Bamberg

Kiloweise "Gras" für Bamberg

Vor dem Landgericht muss sich derzeit ein 48-jähriger Drogenkurier aus Frankfurt verantworten. Immer wieder soll er Marihuana in größeren Mengen an einen Bamberger Psychologen geliefert haben, der es an Patienten verkaufte.
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Aarian G. (Bildmitte) mit seinen beiden Verteidigern Jens Odolf Breidert (links) und Thomas Scherzberg Foto: Stefan Fößel
Aarian G. (Bildmitte) mit seinen beiden Verteidigern Jens Odolf Breidert (links) und Thomas Scherzberg Foto: Stefan Fößel
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Meist trafen sich der kräftige Mann aus Frankfurt und der Sohn des Psychiaters auf den Parkplätzen Bamberger Schnellrestaurants, gelegentlich auch an Glascontainern. Laut Anklage soll bei diesen Treffen Rauschgift in Mengen von jeweils zwei bis sechs Kilo den Besitzer gewechselt haben. Der hessische Drogenkurier Aarian G. (alle Namen geändert) muss sich nun vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Bamberg verantworten. Gegen die Käufer, eine Familienbande um den 71-jährigen Bamberger Psychologen Erwin K., wird das Verfahren in der kommenden Woche eröffnet.

Ein großer Teil des ersten Prozesstags fand hinter verschlossenen Türen statt, ehe Vorsitzender Richter Markus Reznik das Ergebnis eines sogenannten Rechtsgespräches verkündete: Aarian G. will am kommenden Mittwoch umfassend auspacken und den Ermittlern neben einem Geständnis noch Hintergründe zur Drogenlinie von Spanien nach Frankfurt bieten. Dafür darf er dann auf eine Gefängnisstrafe von "nur" fünfeinhalb bis sechseinviertel Jahren hoffen. Zugleich wurde festgestellt, dass die laut Anklage übergebenen Drogenmengen auch auf Hochrechnungen von Polizei und Staatsanwaltschaft beruhen. In den Aufzeichnungen von Mike K., dem Sohn des Psychologen, sei von deutlich kleineren Drogenpaketen die Rede.

Dazu wollten aber weder Erwin noch Mike K. in dieser Verhandlung etwas sagen - sie machten von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch, um sich nicht selbst zu belasten. Erwin K. wird nicht nur Drogenhandel im großen Stil vorgeworfen, sondern auch sexueller Missbrauch von Patientinnen. Mike K. soll das Marihuana zum Grammpreis von fünf Euro und einmal auch Kokain für 50 Euro das Gramm erworben und dann gewinnbringend weiterverkauft haben. Den größeren Teil hat laut Anklage aber der Vater über seine Praxen in Bamberg und Sonneberg vertrieben.

An diesem Verhandlungstag wurde jedoch vor allem die vielschichtige Persönlichkeit Aarian G.s beleuchtet, der mit 13 Jahren aus dem Iran nach Deutschland gekommen war. Obwohl er als hochintelligent gilt, kam er nie so recht von der schiefen Bahn weg. Fast zwei Stunden lang wurden seine bisherigen Straftaten verlesen. G. hatte unter anderem serienmäßig S-Bahn-Kunden ausgeraubt, im Streit auf einen Mann eingestochen oder größere Cannabisplantagen angelegt. In G.s Auftrag wurde ein säumiger Schuldner mit Gummiknüppeln verprügelt und sein Auto mit einer Handgranate schwer beschädigt. Ohne die eigene Abhängigkeit (Cannabis, Kokain, Alkohol), persönliche Rückschläge und Finanzprobleme hätte G. eigentlich glänzende Voraussetzungen gehabt. Er studierte Physik, hat als Lehrer gearbeitet und war zuletzt als Projektmanager tätig. Der bisherige Arbeitgeber hat dem Gericht eine Bestätigung geschickt, dass man den "herausragenden Mitarbeiter" nach der Haft jederzeit wieder einstellen würde. Aber dass G. ohne Drogenentzug wieder straffällig wird, fürchtet Gutachter Christoph Mattern. Wie G. ging es

auch dem früheren Drogendealer und -abhängigen Matthias B., der einst im Gespräch mit unserer Zeitung feststellte: "Bamberg ist eine Drogenhochburg." Zu B.s Kunden in Bamberg zählten "Kinder aus gutem Haus". Bahnhof und Hain nannte er als Hauptumschlagsplätze. Der Drogenpräventionsbeauftragte der Bamberger Polizei, Alexander Hoh, konnte dies nicht so bestätigen. Bahnhöfe seien aber Orte verstärkter Polizeikontrollen.

Um die Frage, auf welchen Wegen Drogen zu ihren Konsumenten in der Region kommen, wird es auch in der kommenden Woche vor dem Landgericht gehen. Denn dann steht neben G.s Geständnis auch der Prozess gegen die dealende Bamberger Familienbande an.

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