Scheßlitz
Stadtrat

Katastrophenjahr für Scheßlitzer Stadtwald

Die Trockenheit und der Borkenkäfer setzten dem Scheßlitzer Stadtwald zu. Es gab viel Schadholz. Dennoch wurde ein passables Ergebnis erzielt.
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Das Fraßbild der Buchdrucker-Käferlarven unter der Rinde einer FichteLino Mirgeler, dpa
Das Fraßbild der Buchdrucker-Käferlarven unter der Rinde einer FichteLino Mirgeler, dpa

In der letzten Stadtratssitzung dieses Jahres beschäftigten sich die Räte turnusgemäß mit dem Wald. Der Stadt gehören nämlich noch rund 355 Hektar Wald. Im Jahr 2002 waren es sogar noch knapp 390 Hektar. Diese Flächen werden zwar wirtschaftlich genutzt, aber der finanzielle Gewinn steht dabei nicht im Vordergrund.

Die Erhaltung der Natur hat Vorrang vor allem anderen, wie Erster Bürgermeister Roland Kauper immer wieder betonte: "Wald ist Natur. Er wird besucht, begangen." Und zwar von den Scheßlitzer Bürgern und ihren Gästen, die darin Erholung suchen. Dementsprechend steht auch eine "nachhaltige Bewirtschaftung des Stadtwalds im Vordergrund." D.h. ein gepflegter Wald, der auch Früchte trägt. Dazu gehört, dass auf die Sicherheit der Wege ein besonderes Augenmerk gelegt und Schadholz beseitigt wird.

Davon hatte man in diesem Jahr allerdings mehr als reichlich, wie Matthias Ott vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Bamberg als beauftragter Förster bedauernd mitteilte. Schuld daran waren die extreme Trockenheit des Jahres, die gleich im Frühjahr einsetzte und sich hielt bis in die jüngste Zeit. Hier rächten sich "die Sünden vergangener Jahrzehnte", wie er sagte, indem bestimmte Nutzholzarten an ungeeigneten Stellen gepflanzt wurden. Dem will man in Scheßlitz künftig dadurch begegnen, dass bei Wiederaufforstungen nicht auf gerade aktuelle "Modesorten" des Mittelmeerraumes gesetzt wird, um dem Klimawandel zu begegnen. Im Scheßlitzer Stadtwald will man heimische Arten, von denen bekannt ist, dass sie an wärmere und längere trockene Phasen gewohnt sind, vermehrt einsetzen. Dazu zählen u.a. die Elsbeere, der Speierling und die Wildkirsche, auch Vogelkirsche genannt.

Zwei Käferarten aktiv

Das weitaus größere Problem, das aber mit dem Problem der Trockenheit im Zusammenhang steht, war in diesem Jahr erneut der Borkenkäferbefall. Dabei handelt es sich eigentlich um zwei Käferarten, die zu erheblichen Schäden in den Wäldern führen, wie Ott aufklärte. Da ist zum einen der circa pfefferkorngroße Buchdrucker. Und zum anderen der noch deutlich kleinere Kupferstecher. Aus Pheromonfallen hatte Ott an dem Abend gleich ein paar Hundert oder auch Tausend dieser Übeltäter zur Anschauung mitgebracht. Beide Sorten legen für ihre Nachkommenschaft Gänge unter der Baumrinde an, die sich im Muster unterscheiden. Bevorzugt werden Fichten befallen, was zum Absterben ganzer Bestände führt.

Da sich die Käfer Zeit ihres Lebens überwiegend in und unter der Baumrinde befinden, ist es auch so schwierig, sie zu bekämpfen. Mit Insektiziden und Spritzmaßnahmen von Bäumen und Laub, wird man ihrer nicht Herr, da die Gifte nur an der Oberfläche wirken und nicht in den Baum selbst vordringen. In Verbindung mit der "Begiftung", wie der Fachmann sagt, sind sehr enge Vorgaben einzuhalten. Das ist unter Umständen beim liegenden Holz noch möglich. Beim stehenden Bestand ist die Methode gar nicht einsetzbar. Mit Pheromonfallen kann nur ein winziger Bruchteil dieser Tiere eingefangen werden. Diese Fallen dienen hauptsächlich zum Zählen des Befallbestands.

Es bleibt einzig und allein bislang die "saubere Waldwirtschaft". D.h. ständige Kontrolle des Baumbestands, Einschlagen und Ernte der geschädigten Bäume sowie saubere Pflege der Waldflächen. Das befallene Holz muss schnell aus dem Waldbestand herausgebracht und mit einem Abstand von mindestens 500 Metern zum Waldrand gelagert werden.

Suche nach Sammelplätzen

Ott ist mit der Stadt derzeit auf Suche nach geeigneten Flächen für Sammelplätze, die auch privaten Waldbesitzern zur Verfügung stehen sollen. Kronen, Astwerk, Rinde und Resthölzer sind zu verbrennen oder zu häckseln. Andere wirksame Möglichkeiten stehen aktuell nicht zur Verfügung.

Ein besonderes Problem dabei: Es nützt nichts, wenn das nur die Stadt Scheßlitz im Stadtwald macht und drumherum gibt es weitere befallene Bestände. Sondern es sind alle Waldbesitzer gefordert. So war denn auch eine Tätigkeit von Ott in diesem Jahr - obschon nicht seine eigentliche Aufgabe, andere Waldbesitzer darauf aufmerksam zu machen, indem er bislang über 350 Anschreiben dazu verschickte.

Überangebot am Markt

Die Holzpreise fielen schon seit dem Spätsommer letzten Jahres, als sturmbedingt größere Mengen Schadholz auf den Markt kamen. Durch den Käferbefall landauf und landab setzte sich der Preisverfall in dem Jahr nach unten fort. Und das, obschon "dem Holz an und für sich nichts fehlt", wie der Förster betonte. Es ist einfach das große Überangebot am Markt, das den Preis nach unten treibt.

An Nutzholz wurden in dem Jahr im Scheßlitzer Stadtwald 430 Festmeter (Fm) geschlagen. An Brennholz 145 Fm. Dazu führte Ott noch aus: "Alle, die in dem Jahr Brennholz wollten, haben auch Brennholz bekommen". Dennoch blieb unterm Strich ein positives Ergebnis von etwas mehr als 15 000 Euro für die Stadtkasse übrig. Wie lange das Ergebnis allerdings noch positiv bleibt, ist fraglich, sollte sich der Trend in den kommenden Jahren weiter fortsetzen.



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