Bamberg
100 Jahre Bayern

Jugendliche gehen auf eine Zeitreise

Schüler des Bamberger Franz-Ludwig-Gymnasiums haben zwei Filme über den Sommer 1919 gedreht - da war Bamberg kurz Sitz der bayerischen Staatsregierung.
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Plötzlich Schauspielerinnen: Celina (Mitte) und Milena (rechts neben ihr) sehen sich mit Mitschülern kritisch den fertigen Spielfilm an. Indem sie in die Rollen der Menschen von damals schlüpften, erlebten sie dieses Kapitel der Stadtgeschichte sehr intensiv.  Fotos: Barbara Herbst
Plötzlich Schauspielerinnen: Celina (Mitte) und Milena (rechts neben ihr) sehen sich mit Mitschülern kritisch den fertigen Spielfilm an. Indem sie in die Rollen der Menschen von damals schlüpften, erlebten sie dieses Kapitel der Stadtgeschichte sehr intensiv. Fotos: Barbara Herbst

Fein sehen sie aus, die Herren in den schwarzen Anzügen, mit den schwarzen Zylindern auf dem Kopf und den stattlichen Bärten. Sie sitzen in der Ecke eines urigen Bamberger Wirtshauses, am Nachbartisch wird gekartet, getrunken, geglotzt. Mal heimlich, mal ganz direkt. Die Herren sind aus München. Und das Gesprächsthema in der Domstadt.

Es ist Frühsommer, man schreibt das Jahr 1919: In München herrscht Chaos, nach der Revolution im Jahr zuvor haben die ersten demokratischen Wahlen in Bayern stattgefunden. Doch Kurt Eisner, der erste Ministerpräsident des neuen Freistaats, ist gerade ermordet worden. Mitten in diesen Wirren fliehen die Mitglieder der bayerischen Staatsregierung nach Bamberg, das damit für einige Wochen zum Regierungssitz wird. Hier entsteht die erste Verfassung des Freistaats, die "Bamberger Verfassung".

"Konnte mich richtig reinfühlen"

Doch nicht nur die Wirtshausgäste beäugen die Herren in Schwarz kritisch - sondern auch einige Schülerinnen und Schüler des Bamberger Franz-Ludwig-Gymnasiums: Im Physiksaal ihrer Schule sehen die Mitglieder der Theater- und der Technikgruppe nach monatelanger Arbeit zum ersten Mal den kompletten Film über die Bamberger Verfassung von 1919, in dem sie in die Rollen von Politikern, Bäuerinnen, Müttern, Vätern und Bürgerwehr-Sympathisanten geschlüpft sind.

"Ich finde, der Film ist toll geworden", flüstert Celina strahlend. Sie spielt im Film eine Bambergerin, deren Sohn sich der neuen Bürgerwehr anschließen möchte. Die Szene, in der sich beide darüber streiten, ist im Gärtner- und Häckermuseum gedreht worden. "Ich konnte mich da richtig reinfühlen", meint die Schülerin. "Ich als Mutter wäre auch nicht begeistert gewesen."

Geschichte lebendig werden zu lassen, war für Geschichtslehrerin Julia Behr Hauptbeweggrund für das aufwendige Projekt: "Anlass war eine Ausschreibung des (Heimat-)Ministeriums anlässlich ,100 Jahre Bayern‘. In Franken hat man da natürlich eine etwas andere Sichtweise als in München, hier sind wir nicht so auf die Landeshauptstadt fokussiert."

Was war eigentlich in Bamberg los?

Also recherchierte sie mit ihren Schülern, was vor 100 Jahren in Bamberg passiert ist. "Und wir sind rasch darauf gestoßen, dass wir ja für ein paar Monate Hauptstadtfunktion innehatten!" Bei der Recherche in den Archiven der Stadt Bamberg und des Bayerischen Rundfunks merkte Behr, wie wichtig die "oft vernachlässigte" Regionalgeschichte ist: "Wir haben gemerkt, dass die Schüler Dinge aus der eigenen Stadt oder dem eigenen Bezirk anders wahrnehmen und Geschichte so viel besser verstehen können."

Drehorte, Requisiten, Kleidung - den Schülern kommt es auf die Details an

Und die Schüler hängten sich rein: Sie suchten historische Schauplätze, kümmerten sich um Drehgenehmigungen - sogar im Fränkische-Schweiz-Express, mit dem die "Herren der Regierung" im Film stilecht nach Bamberg fahren. Das Schulorchester lieferte den Soundtrack, die Technikgruppe um Naturwissenschaftslehrer Joachim Bickel bastelte Requisiten und kümmerte sich um die technische Umsetzung.

Milena Behr, die es "gar nicht sooo seltsam" findet, ihre Mutter als Lehrerin zu haben, ist ebenfalls begeistert: "Natürlich haben wir viel über die Bamberger Verfassung gelernt. Aber unser Projekt war so unglaublich vielschichtig: Allein mit so vielen unterschiedlichen Menschen zusammenzuarbeiten, war toll."

Vorführungen und Link

Am 7. November zeigen die Schüler und ihre Lehrer Julia Behr und Joachim Bickel den Spielfilm Schülern und Eltern am Franz-Ludwig-Gymnasium. Am 14. November wird er dann bei den Sassanfahrter Kurzfilmtagen im Schloss Sassanfahrt gezeigt. Beginn ist um 19 Uhr, der Eintritt ist frei. Den Dokumentarfilm kann man hier sehen: https://www.br.de/mediathek/video/wir-sind-bayern-bamberger-verfassung-av:5b966df152a57a00184fa128



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