht belastet. Daher müssen wir auch darauf achten, dass wir die ländliche Region nicht benachteiligen, die oft aufs Pendeln angewiesen ist.

Nicht nur die Politik, sondern jeder einzelne kann mit seinem Konsumverhalten etwas zum Klimaschutz beitragen. Ich persönlich will auch nicht nur reden, sondern aktiv etwas zum Klimaschutz beitragen. Daher wird für Bamberg durch mein Zutun in Berlin in den kommenden Jahren ein neuer Klimafonds mit 1,1 Millionen Euro aufgelegt. Dieser wird viele innerstädtische Verbesserungen in puncto Stadtgrün, Insektenschutz und urbanem Gartenbau bringen.

In ganz Deutschland müssen wir mehr Geld für den Klimaschutz in die Hand nehmen. Dafür setze ich mich im Haushaltsausschuss ein. Die Welt schaut beim Klimaschutz und bei der Energiewende auch auf Deutschland. Lasst uns Vorreiter sein!"

Lisa Badum, Grünen-Bundestagsabgeordnete: "Ein Appell an uns alle"

"Ich finde es beeindruckend, wie leidenschaftlich die Schülerinnen und Schüler auch in Bamberg für den Klimaschutz demonstrieren. Für mich ist klar: Wir dürfen die Bewegung von "Fridays for Future" weder klein reden noch kaputt loben, wir müssen die Bewegung ernst nehmen. Denn wir befinden uns im Klima-Ausnahmezustand.

Es ist ein Appell an die Bundesregierung, an mich und meine KollegInnen im Bundestag und an uns alle. Sie fordern zu Recht, dass auch sie auf diesem Planeten alt werden dürfen. Es erfüllt mich mit Stolz, dass gerade auch in Bamberg eine so aktive und engagierte Bewegung auf die Straße geht. Das macht mir als klimapolitische Sprecherin Mut, im Bundestag weiter und noch stärker für ambitionierte Klimaziele zu kämpfen. Auch deshalb werde ich die jungen Leute bei der Demo am Freitag aktiv unterstützen.

Wir Grüne sind uns mit "Fridays for Future" einig: Bis 2030 müssen wir komplett aus der klimafeindlichen Kohleverstromung aussteigen, wir müssen umgehend die schädliche Subventionierung fossiler Energieträger beenden und eine wirksame CO²-Bepreisung angehen.

Nahezu wöchentlich werden Studien über beginnende Kippeffekte durch tauende Permafrostböden, überhitzte Weltmeere und schwindendes Polareis veröffentlicht. Und die Juni-Hitze in diesem Jahr hat uns einmal mehr bestätigt: Wir brauchen viel radikaleren Klimaschutz und zwar jetzt.

Die Klimabewegung wächst, und die Bundesregierung muss angesichts der Klimakrise mit dem Takt der Gesellschaft mithalten. Wir erwarten noch in diesem Jahr ein Klimaschutzgesetz, die Einführung eines CO²-Preises und ein Kohleausstiegsgesetz.

Es ist offensichtlich, dass den SchülerInnen sowohl politisches Handeln wie auch Klimabildung an der Schule fehlt. Ich unterstütze es sehr, wenn das Kultusministerium endlich darauf reagiert und die Schulen in ihrem Wirkungskreis selbst Umwelt- und Klima-AGs einrichten."

Thomas Silberhorn, CSU-Bundestagsabgeordneter: "Weniger Anklage, mehr Aktion"

"Dass sich junge Leute für den Klimaschutz engagieren, kann man nur begrüßen. Schließlich geht es um eine Überlebensfrage der Menschheit. Deshalb haben sich fast alle Staaten zu ehrgeizigen Maßnahmen verpflichtet, um die Erderwärmung zu begrenzen. 2016 und 2017 konnte ich daran mitwirken und eine globale Partnerschaft für nationale Beiträge zum Klimaschutz mit initiieren (ndcpartnership.org).

Ich halte aber nichts davon, den "Klimanotstand" auszurufen und mit dem moralischen Zeigefinger zu fuchteln. Das gilt auch für junge Leute, die von der Nutzung des Internets bis zu Flugreisen einen größeren ökologischen Fußabdruck hinterlassen als jede Generation davor. Weniger Anklage und mehr Aktion wären wünschenswert.

Die Klimaziele selbst sind ja nicht umstritten. Aber der Weg dorthin ist steinig. Zum einen müssen ökonomische und soziale Folgen etwa für sichere Energieversorgung und bestehende Arbeitsplätze bedacht werden. Zum anderen müssen wir so vorgehen, dass andere Staaten beim Ausstieg aus fossilen Energieträgern folgen können. Unsere Maßnahmen müssen also globalisierungsfähig sein, sonst sind sie nicht relevant.

Ein Beispiel ist die Bepreisung von CO². Eine einfache Abgabe würde vor allem kleine und mittlere Einkommen belasten, während sich Gutverdienende, die oft deutlich mehr CO² verbrauchen, freikaufen könnten. Das führt nicht zu Klimaschutz, sondern zu sozialen Spannungen. Da müssen sich alle ehrlich machen, anstatt andere zu belehren. Der Emissionshandel ist ein klügeres Konzept, das international skalierbar ist und private Investitionen in Richtung Klimaschutz kanalisiert.

Kleinteilige Vorschriften und Bevormundung werden der Aufgabe nicht gerecht. Wir müssen größer denken und auf Kreativität setzen. 30 Millionen Bäume wird jetzt der Freistaat Bayern pflanzen. Tausend Milliarden Bäume weltweit hat sich der 21-jährige Felix Finkbeiner vorgenommen (plant-for-the-planet.org). Wann nehmen die Fridays for Future-Demonstranten die Schaufel in die Hand?"

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