Bamberg
Ausbildung

Job-Chancen mit Hochgeschwindigkeit

Durch ein "Speed-Dating" bekamen Jugendliche, denen der Start ins Berufsleben schwer fällt, die Möglichkeit, Kontakte zu den vertretenen Unternehmen zu knüpfen. Einige Praktika und viele positive Eindrücke waren das Ergebnis der Veranstaltung.
Artikel drucken Artikel einbetten
Michaela Simon und Marco Kaiser beim 'Speed-Date'. Fotos: Michael Gründel
Michaela Simon und Marco Kaiser beim 'Speed-Date'. Fotos: Michael Gründel
+8 Bilder
"Ich muss sagen: Das Speed-Dating macht Spaß!", resümiert Michaela Simon. Um sie herum ist das sogenannte Speed-Dating noch in vollem Gange, jeden Moment wird erneut der Gong ertönen, der die jungen Bewerber dazu auffordert, an den nächsten Tisch zu wechseln.

Gemeinsam mit Kollege Franz Streib vertritt sie XXXL Neubert beim Speed-Dating. Das renommierte Unternehmen ist aber natürlich nicht auf der Suche nach neuen Flirt- oder Beziehungspartnern, sondern auf der Suche nach Fachkräften. Genauer gesagt werden junge Leute gesucht, die eine Ausbildung zur Fachkraft im Bereich Lagerlogistik oder Möbel-, Küchen- und Umzugsservice in Angriff nehmen wollen.


Start ins Berufsleben erleichtern
Bei diesem ganz besonderen Speed-Dating handelt es sich um die dritte größere Aktion des Projektes "Freiwurf", einer Kooperation der Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg, den Brose Baskets Bamberg, dem Brose Baskets Business Club und der Mediengruppe Oberfranken. Dabei soll jungen Menschen aus der Region, denen der Start ins Berufsleben schwer fällt, zu einer abgeschlossenen Ausbildung verholfen werden.

Bei "Freiwurf" erhalten die jungen Leute Beratung und Orientierung durch die Agentur für Arbeit und Motivation durch die Brose Baskets. Der Brose Baskets Business Club macht währenddessen die verschiedenen Ausbildungsbetriebe auf eben diese Bewerbergruppe aufmerksam und motiviert die Unternehmer dazu, ihnen ein Praktikum oder - im Idealfall - eine Lehrstelle anzubieten. Die Mediengruppe Oberfranken, der Vierte im Bunde, begleitet das Projekt medial.


Mehr freie Ausbildungsplätze
Während eine Vielzahl junger Menschen keinen Bildungsabschluss vorzuweisen hat, steigt die Zahl an Betrieben, die ihre Ausbildungsstellen nicht vergeben können, immer weiter an.

Obwohl Potential also eindeutig vorhanden ist, gelingt vielen der Start ins Berufsleben nicht. Grund dafür sind häufig persönliche Probleme, wie beispielsweise ein Mangel an Motivation oder ein schlechtes Selbstwertgefühl.



Ein anderes Problem hatte Yvonne Fischer bei ihrer bisherigen Suche nach einer Ausbildung. Zwar hat sie den Quali in der Tasche und sich auch bereits dazu entscheiden, entweder im Einzelhandel oder als Bäckereifachverkäuferin zu arbeiten, bei den Bewerbungen wurde der 15-Jährigen aber immer wieder ihr junges Alter zum Verhängnis.

Beim Speed-Dating, dessen Ziel es ist die künftigen Arbeitnehmer erste Kontakte mit den 14 vertretenen Unternehmen knüpfen zu lassen, freut Yvonne Fischer sich besonders darüber, dass auch die Bäckerei Fuchs vertreten ist. Mit Ausbildungsleiterin Gabriele Schmitt hat sie nach dem kurzen "Date" auch gleich ein Praktikum vereinbart.


Gespräche haben geholfen
Im Gegensatz zu der 15-Jährigen ist sich Marco Kaiser noch gar nicht so sicher, was er mal beruflich machen will. Das Speed-Dating hat ihm in dieser Hinsicht auf jeden Fall etwas gebracht, wie der 16-jährige Schüler bekräftigt.

"Die Gespräche helfen, man bekommt so leichter Informationen", meint er, wobei er nochmal einen Blick auf das Info-Material wirft, das er gerade am Neubert-Stand erhalten hat. Die Ausbildung zur Fachkraft im Bereich der Lagerlogistik hat augenscheinlich sein Interesse geweckt - das ist schließlich ein sehr vielfältiger Beruf.


36 Ausbildungsplätze angeboten
Im Speed-Dating-Verfahren wurden den 74 erschienenen Jugendlichen von den 14 vertretenen Unternehmen insgesamt 36 Ausbildungsplätze angeboten. Noch vor Ort wurden neben dem von Yvonne Fischer noch etliche weitere Praktikumsverträge unterschrieben.

Conny Geppert vom Gasthof Vier Jahreszeiten in Breitengüßbach hat bei der Freiwurf-Veranstaltung gleich zwei vielversprechende Bewerberinnen für den Beruf der Hotelfachfrau ins Auge gefasst und sie direkt zum Probe arbeiten eingeladen. Bei den fünfminütigen "Dates" achtet sie hauptsächlich auf das Verhalten der Bewerber - sie sollten vor allem offen und gesprächig sein.

"Soziale Kompetenzen wie Selbstbewusstsein oder Teamfähigkeit sind besonders wichtig", gibt Franz Streib zu bedenken. Besonders wichtig ist natürlich auch noch, dass auch wirklich Interesse für den Beruf besteht.

"Wenn man etwas lernen will, dann kann man es auch", betonte Brigitte Glos, Leiterin der Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg, zu Beginn der Veranstaltung. Zum Abschluss appellierte sie dann noch an die jungen Leute, dran zu bleiben und sich bloß nicht entmutigen zu lassen.


Ziel mit Bravour erreicht
"Die Initiative hat Potential", zieht ein sichtlich zufriedener Christopher Raps, zuständig für das Marketing bei den Brose Baskets, sein Fazit. "Unser internes Ziel waren 45 Jugendliche, letztendlich hatten wir über 70 da", erzählt er weiter.

Ein großer Erfolg für das Projekt, das erst im November letzten Jahres gestartet wurde und somit noch in den Kinderschuhen steckt. Weitere Informationen zu "Freiwurf" sind im Netz unter www.freiwurf-bamberg.de zu finden.


"Speed-Dating":
Während der Veranstaltung lernt jeder männliche Single jeden weiblichen Single kennen und umgekehrt. Hierzu wird die Zeit in Runden aufgeteilt, die jeweils circa fünf bis zehn Minuten dauern. Währenddessen haben die Singles Zeit, sich kurz zu unterhalten.
Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren