Bamberg
Programm-Kino

Kino, Kabarett, Konzerte: Kintopp trotzt Krise

Auf mehrere Standbeine setzen die Pächter des Hollfelder Kintopps. Gerade wurde das Programm vom FilmFernsehFonds des Freistaates wieder ausgezeichnet. Wir sprachen mit Ralf Söhnlein über die Prämie und seine Pläne für die kommenden Jahre, um der Krise zu trotzen.
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Führen seit Ende vergangenen Jahres das Kintopp Hollfeld: Ralf Söhnlein und Anja Kupfer
Führen seit Ende vergangenen Jahres das Kintopp Hollfeld: Ralf Söhnlein und Anja Kupfer
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Die fetten Jahre sind vorbei. Der letzte Vorhang fiel in vielen kleinen Filmtheatern, die die Konkurrenz der Multiplex-Paläste in die Knie zwang. Währenddessen besitzt Hollfeld als Ort mit gerade 5500 Einwohnern weiter sein eigenes Programm-Kino. Seit über drei Jahrzehnten stemmt sich das Kintopp gegen den Abwärtstrend. Gerade wurde es neben dem Bamberger Lichtspiel mit einer Prämie des FilmFernsehFonds Bayern ausgezeichnet, die an 59 bayerische Betreiber ging. Was Ralf Söhnlein die Würdigung bedeutet, der das Kino Ende 2011 übernahm, und welche neuen Pläne er damit verbindet, verriet der Franke im Interview.

inFranken: Beruflich arbeiten Sie als Zentralheizungs- und Lüftungsbaumeister. In der Freizeit spielen Sie in der Band blind eyes watching.
Was brachte Sie dazu, darüber hinaus noch ein Kino zu übernehmen?


Ralf Söhnlein: Nachdem sich Ursula Scheicher nach knapp 30 Jahren dazu entschied, ihr Kino zu schließen, fand sich Monate lang kein Nachfolger. So entschied ich mich mit meiner Freundin Anja Kupfer nach Gesprächen mit der Belegschaft und vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern, das Kintopp ab Dezember 2011 über die Betreibergesellschaft AR Kintopp UG samt angeschlossenem Bistro nebenberuflich weiterzuführen. Zumal wir hier selbst zuvor schon "hinterm Vorhang" tätig waren: Anja als Bedienung und ich beim Einbau einer Heizungsanlage. Uns liegt am Erhalt dieser kulturellen Tradition inmitten der Fränkischen Schweiz.

inFranken: Welche neuen Akzente setzen Sie? Sehen Sie die Zukunft des Kintopps eher im Bereich Filmkunst oder Mainstream?

Ralf Söhnlein: Als Neulinge stützen wir uns auf Ruth Dormann und Wolfgang Kupfer - übrigens der Bruder von Anja -, die das Programm unter Ursula Scheicher lange mitgestalteten. Wichtig ist uns allen, viele deutsche Filme, Filme mit Prädikat, Kinder- und Jugendfilme im Programm zu haben. Als eines der letzten Kinos Bayerns mit 35-mm-Filmtechnik und nur einem Vorführsaal ist es allerdings nicht immer einfach, an Neuerscheinungen ranzukommen, zumal wir wenig Vorstellungen bieten können. So bekommen wir die Streifen meistens nicht vor der achten Spielwoche.


Programm auch für wenige Zuschauer


inFranken: Wie entwickelten sich die Zuschauerzahlen im Kintopp vor diesem Hintergrund? Welche Zielgruppen erreicht Ihr Programm?

Ralf Söhnlein: Wir haben im Jahr um die 8000 Zuschauer, das macht im Schnitt 15 pro Vorstellung. Wobei wir schon ab zwei Besuchern Filme zeigen. Leider gelang es uns im vergangenen Jahr nicht, eine bessere Resonanz zu erzielen. Besonders gut kommen die Kinderfilme (sonntags ab 15 Uhr) an, auch die Altersgruppe ab 30 ist im Kintopp gut vertreten. Was zu wünschen übrig lässt, ist der Zulauf der Jüngeren - so zwischen 16 und 30, wie überall.

inFranken: Beschränkt sich der Einzugsbereich des Kintopps dabei auf Hollfeld und umliegende Orte?

Ralf Söhnlein: Zum Großteil kommt das Publikum aus der näheren Region. Darüber hinaus ziehen wir Zuschauer aus einem Umkreis von ca. 50 Kilometern an - aus Nürnberg, Fürth, Forchheim, Bamberg, Kronach, Kulmbach, Bayreuth und beispielsweise auch Pegnitz, weil viele das Flair unseres Kinos lieben.

inFranken: Dennoch: Wie wollen Sie bei 8000 Zuschauern pro Jahr finanziell auf Dauer überleben?

Ralf Söhnlein: Mittlerweile bieten wir im Kintopp viele Sonderveranstaltungen - Kabarettabende, Konzerte. Bei uns traten Michel Müller, Lizzy Aumeier, Das Eich, Quadro Nuevo und Landmusigg auf, um nur einige Beispiele zu nennen. Auch kann man das Kintopp für Geburtstags-, Firmenfeiern, Hochzeiten und andere Anlässe mieten. Wir gehen auf Wünsche unserer Gäste ein.

inFranken: Wie das Kintopp wurde gerade das Bamberger Lichtspiel ausgezeichnet. Kooperieren oder konkurrieren Sie mit dem Betreiber?

Ralf Söhnlein: Konkurrenz? Nein! Kooperation? Aber immer! Gerrit (Zachrich) und Diana (Linz) haben uns schon viele wertvolle Tipps und Anregungen gegeben. Ich würde somit unbedingt von einem Mit- statt Gegeneinander sprechen.

inFranken: Wurde das Kintopp zuvor schon ausgezeichnet? Wie planen Sie den damit verbundenen finanziellen Bonus einzusetzen?

Ralf Söhnlein: Ursula Scheicher hat mit ihrem individuell geprägten Programm schon mehrere Preise gewonnen. Verbunden waren mit der Prämierung diesmal 4 000 Euro, mit denen wir finanzielle Löcher stopfen, die der laufende Betrieb mit sich bringt.

Welche Pläne haben Sie mit dem Kintopp in den nächsten Jahren?

Ralf Söhnlein: Wir planen so manches, beispielsweise einen Förderverein "Kinofreunde Hollfeld". Ein Muss ist darüber hinaus die Digitalisierung, da 35-mm-Kopien rar werden und wir auf diese Weise irgendwann keine Filme mehr zeigen können. Was das Programm betrifft, so wollen wir weiterhin mit prämierten Filmen, deutschen Filmen und einem guten Kinderprogramm punkten. Auch sind wir dabei, Sponsoren und Werbepartner zu suchen und das Kintopp im weiten Umkreis über die neuen Medien noch bekannter zu machen. Unsere Facebookadresse bei der Gelegenheit: www.facebook.com/kintopphollfeld .

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