Bamberg

Keramikerin präsentiert Werke für die Kaiserin

Im Zuge der Ausstellung "Circles" wurden gestern erstmals in der St. Stephans-Kirche Werke der koreanischen Keramikerin Young-Jae Lee präsentiert - eine Hommage an die heilige Kaiserin.
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Die koreanische Keramikerin Young-Jae Lee vor ihren Schalen in der Stephanskirche  Fotos: Michael Gründel
Die koreanische Keramikerin Young-Jae Lee vor ihren Schalen in der Stephanskirche Fotos: Michael Gründel
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111 Schalen in wunderbar zarten Farben, gruppiert zu einer ungewöhnlichen Installation im Hochchor der St. Stephans-Kirche. Jede Schale steht zunächst für sich. Aus dem Nebeneinander der vielen Schalen entsteht ein Dialog zwischen dem einzelnen Objekt, der Gruppe - und mit Kaiserin Kunigunde.

Hoch droben im Chorraum steht die Skulptur der Stifterin dieser Kirche. Wer kennt nicht die Legende vom Pfennigwunder und der Schale der Kunigunde? "Wunder und Schale, beides Sinnbild für die 1200 heilig gesprochene Kaiserin: ein reines, heiliges Gefäß, gut und gerecht", deutet Birgit Kastner, Dombergkoordinatorin und Hauptautorin des Begleitbuches zur derzeitigen Ausstellung "Circles" in Bamberg.

Kastner präsentierte gestern diese 111 Schalen der koreanischen Keramikerin Young-Jae Lee. Dabei bekam die Vorstellung einen geradezu sakralen Charakter. Denn der Sonntagsgottesdienst ging voraus, dem Pfarrer Walter Neunhoeffer vorstand.

Begegnung mit Gott und Kunst
Er lud die zahlreichen Besucher - unter ihnen Oberbürgermeister Andreas Starke, "Circles"-Kurator Alexander Ochs-Barwinek und die Künstlerin Young-Jae Lee - nicht nur zur Begegnung mit Gott, sondern auch zur Begegnung mit Kunst ein. Selbst in seiner Predigt schlug Neunhoeffer den Bogen von "Perspektiven Gottes" zu den Schalen, "von denen jede einzigartig ist".

Kirchenvorstandsmitglied und Vertrauensfrau Annegret Reither nannte die Installation "unseren Beitrag zu der Ausstellung Circles": "Wir freuen uns über moderne Kunst in unserer Kirche", zumal Schalen in Korea ein Symbol der Hingabe seien, womit die Verbindung zu Kunigunde hergestellt werden könne.

Birgit Kastner nannte diese Verbindung "eine feine Berührung der Biographie Kunigundes" mit ihrer Hingabe zu Gott, zu ihrem Gemahl Heinrich und zu Bamberg.

Auch die Keramik von Young-Jae Lee gründe in Hingabe und Liebe. Gerade auch, weil die Schalen in der ostasiatischen Heimat Lees als Gebrauchsgegenstände etwa für Teegetränke gelten.

Young-Jae Lee beherrscht nicht nur die Handwerkskunst, sie töpfert auch Seele in ihre Objekte mit hinein. In ihrer Klarheit und reduzierten Ästhetik entwickeln die 111 Schalen in St. Stephan einen geradezu meditativen Charakter.

Herstellung als Meditation
Wie schon die Herstellung jedes neuen Gefäßes einer Meditation gleicht, wenn jenseits der Routine die tägliche Arbeit zu einer Art Exerzitium wird. Dafür steht Young-Jae Lee, die jede Form vollkommen beherrscht und verinnerlicht hat.

Die Künstlerin - 1951 in Seoul geboren - wuchs in konfuzianischer Tradition auf. Nach einem Studium der Kunstpädagogik kam sie Anfang der 1970er Jahre nach Deutschland und studierte Keramik und Formgestaltung in Wiesbaden.

Nach Zwischenstationen in Heidelberg und Kassel übernahm Young-Jae Lee 1987 die Leitung der Keramischen Werkstatt Margaretenhöhe in Essen: auf der ehemaligen Zeche Zollverein, Unesco-Welterbe wie Bamberg und beliebte Heimat von Kunstschaffenden.

Kunst nicht als Vitrinenstück
"Mein Jakobsweg ist die Drehscheibe", sagt Young-Jae Lee, die durch engen Kontakt mit einem Jesuiten in die ignatianische Spiritualität eingetaucht ist. Dennoch ist sie geerdet, will ihre Kunst nicht als Vitrinenstücke verstanden wissen. Keramik könne benutzt werden, erklärt sie. Genutzt auch als Anschauungsobjekte, wie sie Young-Jae Lee in Museen wie die Münchner Pinakothek der Moderne oder im Museum für Asiatische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin ausstellte. Jetzt zieht ihre kostbare Kunst in Bamberg Kreise. "Circles" eben.
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