Bamberg

Josefslädchen in Bamberg: Wenn Überfluss zum Guten führt

"Franken helfen Franken" unterstützt heuer unter anderem das Josefslädchen, bei dem Bedürftige Lebensmittel bekommen, die sonst weggeworfen würden.
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Harald Jahreis (rechts) und Robert Weber holen in einem Supermarkt Gemüse ab, das nicht mehr für den Verkauf bestimmt ist. Im Bamberger Josefslädchen können es Bedürftige für einen symbolischen Preis erwerben.  Fotos: Ronald Rinklef
Harald Jahreis (rechts) und Robert Weber holen in einem Supermarkt Gemüse ab, das nicht mehr für den Verkauf bestimmt ist. Im Bamberger Josefslädchen können es Bedürftige für einen symbolischen Preis erwerben. Fotos: Ronald Rinklef

Heute ist ein hervorragender Tag für Gemüse und Milchprodukte. Kistenweise laden Harald Jahreis und Robert Weber Salatköpfe und Joghurt in den Ford Transit des Josefslädchens. Schon der erste Stopp, ein neuer Rewe-Markt in Sassanfahrt, beschert eine halbe Busladung mit Lebensmitteln in gutem Zustand. Bei manchen läuft das Mindesthaltbarkeitsdatum in zwei Wochen ab, die Mandarinen und Karotten sehen aus wie gemalt.

Fast 300 000 Kilometer hat inzwischen allerdings der 2009 vom Lions Club Bamberg an den Kreis-Caritasverband gespendete Transporter auf dem Tacho. Durch die Dauerbelastung ist das Fahrzeug recht reparaturanfällig geworden. Wie aufs Stichwort zeigt die Motorkontrollleuchte gelbes Warnlicht. "Das erleben wir öfter, aber so lange es noch nicht rot leuchtet, geht's noch", sagt Jahreis, der seit gut einem Jahr als Ehrenamtlicher den Transporter fährt. "Zum Glück haben wir eine gute Werkstatt an der Hand", ergänzt Weber, der hauptberuflich für den Kreis-Caritasverband Bamberg arbeitet.

Wenn der Transit oder auch nur dessen Kühlung ausfällt, ist das ein großes Problem fürs Josefslädchen und seine finanzschwachen Kunden. "Wir brauchen ein neues Fahrzeug, denn gerade im Kühlbereich gibt es keine vernünftigen Gebrauchten", sagt Caritas-Geschäftsführer Tobias Späth. Obwohl er gute Rabatte heraushandeln konnte, wird ein neuer Transporter immer noch etwa 32 000 Euro kosten. "Dafür sind wir auf Spenden angewiesen."

Fürs Erste muss aber noch der alte Transporter durchhalten. Und den lenkt Jahreis gerade auf das Gelände des großen Rewe-Zentrallagers Buttenheim, von wo ungeheure Warenmengen an mehr als 300 Märkte in ganz Nordbayern geliefert werden. Winzig wirkt das Auto des Josefslädchens an einer der vielen Verladerampen.

Der 62-jährige Jahreis und der 54-jährige Weber sind ein eingespieltes Team. Weber schiebt drei Wagen voller Schachteln herbei, packt große Gläser mit Essiggurken, Lebkuchen und Tütensuppen in Kunststoffkisten um, bevor er mit Jahreis im Kühlbereich noch stattliche Mengen an Joghurt, Speck und abgepacktem Leberkäse einlädt. Von einem Bäcker in Strullendorf haben die beiden zuvor Brot und viel Gebäck abgeholt. "Mir macht das Spaß und es wäre doch ein Witz, wenn das alles weggeschmissen wird", sagt Jahreis. Der pensionierte Polizist hilft immer mittwochs und sieht viel Sinn in seinem Ehrenamt. Denn was die Supermärkte entsorgen würden, ist im Josefslädchen heiß begehrt.

Eine Ergänzung zur Tafel

880 bedürftige Menschen aus Stadt und Landkreis Bamberg haben laut Geschäftsführer Späth im vergangenen Jahr in diesem besonderen Laden eingekauft, viele kommen regelmäßig. Für eine Berechtigungskarte muss man ein geringes Einkommen nachweisen, das maximal 30 Prozent über dem Hartz-IV-Niveau liegen darf. Zu den Kunden zählen unter anderem Kinderreiche, Rentner, Arbeitslose und "alle, die zu wenig zum Leben haben". Der Laden sieht sich als Ergänzung zur Tafel. Hier kaufen die Kunden zu einem symbolischen Preis, der deutlich unter dem in den Geschäften liegt. "Für viele ist es leichter, wenn sie hier einkaufen können. Dann empfinden sie das nicht als Almosen", sagt Späth.

An diesem Tag sind es nur drei Abhol-Stationen, die zweimal für einen bis zur Decke gefüllten Transporter sorgen, auch die Regale des Josefslädchens können nichts mehr aufnehmen. "Da ist ja nichts kaputt. Aber Sachen, die kurz vorm Ablaufen sind, kriegen die Geschäfte scheinbar nicht mehr los", vermutet Jahreis. An den nächsten Tagen werden andere Märkte, unter anderem Edeka, Real und Lidl angefahren. "Häufig kriegst Du gute Ware, manchmal aber auch nicht. Dann sind wir die Entsorger. Aber ablehnen würden wir nichts", sagt Weber.

Die Josephstraße ist ein Nadelöhr. Bis ganz nah an die Hauswand muss Jahreis den Ford fürs Entladen lenken, damit sich der Durchgangsverkehr vorbeischieben kann. Auch im Laden geht's eng zu. Die Helfer müssen sich aneinander vorbeischlängeln, es gibt nur einen Zugang. Von ehrenamtlichen Helferinnen werden die Lebensmittel sortiert und ansprechend präsentiert, bevor um 13 Uhr die Kundschaft reinkommt. Viele warten schon eine ganze Weile früher vor der Tür. Gespannt darauf, was das Josefslädchen heute alles im Angebot hat.

Wie es mit den angelieferten Waren weitergeht, wer hier einkauft und was die Helferinnen motiviert, lesen Sie in der kommenden Woche.

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