Baunach
Gotteshaus

Kleiner als vorher, aber in voller Pracht

Die Pfarrkirche St. Oswald in Baunach wurde um ein Drittel verkleinert und ist ab Sonntag wieder geöffnet.
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Blick in den neugestalteten Kirchenraum von St. Oswald  Fotos: Johannes Michel
Blick in den neugestalteten Kirchenraum von St. Oswald Fotos: Johannes Michel
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Noch stehen die Gerüste. Denn die Baunacher Pfarrkirche St. Oswald wird noch ein bisschen länger Baustelle bleiben: Es fehlt die Orgel, ein Teil des Anbaus aus den 1970er Jahren wird zum Pfarrzentrum mit Büros und Gruppenräumen umfunktioniert. Das Gotteshaus selbst aber ist ab Sonntag wieder nutzbar - und zeigte sich den Baunachern schon vorab in voller Pracht.

Sie war zu groß. Und zu teuer, ein Desaster in Sachen Heizkosten. Die Pfarrei Baunach und die Diözese Würzburg mussten handeln. So wurden die Pläne für eine Verkleinerung der Kirche vor vier Jahren konkreter. Mittlerweile ist ein großer Teil der Bauarbeiten vollendet, am Mittwoch gab es für die Presse und anschließend für alle Interessierten die Gelegenheit, das Werk zu betrachten.

Ein Drittel kleiner ist die Pfarrkirche St. Oswald geworden, der Altar wurde in den Chorraum zurückverlegt. Die Gläubigen sitzen damit ebenfalls um 90 Grad gedreht, nicht mehr in Nord-Süd-, sondern in Ost-West-Richtung. So, wie es bis vor rund 50 Jahren schon einmal war. Denn die Kirche war nicht immer zu groß - Anfang der 1970er Jahre erfolgte eine umfangreiche Erweiterung, nur der Chorraum und der Turm blieben erhalten, ein neuer Altar entstand, der Chorraum verlor seine eigentliche Rolle und diente nun vor allem für den Aufbau eines echten Schatzes in Baunach - für das Heilige Grab. Alle drei Jahre füllte es den alten Chorraum aus. Nun ist das Heilige Grab dauerhaft zu sehen, muss nicht mehr auf- und abgebaut werden, was dem Material auf Dauer ohnehin nicht guttat.

Bei der Präsentation der Kirche durch Dekan Stefan Gessner und Jürgen Lenssen von der Diözese ist die Ausstattung noch nicht komplett: Nicht alle Bänke sind aufgebaut, Stühle rund um den Altar gibt es noch nicht, der Windfang nach der Eingangstür fehlt. Und auch beim Heiligen Grab werden erst in den nächsten Monaten noch Details ergänzt. Im Jahr 2020 soll dann die neue Orgel eingebaut werden, mit der die Kirche erst wirklich vervollständigt wird, so Lenssen. Obwohl seit vergangenem Jahr als Domkapitular und Kunstreferent des Bistums Würzburg im Ruhestand, hat Lenssen - der sich auch maßgeblich für das Krippenmuseum nebenan verantwortlich zeigt - das Projekt Kirchensanierung und -verkleinerung begleitet.

Eine neue Funktion hat nun das Altarbild von Jacques Gassmann, das erst 2001 eingebaut wurde. Es bleibt erhalten und bildet einen Kontrast zum Heiligen Grab direkt gegenüber. Obwohl nie beabsichtigt, passen selbst die Farben zueinander. Vor ihm steht eine Pieta aus dem 14. Jahrhundert, die bisher im Pfarrhaus eingelagert war. In der Breite gekürzt, aber wiederverwendet wurde der Altar.


Viel Cortenstahl

Die "Schnittstelle" ist eindeutig zu sehen und wurde mit Cortenstahl sogar hervorgehoben. Überhaupt ist Cortenstahl, eine spezielle Stahlart, die nach einigen Wochen, in der sie der Witterung ausgesetzt war, eine besondere Schutzschicht (Patina) entwickelt, ein wichtiges Designelement bei der Neugestaltung. Er findet sich an vielen Stellen, auch der Sockel unter der Figur des St. Oswald, der künftig direkt am Eingang die Besucher empfängt, ist aus diesem Material.

Sofort ins Auge fällt das neue Altarbild von Künstler Michael Triegel. Thema ist die Menschwerdung - und Triegel, der beim Besichtigungstermin ebenfalls anwesend ist, erläutert seine Ideen, von der Gestaltung des Bildes weg von der typischen Krippenthematik (Ort des Geschehens ist eher eine Scheune) bis hin zum Mix aus Schönheit, Realität und Utopie. Jesus wird hier zudem als Neugeborener gezeigt, und nicht als pausbäckiges, schon mehrere Monate altes Kleinkind, wie es im Barock üblich war. Ein Schädelkranz weist darauf hin, dass mit Leben auch immer Tod verbunden ist.

Am Sonntag, 11. März, ist es nun offiziell soweit: Die Baunacher Kirche St. Oswald präsentiert sich allen Gottesdienstbesuchern völlig neugestaltet. Weihbischof und Diözesanadministrator Ulrich Boom wird um 15 Uhr den Pontifikalgottesdienst mit Altarweihe zelebrieren, zuvor können sich die Gäste vom ausführenden Architekturbüro kurz in die Neugestaltung einführen lassen (14.45 Uhr). Danach gibt es einen Stehempfang auf dem Kirch
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