Scheßlitz

Juraklinik in Scheßlitz: Ein Gerät, das in den Körper guckt

Die Juraklinik in Scheßlitz bekam am Dienstag eine Neuanschaffung, die so groß ist, dass extra die Hauswand der radiologischen Abteilung aufgerissen werden musste.
Artikel drucken Artikel einbetten
Ludgar Bölling und Wolfgang Preuß vor dem neuen MRTFoto: Sarah Dann
Ludgar Bölling und Wolfgang Preuß vor dem neuen MRTFoto: Sarah Dann
+1 Bild
Ein weltweit erster Magnet-Resonanz-Tomograph einer neuen Modellreihe steht seit Dienstag in der Juraklinik in Scheßlitz. Der Einfachheit halber ist das Gerät, mit dem sich Radiologen ein Bild von Weichteilen im Körper machen können, auch als Kernspintomograph oder ganz kurz als MRT bekannt.

"Die meisten Patienten sprechen davon, dass sie ,in der Röhre' waren", sagt Ludger Bölling. Diese Aussage ist dem gelernten Medizintechniker und Projektleiter vor Ort aber zu undifferenziert. Er weiß, bei der "bildlichen Darstellung des Körpers" gibt es Unterschiede: vom Ultraschall, über "normales Röntgen" bis hin zur Computertomographie (CT) oder MRT-Aufnahme. Letzteres sei das "Non-Plus-Ultra", denn es "hat keine schädliche Strahlung", so der Experte. Trotzdem: Kein Gerät ersetzt bislang das Andere.


Viel leiser als früher

Der MRT wiegt fast sechs Tonnen und wird mit knapp 2000 Litern flüssigem Helium (minus 272 Grad Celsius) gekühlt. Selbst im Ruhemodus verbraucht das Gerät 12 Kilowatt Strom. Und der Magnet erzeugt dabei eine Stärke, die etwa der 30 000-fachen Erdanziehungskraft entspricht.

Hubertus Gloger, der verantwortliche Radiologe, investiert über eine Million Euro in die Anschaffung, so die Auskünfte des Kompetenznetzes Franken. Die Juraklinik ist zwar Besitzer, das "Kompetenznetz Radiologie und Nuklearmedizin Franken" aber Betreiber und somit verantwortlich dafür, dass das Gerät bald läuft und auch alle denkbar-innovativen Funktionen genutzt werden können. Zum Beispiel sollen mit diesem MRT erstmals Kopfuntersuchungen nahezu geräuschlos möglich sein. Denn so ein Kernspintomograph gebe teilweise an die 110 Dezibel von sich, das sei vergleichbar mit einem Presslufthammer, weiß der Servicetechniker Wolfgang Preuß: "Aber mit Ohrstöpseln ist das gar nicht so schlimm". Wenn der Patient möchte, könne er sich wahlweise auch mit Musik während der Untersuchung, die zwischen 20 und 30 Minuten dauern kann, berieseln lassen.

Der 1,5-Tesla-Magnet-Resonanz-Tomograph soll aber nicht nur leiser sein. Es geht in gewissem Maße auch ums Wohlfühlen: Die Röhre, in die der Patient gefahren wird, misst 60 Zentimeter im Durchmesser. Das ist zwar nicht riesig, aber für Menschen, die in engen Räumen Angst bekommen, die unter Klaustrophobie leiden, ein Fortschritt. Durch das neue MRT rechnet die Praxis im Krankenhaus auch mit verkürzten Untersuchungszeiten.


Versorgung auf dem Land

Vor allem sei die Anschaffung für eine Klinik wie die in Scheßlitz aber ein Zeichen für eine gute ländliche Versorgung, so die Mitarbeiter der radiologischen Abteilung. Gerade älteren Menschen, die auf dem Land leben, bliebe dadurch der Weg nach Bamberg oder Bayreuth erspart. "Die Menschen wissen, dass direkt vor Ort eine Diagnose gestellt werden kann und sie auch eine Therapie erhalten."

Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren