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Kinder-Uni Bamberg: Was ist eigentlich eine normale Familie und gibt es die überhaupt?

Manchmal sind wir von ihr genervt, aber tauschen würden wir sie trotzdem für nichts anderes auf der Welt: unsere Familie. Dabei ist jede Familie anders und Familien verändern sich. Gibt es überhaupt eine "normale Familie"?
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Doris Lüken-Klaßen zeigte den Kinder-Uni-Studierenden, wie interessant und wichtig Familienforschung sein kann.  Foto: Barbara Herbst
Doris Lüken-Klaßen zeigte den Kinder-Uni-Studierenden, wie interessant und wichtig Familienforschung sein kann. Foto: Barbara Herbst
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Denk mal kurz an deine Familie. Besteht sie aus Mama, Papa, Bruder und Schwester? Oder hast du nur eine Mama oder einen Papa? Hast du sogar Halb- und Stiefgeschwister oder bist du ein Einzelkind? Das und vieles mehr wollen Regina Neumann und Doris Lüken-Klaßen von den Teilnehmern der Kinder-UniBamberg wissen.

Die beiden sind Soziologinnen und erforschen Familien. "Wir untersuchen zum Beispiel, wie sich das Familienleben mit der Zeit geändert hat", erzählt Regina Neumann. Als Soziologinnen befragen sie nicht nur Eltern und Kinder, sondern sie sammeln auch ganz viele Zahlen.

So wissen sie zum Beispiel, dass eine von zehn Familien in Deutschland "kinderreich" ist. "Das bedeutet, dass in diesen Familien mindestens drei Kinder sind", erzählt Lüken-Klaßen. Früher waren das wenig Kinder: "Meine Uroma hatte elf Geschwister", erzählt ein Mädchen. "Und jetzt stellt euch mal vor, ihr müsstet mit denen allen unter einem Dach leben", sagt die Forscherin. Die Kinder schlagen die Hände über den Kopf. "Das war früher total normal, oft hat man einen großen Stammbaum gemalt, um den Überblick zu behalten", erzählt Regina Neumann. "Mein Opa und meine Oma haben sich ganz viele Familienbilder ins Büro gehängt", sagt Mika aus Breitengüßbach. "Siehst du! Und heute braucht man das kaum noch", sagt die Forscherin, denn es gibt viel mehr Familien mit Einzelkindern. Die nennt man "Bohnenstangenfamilie", weil der Stammbaum dann wie eine gerade Bohnenstange aussieht.

Aber warum werden Familien kleiner? Das liegt unter anderem daran, dass Frauen ihr erstes Kind viel später zur Welt bringen als früher. Das Durchschnittsalter beträgt 30 Jahre, früher waren es 24. "Warum werden die Mamas älter?", fragt ein Mädchen. Regina Neumann erklärt: "Viele Mamas sind länger im Bildungssystem, also machen Abitur und studieren." Viele warten dann noch mit dem Kinderkriegen.

Viel mehr Möglichkeiten als früher

Im Vergleich zu früher besteht eine Familie aus weniger Kindern, dafür gibt es aber viel mehr Möglichkeiten, wie eine Familie aussehen kann. "Früher gab es keine Scheidungen", erzählt Doris Lüken-Klaßen. Fast alle Familien bestanden deshalb aus einer Mama und einem Papa, die verheiratet waren, und den Kindern."Nur wenn ein Elternteil gestorben ist, gab es Familien mit Stiefeltern und Stief- und Halbgeschwistern. Das nennen wir Patchworkfamilie."

Heute können sich Eltern trennen, das Kind alleine oder mit einen neuen Partner großziehen, der vielleicht auch eigene Kinder hat. "Es gibt ganz viele Formen und deshalb auch ganz viele komplizierte Begriffe", sagt Lüken-Klaßen. Um die kennenzulernen, hat sie ein Quizvorbereitet.

Wusstest du zum Beispiel, dass eine Regenbogenfamilie keine Familie ist, die sich immer bunt anzieht, sondern eine Familie, in der sich zwei Mamas oder zwei Papas lieben? Nicht alle Kinder wissen das. Dafür ist vielen klar, was eine "Ein-Eltern-Familie" ist. "Das nennt man auch alleinerziehend", weiß ein Junge. Diese Familienform ist gar nicht selten, sagt Regina Neumann: "Eine von fünf Familien in Deutschland ist eine Ein-Eltern-Familie."

Diese Zahlen können sich im Laufe der Zeit verändern, wie ein Mädchen bestätigt: "Meine Mama war alleinerziehend, bevor sie ihren Freund kennenlernte. Jetzt habe ich einen Stiefpapa und eine Halbschwester."

"Und was ist jetzt eigentlich eine normale Familie? Ist es normal, wie die Leute früher gelebt haben oder heute?", fragt die Forscherin. "Oder ist normal das, was für einen selbst normal ist?" Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es da eine klare Definition. "Wir Soziologinnen sagen: Familie ist da, wo Kinder sind." Die kleinen Studenten sehen das genauso: Jede Familie ist anders - und das ist doch völlig normal.

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