Bamberg
Stabwechsel

Juristin leistet Seelsorge für Kinder

Am Sonntag wird die Klinikseelsorgerin Christina Kraatz in den Ruhestand verabschiedet und ihre Nachfolgerin Ulrike Bergmann eingeführt.
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Das derzeitige Team der evangelischen Klinikseelsorge in der Ambulanz der Kinderklinik: Pfarrer Mathias Spaeter, Christina Kraatz und Ulrike Bergmann  Foto: Marion Krüger-Hundrup
Das derzeitige Team der evangelischen Klinikseelsorge in der Ambulanz der Kinderklinik: Pfarrer Mathias Spaeter, Christina Kraatz und Ulrike Bergmann Foto: Marion Krüger-Hundrup

Das klassische Bild eines Krankenhausseelsorgers muss neu gemalt werden. Denn die beiden Frauen, die unsere Zeitung im Klinikum am Bruderwald trifft, entsprechen der gängigen Vorstellung, dass nur ein Pfarrer oder eine Pfarrerin diesen Dienst am kranken Menschen leisten können, so gar nicht: Christina Kraatz ist Diplom-Pädagogin mit psychotherapeutischer Zusatzausbildung, Ulrike Bergmann ist Juristin mit Schwerpunkt Familienrecht. Immerhin haben sie einen Theologen als Chef: Pfarrer Mathias Spaeter leitet die evangelische Klinikseelsorge in Vollzeit.

Draht zu jungen Patienten

Für Christina Kraatz haben die letzten Tage im Einsatz begonnen: Am 31. Oktober endet ihre zwanzigjährige Ära vorwiegend in der Kinderklinik. Die 65-Jährige startet in den wohlverdienten Ruhestand und arbeitet vorher noch ihre Nachfolgerin ein. Selbst Mutter von vier Kindern fällt es Christina Kraatz nicht schwer, den Draht zu den jungen Patienten zu finden: "Ich komme als Kirche und kümmere mich um deine Seele", stellt sie sich dem kranken Menschlein vor.

In einfühlsamen Gesprächen versucht sie, die Kinder in ihrem Schmerz, in ihrer Sorge um verpasste Schulstunden ein Gefühl der Nähe zu vermitteln. Jugendliche stellen ihr - besonders nach Unfällen - existentielle Fragen: "Warum ich? Warum lässt Gott das zu?" Aber auch die Eltern, Geschwister können sich darauf verlassen, mit ihr eine wertvolle Begleiterin in schwerer Zeit zu haben. "Natürlich verbinden Erwachsene auch negative Projektionen mit Kirche", erfährt die Klinikseelsorgerin immer wieder. Doch "einen Rauswurf aus dem Krankenzimmer habe ich nie erlebt", fügt sie dankbar hinzu. Vielmehr seien es gerade die zunächst negativ eingestellten Väter und Mütter, die sie dann bitten würden. "Beten Sie für mein Kind!"

In Krisen, wenn sich etwa der Zustand des Kindes verschlechtert oder Untersuchungsergebnisse bedrohlich ausfallen, ist Christina Kraatz da. Sie steht auch dem Pflegepersonal zur Verfügung: "Oft zwischen Tür und Angel in angespannter Arbeitssituation". Sie selbst holt sich ihr seelisches Rüstzeug in der Gemeinde St. Stephan, wo sie auch etliche Jahre Jugendarbeit geleistet hat.

Quereinsteigerin

Ulrike Bergmann ist froh, dass ihre erfahrene Vorgängerin sie in die Feinheiten der Klinikstruktur einweisen kann. Und sie freut sich auf ihre Aufgabe "mit spirituell-seelsorglichem Profil". Die 50-jährige Mutter zweier Kinder ist in einer Familie groß geworden, "in der Kirche immer ein Thema war, mein Großvater war Pfarrer". So engagiert sich Ulrike Bergmann im Kirchenvorstand ihrer Wohngemeinde St. Matthäus in Gaustadt und organisiert Kindergottesdienste.

Dass sie nun als Juristin - sozusagen als Quereinsteigerin - in die Seelsorge geht, ist für Ulrike Bergmann nur stimmig. Denn im Hauptberuf fungiert sie als "Anwältin des Kindes". "Verfahrensbeistandschaften laut Familienrecht" beschreibt sie ihr Fachgebiet: "Ich werde beim Sorgerecht, bei Adoptionen oder bei Fremd- und Selbstgefährdung des Kindes aktiv", berichtet sie. So wisse sie nur zu gut, dass "Zeit haben zum Zuhören, Einfühlungsvermögen, spontan Reagieren" nicht nur für ihre Arbeit als Rechtsanwältin, sondern auch als Klinikseelsorgerin unabdingbar sind. Außerdem gebe es viele Parallelen. Wenn etwa Eltern ihr Kind in die Notaufnahme bringen müssen und hilflos das Gefühl haben, "Rechte abzugeben".

Am Sonntag, 20. Oktober, werden im evangelischen Gottesdienst um 10.35 Uhr in der Kapelle im Klinikum Christina Kraatz offiziell verabschiedet und Ulrike Bergmann eingeführt.

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