Bamberg
Interview

Kirchenverwaltungswahlen: Demokratie von unten funktioniert

Rund 600 000 Katholiken im Erzbistum Bamberg können am Sonntag (18. November) eine neue Kirchenverwaltung der 530 Kirchenstiftungen wählen. Im weltlichen Bereich gibt es so ein Gremium aus Ehrenamtlichen nicht.
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Klaus Hofmann, Leiter der Revisionsabteilung im Erzbischöflichen Ordinariat, ist Ansprechpartner für Fragen rund um die Kirchenverwaltungswahl.Hendrik Steffens
Klaus Hofmann, Leiter der Revisionsabteilung im Erzbischöflichen Ordinariat, ist Ansprechpartner für Fragen rund um die Kirchenverwaltungswahl.Hendrik Steffens

Nachdem die evangelischen Christen kürzlich neue Kirchenvorstände wählten, sind nun die Katholiken am Sonntag an die Wahlurne gerufen. Unter dem Motto "Kirche verwalten, Zukunft gestalten" können die Katholiken im Erzbistum Bamberg durch ihre Stimme den Kirchenverwaltungen vor Ort in den (Filial-) Kirchenstiftungen ein starkes Mandat verleihen. Dass Demokratie von unten auch in der Kirche funktioniert, macht Klaus Hofmanndeutlich. Er ist Leiter der Revisionsabteilung im Erzbischöflichen Ordinariat und Ansprechpartner für alle Fragen rund um die Kirchenverwaltungswahl.

Welche Funktion haben Sie im Ordinariat und im Zusammenhang mit den Wahlen?

Klaus Hofmann: Im Erzbischöflichen Ordinariat bin ich mit der Leitung der Revisionsabteilung betraut. Die Hauptaufgabe besteht darin, die eingereichten Jahresrechnungen der Kirchenstiftungen sowie die der Kindertageseinrichtungen und sonstiger Einrichtungen zu prüfen. Anfragen der Ehrenamtlichen aus den Kirchenverwaltungen zu den Themen Finanzen sowie Buchhaltung, aber auch Fragen betreffend die Kirchenstiftungsordnung sind in der Revisionsabteilung angesiedelt.

Aufgrund der engen Bindung zu den vor Ort tätigen Kirchenverwaltungen liegt die Organisation und Abwicklung der Kirchenverwaltungswahl bei der Revisionsabteilung. Für individuelle Fragestellungen rund um die Durchführung der Kirchenverwaltungswahl stehen wir und Herr Rechtsdirektor Johannes Siedler als Ansprechpartner zur Verfügung. Hier gilt es, den vor Ort handelnden Personen Unterstützung zukommen zu lassen. Das erfolgte beispielsweise durch die Einrichtung einer entsprechenden Homepage (www.kirchenverwaltungswahl-bamberg.de), der Bereitstellung von Wahlmappen und der Erstellung eines Fragen-Antwort-Katalogs. Für individuelle Fragestellungen rund um die Durchführung der Kirchenverwaltungswahl stehen wir als Ansprechpartner zur Verfügung.

Welche Bedeutung hat die Kirchenverwaltungswahl für die Pfarreien?

Die Kirchenverwaltungswahlen finden alle sechs Jahre statt; am 18. November 2018 in allen bayerischen Bistümern. Insgesamt sind an diesem Tag 585 426 Katholiken im Erzbistum Bamberg aufgerufen, durch ihre Stimme den Kirchenverwaltungen vor Ort in den jeweiligen Stiftungen ein starkes Mandat zu verleihen. Die Kirchenverwaltungen der 530 Kirchenstiftungen im Erzbistum Bamberg vertreten diese als gesetzliche Vertreter im täglichen Rechtsverkehr. Gemeinsam mit dem Kirchenverwaltungsvorstand - in der Regel der zuständige Pfarrer - kümmern sich die ehrenamtlichen Kirchenverwaltungsmitglieder um die Belange ihrer Stiftung. So stehen unter anderem die vorhandene Infrastruktur wie Gebäude und Personal sowie die Verwaltung, der die Finanzierung des kirchlichen Lebens in der Pfarrgemeinde obliegt, im Vordergrund.

Die Kirchenverwaltung entscheidet also über die Finanzen einer Pfarrei?

Eine wesentliche Aufgabe der Kirchenverwaltung ist die gewissenhafte und sparsame Verwaltung des der Stiftung anvertrauten Vermögens. Die Befriedung ortskirchlicher Bedürfnisse, beispielsweise das Gewähren eines würdigen Rahmens für eine Gottesdienstfeier oder auch der Unterhalt der Gotteshäuser, sind hierunter exemplarisch zu verstehen. Über die im Lauf eines Jahres bei der Kirchenstiftung angefallenen Geschäftsvorfälle ist eine Jahresrechnung zu fertigen, die der Revisionsabteilung jährlich vorgelegt werden muss.

Wie schaut es mit der Entscheidungsbefugnis der Kirchenverwaltung aus? Können die Ehrenamtlichen den Pfarrer überstimmen oder hat er doch das letzte Wort?

Die Kirchenverwaltung wird durch Beschlussfassung tätig. Die Beschlüsse werden mit Mehrheitsbeschluss gefasst. Lediglich bei Stimmengleichheit gibt die Stimme des Pfarrers den Ausschlag. Bereits durch die Bestimmung der Anzahl der zu wählenden Kirchenverwaltungsmitglieder soll eine "Pattsituation" nach Möglichkeit ausgeschlossen werden. So befinden sich in den Kirchenverwaltungen - im Idealfall und bei Anwesenheit aller Kirchenverwaltungsmitglieder bei den Sitzungen - immer eine ungerade Anzahl an Mitgliedern. Die alleinige Bestimmung der Geschicke einer Stiftung durch den Ortsgeistlichen wäre von der Kirchenstiftungsordnung nicht gedeckt.

Gibt es im weltlichen Bereich vergleichbare Gremien, die Sie zur Erklärung einer Kirchenverwaltung heranziehen können?

Die Struktur einer Kirchenverwaltung ist einmalig und findet sich so im weltlichen Bereich nicht wieder. Die Kirchenverwaltung besteht aus dem Kirchenverwaltungsvorstand, in der Regel der Pfarrer, sowie den weiteren Mitgliedern der Kirchenverwaltung. Aus deren Mitte wird jeweils ein Kirchenpfleger bestimmt, der den Kirchenverwaltungsvorstand bei der Erledigung seiner vielschichtigen Aufgaben unterstützt.

Ferner übernimmt der Kirchenpfleger in der Regel die Kassen- und Rechnungsführung, erstellt die bei der Revision einzureichende Jahresrechnung und führt das Protokollbuch. Eine dieser Konstellation am nächsten kommende Struktur weist der Verein auf. Hier finden sich neben dem Vorsitzenden ein Kassier, Schriftführer sowie Beisitzer.

Wie wichtig ist die Zusammenarbeit von Kirchenverwaltung und Pfarrgemeinderat?

Grundsätzlich verantwortet die Kirchenverwaltung den Aufgabenbereich der Vermögensangelegenheiten. Der Pfarrgemeinderat und seine Sachausschüsse kümmern sich um den pastoralen Bereich, zu dem beispielsweise die Liturgie und die Gottesdienstvorbereitung, aber auch soziale und caritative Fragen gehören. Mit den vielen kirchlichen Themen und Aktivitäten gestaltet der Pfarrgemeinderat das Leben in der Pfarrgemeinde.

Die beiden Gremien agieren nicht parallel nebeneinander, sondern arbeiten zusammen. So ist jeweils ein Mitglied des anderen Gremiums zu den Sitzungen der Kirchenverwaltung bzw. des Pfarrgemeinderats geladen.

Welchen Einfluss nimmt die Kirchenverwaltung auf die seelsorgliche Arbeit, auf die Festlegung von Gottesdiensten und die Einstellung von Personal inklusive Pfarrer?

Die Einstellung von Personal in der Stiftung, z.B. eines Mesners oder einer Pfarrsekretärin, obliegt der Kirchenverwaltung - vorbehaltlich der stiftungsaufsichtlichen Genehmigung. Analog verhält es sich bei den stiftungseigenen Kindertagesstätten in Fällen der Anstellung von pädagogischem Personal (Erzieherin, Kinderpflegerin) und nichtpädagogischem Personal (Servicekraft im Reinigungsbereich, Hausmeister). Auch hier berät und beschließt die Kirchenverwaltung über den Abschluss, die Verlängerung oder Aufhebung eines Beschäftigungsverhältnisses.

Die Besetzung der Pfarreien mit Pfarrern bzw. Pfarrvikaren obliegt letztlich dem Erzbischof und der Personalkommission für das pastorale Personal. Hierbei finden Rückmeldungen aus der Kirchenverwaltung und des Pfarrgemeinderats der jeweiligen Kirchenstiftung Eingang in die Personalentscheidung. Betreffend die Gestaltung der Gottesdienste unterstützt der Pfarrgemeinderat das vor Ort tätige pastorale Personal.

Die Fragen stellte Marion Krüger-Hundrup

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