Bamberg
TV-Übertragung

Jetzt reden die Europäer

Die BR-Wahlarena in Bamberg beeindruckte mit einer großen Themenvielfalt.
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Auch die Bürger ergriffen das Wort bei der Wahl-Arena im Hegelsaal. Fotos: Julian Megerle
Auch die Bürger ergriffen das Wort bei der Wahl-Arena im Hegelsaal. Fotos: Julian Megerle
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Die Zeiten sind ernst, aber deshalb bleibt den Beteiligten im Bamberger Hegelsaal noch lange nicht das Lachen im Halse stecken. Denn in wenigen Tagen ist Europawahl. Bevor an diesem Abend die Fernsehcrew des Bayrischen Rundfunks noch auf ein Gläschen Weißwein zusammensitzt, wird hart gearbeitet: Die BR-Wahlarena macht ihren zweiten Zwischenstopp vor der EU-Wahl in der Weltkulturerbestadt.

In die Mitte des gut 100 Menschen starken Publikums wagen sich gleich drei Politikerinnen: Angelika Niebler für die CSU, Maria Noichl für die Sozialdemokraten und Henrike Hahn als Vertreterin der Grünen. Eine Neuheit für den BR. In anderthalb Stunden Live-Sendung kommen die Bürger regelmäßig zu Wort. Fragen zu möglichen -Steuern, Agrarsubventionen sowie dem Verbot von Kurz- und Mittelstreckenflügen plus Emissionshandel prägten die Debatte stark. Aber auch der Datenabgleich im Schengenraum, die Idee eines europäischen Mindestlohns oder der richtige Umgang mit privaten Seenotrettern im Mittelmeer kam aufs Tablett.

Moderatorin Franziska Eder und BR-Chefredakteur Christian Nitsche leiteten die Diskussion, ohne zu sehr einzugreifen. Wenn die Debatte vielleicht etwas einseitig verlief, kamen auch Gegenmeinungen aus dem breitgefächerten Publikum dran. Wenn man die Zuschauer als vierten Diskutanten ansieht, ist sein Redeanteil am höchsten gewesen.

Große Vielfalt am Start

Neben Schülern und Studenten aus der Fridays-for-future-Bewegung waren auch Menschen von Sozialverbänden und Bürgerinitiativen am Start. Da saß der Unternehmensberater neben Aktiven von Freund statt Fremd. Egal ob Gartenbau oder Solarunternehmer: Von der Schulzeit übers Arbeitsleben bis hin zur wohlverdienten Rente reichte die Altersklasse. Und bekannte Gesichter der Bamberger Lokalpolitik durften auch nicht fehlen. Gleichzeitig hat der BR in einer Vorbereitungsrunde zwei Tage zuvor die Interessierten eingeführt und auch sichergestellt, dass eine große Vielfalt von Parteianhänger gewährleistet ist. Zugleich kamen Menschen mit ähnlichen Anliegen zusammen, Themenblöcke wurden gebündelt, Fragen präzisiert.

Die Bürgersendungen zählen zu den ältesten Formaten des Bayrischen Rundfunks, angestaubt sind sie deshalb noch lange nicht: Neben den inhaltlichen Auseinandersetzungen wie mit den Folgen eines schwelenden Brexits umgegangen werden soll oder wie man den Menschen die komplexe Struktur der Europäischen Union am besten erklärt, wurde es auch persönlich. Während die SPD-Kandidatin Noichl in ihrer Heimat im Männergesangsverein als eine Art Cheerleaderin mitmischt, kann man Frau Hahn von den Grünen mit Eisklettern begeistern. Und für CSU-Frau Niebel haben sich in 20 Jahren Mandat im Europaparlament alle Klischees der 28 Nationalitäten bestätigt. Egal ob Franzosen, die immer etwas um die Ecke denken oder Griechen, die sehr emotional Politik machen würden.

Ruhig und sachlich

Die Diskussion blieb sehr ruhig und sachlich. Bei der Frage, wie demokratische Parteien dem Rechtsruck in Europa entgegentreten sollen, wurde SPD-Frau Noichl jedoch zunehmend energischer: Für sie habe sich die Vereinigung der Europäischen Christdemokraten zulange nicht richtig von Victor Orbans Fidezs-Partei abgegrenzt. Aus ihrer Sicht ein undemokratisches Verhalten. "Man sollte niemals mit den ganz, ganz Rechten ins Bett!", schmettert Noichl ihrer CSU-Kontrahentin entgegen. "Wir sind auch Demokraten! Und wir brauchen eine klare Abgrenzung von Links- und Rechtsextremismus in Europa!", kontert Niebel. Dazu brauche es eine unabhängige Instanz. Auch für die Grüne-Spitzenkandidatin, welche zum ersten Mal ins Europaparlament gewählt werden möchte, gilt "eine klare Kante nach Rechtsaußen."

Fast wären nur Probleme der europäischen Staatengemeinschaft zu Wort gekommen, hätte nicht ein Zuschauer mittleren Alters gefragt: "Warum feiern wir uns nicht viel mehr selbst?" Unter dem Slogan "Europa is my Valentine!" wollen er und seine Mitstreiter die Union von unten mit Leben füllen.

Und was sagen die Europäerinnen und Europäer nach der Sendung? "Frau Noichl hat gut und überlegt gesprochen, das hat mir gefallen", findet der Auszubildende Ibo Muhmed. "Ich bin positiv überrascht. Aber die Antworten hätten prägnanter sein können, dann wären noch mehr Fragen drangekommen", meint die Unternehmensberaterin Iris Fischer. Der Politikstudent Julius Röder fand, "dass die Fragen fair ausgewählt wurden." Für Ilva Schoppmeier kam zwar das Thema Migration und Flucht zu kurz, aber "die Onlinefragen haben die Debatte schön aufgelockert."

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