Bamberg
Volxmusik

Kellerkommando: Ihr Dunnerkeiler!

Es geht mit dem "Flößerlied" der Kronacher Volkssänger los, einer Aufnahme von 1949: "Wo seid ihr? Doha! Lasst euch führen! Dunnerkeil!" Dann rumpelt's gemütlich mit "Wenn ich auf Kellerkommando geh', steht mer ja mei Hut so schö", bevor elektronische Beats brachial bersten und einer auf Hochdeutsch schreit: "Schirm auf, das hier bläst dir das Hirn raus / Das ist Schunkelmusik mit pumpenden Beats . . ." Tja.
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Das neue Album von Kellerkommando heißt "Dunnerkeil".
Das neue Album von Kellerkommando heißt "Dunnerkeil".
Das sind die Pole, zwischen denen sich die CD "Dunnerkeil" von "Kellerkommando" bewegt, textlich wie musikalisch. Die siebenköpfige Bamberger Band, 2009 gegründet, meint's wirklich ernst. Ausgedehnte Tourneen, Fernsehauftritte, Vertrag mit einer großen Plattenfirma, professionelle PR, jetzt das erste Album nach der Single "Mondscheinbrüder". Dabei hatte alles ganz entspannt angefangen und eher die Anmutung eines Studentenulks. David Saam, nom de guerre Dada Windschi, Musikethnologie-Student, war wie so viele genervt von der Gleichsetzung Volksmusik ist gleich volkstümliche Musik ist gleich Moik.

Dagegen kämpfte und kämpft ein "Antistadl" von Saam und Gleichgesinnten, die das Archaische, Wilde, Authentische, das Derbe auch, wiederbeleben wollen. Volxmusik analog zu autonomen Volxküchen. Mit großem Publikumserfolg. Aus dem Humus des Antistadls wuchs die eher traditionelle Formation "Boxgalopp" und eben das "Kellerkommando", das zunächst den deutsch-russischen Rapper Schokk als Frontmann verpflichtet hatte, nach dessen Ausscheiden den Münchner Ali A$, bürgerlich Zulfiqar Ali Chaudhry.

"Ihr Dunnerkeiler!" kennen die Älteren noch als eher gutmütige Invektive in fränkischer Mundart. Dunner-keiler im Sinne von Schwerenötern, Schlawinern will das Kellerkommando auch sein, das einerseits Volksmusik-Instrumentarium wie Akkordeon, Posaune und Trompete verwendet, andererseits E-Bass, Drums, Keyboard. Und jede Menge elektronische Programmierung. Entstanden ist eine wirklich kuriose Platte. Wilden Folk kennt man schon seit Jahren aus vielen Ländern und Regionen, Symbiosen von Rock und Volksmusik ebenso gerade in Bayern ("Hundsbuam miserablige"), aber Rap und Lieder wie "Schneiderla", "Schö rund" und "Dunnerkeil!"?

Gemütliche Präludien oder Einsprengsel im Dreivierteltakt wechseln sich ab mit hochenergetischen Hip-Hop-Passagen, mit Polka und Speed-Folk. Als etwas älterer, nicht depperter Jahrgang kann einen die Pose des ewig aufgeregten zornigen jungen Mannes, die der auf Hochdeutsch rappende Ali A$ genretypisch einnimmt, schon amüsieren. Immerhin gelingen ihm mehr als einmal ganz treffende Rhymes ("Manche buckeln für ihr Geld / Manche schmuggeln für ihr Geld / Manche buddeln andre schicken ihre Truppen in die Welt") und Assonanzen.

Das kontrastieren mitunter törichte und primitive Texte von der anderen Seite des Spektrums. Gut, fränkische Kerwaslieder zum Beispiel sind auch nicht Lyrik wie von Eichendorff oder Rilke, aber "Mei Nachbera, mei Nachbera, des is a bleeda Sulln, des Nachds gehds in mein Keller ro und brunzd mer auf die Kulln" drückt bei aller - scheinbaren? - Authentizität doch arg aufs Niveau. Wie überhaupt sich ein für Hip-Hop wohl noch gemäßigter Sexismus des Öfteren manifestiert. Sind halt junge Männer. Auch im Video zu "Maus" ist viel nackte Haut zu sehen. Dieser Ohrwurm ist der schwächste Titel der Platte. Das dröhnt einen zu mit einem Totschlagrhythmus wie bei DJ Ötzi oder den "Dorfrockern".

Dagegen ist mit einer lustig sprudelnden Polka wie "Und wenn du meinst" eine zeitgemäße Form von Volksmusik wirklich gelungen, textlich anzüglich, aber im Dialekt wird Vulgäres erträglich. So eigenartig unentschieden geht es hin und her. Wollte das Kommando eine hitparadentaugliche Auskopplung produzieren oder einen Song zum Mitgrölen ("Lump")? Dafür sind auch, ja, Liebeslieder drauf, im Tempo sehr gedrosselt.
Damit die Kritik nicht falsch verstanden wird: Eine Band mit einem solchen Potenzial hat Bamberg bis jetzt kaum hervorgebracht. Fragt sich, ob der schöne fränkische Dialekt im Ausland wie Berlin oder Hamburg auch ankommt.
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