Bamberg
Aktion

Jugend setzt Zeichen der Hoffnung

Beim Gedenken an die Reichspogromnacht gab es mahnende Worte, berührende Totengebete und überzeugende Schüler. Die Botschaft der Teilnehmer: "Nicht am Hass der Vergangenheit festhalten".
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Foto: Barbara Herbst
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Viele Bamberger hatten sich am späten Freitagnachmittag aus ihren bequemen Sesseln erhoben. Doch letztlich waren es dann doch zu wenige Zeitgenossen, die sich am Synagogenplatz einfanden. Denn die Botschaft, die von dieser Gedenkfeier anlässlich der Reichspogromnacht vor 80 Jahren ausging, war unmissverständlich. "Wir müssen als Bürger dieses Landes erkennen, dass jegliche extremistische Ideologie, deren Ziel es ist, das Staatsgefüge und das friedliche Miteinander zu zerstören, als solche erkannt und bekämpft werden muss", mahnte Martin Arieh Rudolph, Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde Bamberg.

Und er fügte hinzu: "Wir sind es den Opfern der Schoah schuldig, sie und ihre Leiden niemals zu vergessen und heute dafür zu sorgen, dass es keine neue Schoah geben darf!"

Antisemitischen Tendenzen müsse entschieden entgegengetreten werden, so Rudolph: "Politische und religiöse Freiheit ist ein knappes und teures Gut, welches wir alle unterschiedslos pfleglich bewahren müssen." Es reiche absolut nicht aus, von einer Staatsräson zu reden, dass Juden in Deutschland keine Angst zu haben bräuchten. Plumper Judenhass der Ewiggestrigen und Neonazis seien ein deutliches Warnzeichen.

Auch Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) beklagte "antisemitische Bilder und Vorurteile in vielen Köpfen sowie die steigende Zahl der Straftaten gegen Juden in Deutschland: "Wir dürfen nicht darüber hinwegsehen, dass der Antisemitismus wieder eine ernsthafte Bedrohung für jüdische Menschen in unserem Land geworden ist", erklärte Starke.

Wer mit Rechtsradikalen und Pegida gemeinsame Sache mache, so wie etwa in Chemnitz geschehen, "wird mitschuldig". Wer die zunehmende Aggression gegen Mitbürger jüdischen Glaubens nicht nur billigt, sondern durch Hetze und das Schüren von Angst fördere, "verdient unseren scharfen Protest und Widerspruch", fuhr der OB fort. Die Würde des Menschen dürfe nie mehr angetastet werden. "Deswegen ist der heutige Tag so wichtig" - mit dem Bekenntnis zu Menschenwürde, Respekt gegenüber Andersdenkenden, zur Freiheit und Demokratie.

Ein solch beeindruckendes Bekenntnis legten Schüler der Gymnasien Franz-Ludwig, Eichendorff, Kaiser Heinrich und Maria-Ward ab. In jeweils eigenen Beiträgen in Wort und Bild auf der aufgespannten Leinwand gaben sie dem Begriff "Erinnerungskultur" seine Tiefe. Setzten ein Zeichen der Hoffnung, dass die junge Generation nicht am Hass der Vergangenheit festhält, sondern aufsteht gegen Intoleranz, Rassismus, Antisemitismus. So manches Augenpaar füllte sich mit Tränen, als Rabbiner Salomon Almekias-Siegl das "El male Rachamim" anstimmte. Das auf Hebräisch gesungene Totengebet für die Opfer des Holocaust stieg klagend in den dunkel gewordenen Himmel. Auschwitz, Dachau, Bergen-Belsen, Majdanek, Treblinka, Theresienstadt: Die Namen der Konzentrationslager brannten wie Peitschenhiebe. Das Kaddisch für die Seelen der von den Nazis Ermordeten sprach der Rabbiner sichtlich ergriffen.

Ergreifend auch, dass der Synagogenchor unter Leitung von Dimitry Braudo unter anderem ein Friedenslied sang. Eher verhalten, melancholisch anmutend. So zerbrechlich, wie der gesellschaftliche Frieden eben ist.

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