Bamberg
Protest

Klima-Demo in Bamberg: Warum nicht nach Schulschluss?

Die Bamberger Schüler gehen am Freitag wieder für den Klimaschutz auf die Straße. Doch warum schon ab 11.30 Uhr? Ein Mitinitiator und zwei Schulleiter beziehen Stellung.
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Etwa 1300 Schüler zogen bei der ersten Klima-Demo am 1. Februar durch Bamberg.  Foto: Ronald Rinklef/Archiv
Etwa 1300 Schüler zogen bei der ersten Klima-Demo am 1. Februar durch Bamberg. Foto: Ronald Rinklef/Archiv
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Diesmal wird es Ärger geben. Während die Bamberger Schulleiter bei der ersten Klima-Demonstration noch ein Auge zudrückten, kündigen sie für die zweite Auflage von "Fridays for Future", die am Freitag um 11.30 Uhr am Bahnhof startet, Konsequenzen an. Die Initiatoren erwarten erneut eine vierstellige Teilnehmerzahl. "Diesmal werde ich keine Entschuldigungen annehmen, und es wird Strafen geben", stellt Michael Strehler, Leiter des Kaiser-Heinrich-Gymnasiums (KHG), klar. "Ich finde es gut, dass die Schüler sich mit der Zukunft beschäftigen - aber nicht während der Schulzeit!"

Aktion umstritten

In der Öffentlichkeit ist der Schülerprotest umstritten. "Politisches Engagement ist gut, aber..." - so beginnen viele Äußerungen. Unter anderem die des FDP-Bundesvorsitzenden Christian Lindner, der seinem "Aber" die Aussage folgen ließ, dass Klimapolitik nur etwas für Profis sei. Dem widersprachen kürzlich über 12 000 Wissenschaftler, die als "Scientists for Future" erklärten: "Wir sind die Profis und wir sagen: Die junge Generation hat Recht!" Zu den Erstunterzeichnern von "Scientists for Future" gehört auch der Bischberger Thomas Foken, Meteorologe an der Universität Bayreuth.

Auch der Bamberger FDP-Stadtrat und Schulleiter des Friedrich-Rückert-Gymnasiums in Ebern, Martin Pöhner, kann dem Zitat Lindners so nicht zustimmen. Er gesteht den Schülern das Recht zu, Forderungen zu stellen. Doch auch Pöhner lässt ein "Aber" folgen: "Es sollte sich um ehrenamtliches Engagement handeln, also außerhalb der Schulzeiten stattfinden." Eine einmalige Ausnahme sei in Ordnung gewesen. "Aber wie soll man so eine Schule organisieren? Wenn ich das regelmäßig erlaube, müsste ich die Schüler auch für eine AfD-Demo entschuldigen", erklärt Pöhner.

Pöhner: Verbraucher sind gefragt

So nobel die Forderungen der Schüler an die Politik auch seien, für den Stadtrat sei der Verbraucher gefragt. "Klimaschutz fängt beim Einzelnen an. Die Schüler könnten auch mit dem Bus kommen, anstatt sich fahren zu lassen, in der Pause Bio-Produkte kaufen und zu Hause mit den Eltern diskutieren, ob man in den nächsten Urlaub unbedingt fliegen muss." Auch Pöhner kündigt Konsequenzen an, sollten seine Schüler heute unentschuldigt fehlen. Und auch er würde es sehr begrüßen, wenn sie stattdessen am Nachmittag demonstrieren würden.

In manchen Städten tun sie das auch. Die Klima-Demos der Schüler finden heute international statt, alleine in Deutschland in über 150 Städten. In 19 davon nach 13 Uhr, unter anderem in den fränkischen Orten Ansbach, Herzogenaurach und Neustadt an der Aisch. "Nach Schulschluss wäre klasse! Da könnte man sich sogar überlegen, selbst mitzulaufen", sagt KHG-Leiter Strehler.

Also warum nicht in Bamberg? "Wir haben ja auch schon eine Demo außerhalb der Schulzeit organisiert", sagt Noah Kettner, einer der Initiatoren von "Fridays for Future" in Bamberg und Schüler des KHG. Unter dem Motto "Nicht mit uns!" versammelten sich rund 1200 Bamberger aller Altersstufen an einem Samstag Mitte Februar. "Das gibt aber leider nicht die Aufmerksamkeit, die wir brauchen", fügt Kettner hinzu. "Außerdem geht es auch darum, ungemütlich zu sein, wenn wir den Planeten retten wollen."

Kettner, der gerade für sein Abitur lernt, rechnet selbst mit einer Strafe für sein Engagement: "Es wird auf jeden Fall Ärger geben", sagt er, "aber wer es ernst meint, der lässt sich davon nicht abschrecken." Solange keine konkreten Taten von den politischen Entscheidungsträgern folgen, solange keine ernsthaften Bemühungen kommen, die die Erderwärmung auf die von Klimaforschern geforderten 1,5 Grad Celsius im Jahr begrenzen, so lange "werden wir nicht aufgeben. Denn warum sollten wir für eine Zukunft lernen, die wir gar nicht bekommen, weil sie verheizt wird?"

So werden die Schüler am Freitag wieder vom Bahnhof über die Luitpold-, die Lessing- und die Lange Straße zum Grünen Markt ziehen und dabei ihren Unmut über die Klimapolitik lautstark und auf Plakaten kundtun. "Der Klimawandel wartet nicht, bis wir unser Abi haben", war bei der ersten Demo auf einem Plakat zu lesen.

Ein Bericht des Uni-Radiosenders "Uni-Vox" zur ersten Demo:

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