Frensdorf
Medien

Kampf ums freie Wort: Schüler und die Meinungsfreiheit

Weltweit stehen Journalisten immer häufiger in der Schusslinie. Das zeigt die aktuelle Rangliste der Organisation "Reporter ohne Grenzen". Zum Tag der Pressefreiheit diskutieren Schüler aus Franken mit Journalisten unserer Zeitung über Medien und Meinungsbildung.
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Pressefreiheit schützt die Demokratie - davon überzeugen sich Patrick, Fabienne und Felix (von links) beim Schülermedientag in der Mittelschule Frensdorf-Pettstadt.  Ronald Rinklef
Pressefreiheit schützt die Demokratie - davon überzeugen sich Patrick, Fabienne und Felix (von links) beim Schülermedientag in der Mittelschule Frensdorf-Pettstadt. Ronald Rinklef
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"Eine freie Meinung ist genau so wichtig, wie diese auch sagen zu dürfen." Sagt Felix, 15 Jahre alt. Er besucht die Vorbereitungsklasse der Mittelschule Frensdorf-Pettstadt (Landkreis Bamberg) und will im kommenden Jahr seinen Realabschluss machen. Am Donnerstag lauscht er zusammen mit anderen Schülern zwei Journalisten, die an ihrer Schule zu Besuch sind: Nachrichten-Chef Adrian Grodel und Klartext-Redakteurin Isabelle Epplé von der Mediengruppe Oberfranken. Unter dem Motto "Fakten gegen Fakes - Wie glaubwürdig sind unsere Medien?" sind Medienprofis aus ganz Bayern gerade an Schulen im Freistaat unterwegs, um über die Funktion der Medien im politischen Prozess zu sprechen.

Zu Hause blättert Felix gerne durch die Zeitung. Nicht jeden Tag, aber immerhin. Fragt man ihn, was ihn am meisten interessiert, nennt er weltpolitische Krisenherde. "Und das Wetter." Die Klasse lacht. Doch schnell wird es wieder ernst, als an der elektronischen Tafel die eingefärbte Weltkarte aufploppt, die der Pressefreiheit ein düsteres Bild zeichnet. Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" (ROG) vergleicht jedes Jahr die Situation für Journalisten und Medien in 180 Staaten und Territorien. Weltweit sitzen aktuell mehr als 300 Journalisten und Blogger in Haft. Demnach am schlimmsten ist es im Moment in Eritrea, Nordkorea und Turkmenistan, am besten in Norwegen, Finnland und Schweden.

Europa kein Vorbild für freie Presse

Aber auch Europa und die USA sind laut ROG längst kein leuchtendes Vorbild für die freie Presse mehr. Der Internationale Tag der Pressefreiheit am 3. Mai erinnert daran, dass Journalisten in vielen Ländern in ihrer Berichterstattung eingeschränkt sind. Deutschland hat sich im Vergleich zum Vorjahr zwar von Platz 15 auf Platz 13 verbessert. Einschränkungen gebe es aber auch hier: So werden ROG zufolge Journalisten zum Beispiel staatlich überwacht, wenn sie in der rechtsextremen Szene recherchierten, die Pressevielfalt nehme weiter ab, tätliche Angriffe auf Journalisten dafür zu.

Investigativer Journalismus erfülle eine Kontrollfunktion und unterstütze die Öffentlichkeit dabei, sicherzustellen, "dass Regierungen und Institutionen auf allen Ebenen Rechenschaft ablegen, was ihre Tätigkeit und Pflichten betrifft", sagt die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini. "Wir werden Zeugen von immer mehr Versuchen, die Freiheit der Medien zu beschneiden, unter anderem, indem ihre Glaubwürdigkeit systematisch untergraben wird", sagte sie am Donnerstag im Namen aller 28 EU-Länder.

Im Grundgesetz verankert

Zwar ist die Pressefreiheit hierzulande durch das Grundgesetz verfassungsrechtlich gewährleistet. Auch hat kritischer Journalismus seinen Ruf als wichtiger Grundpfeiler der Demokratie und vierte Gewalt im Staat (noch) nicht eingebüßt. "Pressefreiheit fängt in den Köpfen an. Es reicht nicht aus, wenn nur Journalisten dieses Grundrecht verteidigen. Dafür brauchen wir die ganze Gesellschaft", schreibt der Vorsitzendes des Deutschen Journalisten Verbands (DJV). Am besten so früh wie möglich.

In der Frensdorfer Vorbereitungsklasse halten Felix und die anderen jungen Leute ihre Mitschüler abwechselnd mit einem halbstündigen Wochenrückblick über die Nachrichtenlage auf dem Laufenden. Danach diskutieren sie über die News. An solchen Ideen setzen Projekte wie der von der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit koordinierte Schülermedientag an. Die Bamberger Landkreis-Schüler nahmen sich die Redakteure unserer Zeitung zur Brust, bekamen Einblicke in den Redaktionsalltag und diskutierten über Wohl und Wehe der Berichterstattung. Mit großem Erfolg. "Gut, dass es bei uns eine freie Presse gibt", sagt der 15-jährige Felix zum Abschluss des Besuchs in Frensdorf. "Das ist wichtig für uns alle."

Kommentar unseres stellvertretenden Chefredakteurs Christian Holhut

"Mehr Professionalität, bitte!

Ungarn verstaatlicht kritische Medien, Österreichs Rechtspopulisten schießen gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Und hierzulande ist es nicht zuletzt der AfD zu verdanken, dass unverhohlene Drohungen, Aussperrungen und Desinformationen gegenüber Journalisten salonfähig sind.

Diese große Bühne haben Lokaljournalisten vielleicht nicht immer, das Schauspiel aber ist oft dasselbe. Hier sind es Rathäuser und Landratsämter, die mauern. Pressestellen, die Informationen zurückhalten. Politiker, die Lokalpatriotismus gefährlich falsch interpretieren und kritische Redaktionen vor Ort als "Nestbeschmutzer" diskreditieren. Oder Firmen, die mit Anzeigenstornierung drohen.

Medienkompetenz? Im Lokalen eher wenig vorhanden. Stattdessen rüsten Unternehmen auf, schaffen sich Kommunen und Behörden mit Steuergeldern Propaganda-Kanäle für Personenkult und ihre unreflektierte Sicht der Dinge. Häufig auch entgegen der Auffassung des Bundesgerichtshofs, dass der Staat beispielsweise in Amtsblättern zwar nüchtern über Verwaltungsangelegenheiten informieren, selbst aber nicht "Presse spielen" darf.

Im Lokalen sind sich die Protagonisten nahe, deshalb sind die Probleme nicht neu. Lösbar aber sind sie. Es braucht ein Mehr an Professionalität - auf beiden Seiten: Hier der Journalist, der sich nicht der Verlautbarung, sondern seiner gesetzlichen Kontrollaufgabe verschreibt; umfassend recherchieren, ausgewogen berichten, schreiben, was ist. Dort der Bürger, Beruf und Berufung egal; mit Verständnis dafür, dass freie Presse keine Öffentlichkeitsarbeit betreibt, sondern Garant ist für unsere freiheitliche Demokratie. Wenn beide Seiten dann noch konflikt- und kritikfähig sind, dann klappt es auch im Lokalen.

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