Burgebrach
Fasching

Ja so warn's...die alten Ritter in Urbs Ebraha

Die Ritter drehen drei närrische Abende in Burgebrach die Zeit zurück und voll auf. 200 Narren-Profis i begeistern 1200 Besucher über Stunden.
Artikel drucken Artikel einbetten
Sie haben  bei den Burgebracher Prunksitzungen auf und hinter der Bühne die Strippen gezogen.Foto: Hans Sperber
Sie haben bei den Burgebracher Prunksitzungen auf und hinter der Bühne die Strippen gezogen.Foto: Hans Sperber
+18 Bilder

Dreienhalb Stunden Veitshöchheim sind nicht nur kurzweilig. Die Aussicht auf fünf Stunden Burgebracher Prunksitzung wirft die zentrale Frage auf: Wie bleibt jemand, dem um zehn die Lider schwer werden, wach? Nach dem Interview zur FT-Humorwoche wollen wir den nicht mehr ganz heimlichen Star hier live in der Bütt erleben; den Mann, mit auch für Burgebrachs Ureinwohner noch immer unaussprechlichem Nachnamen, deswegen kurz Matschi genannt. Doch bis der auftritt, dauert's.

So sitzt CSU-Bürgermeister Johannes Maciejonczyk in Anzug und mit Fliege - dem diesjährigen Söder-Look in Veitshöchheim übrigens - entspannt neben "Burg Windeck", also Schlüsselfelds Zweiter (SPD-) Bürgermeisterin Patricia Hanika. Die trägt das Motto-Bauwerk auf dem Kopf. Die drei Prunksitzungsabende unter der Regie des Ortskulturrings mit seinen Hauptakteuren TSV und Kerwasburschen sind der Ur-Bevölkerung von Urbs Ebraha, den Rittern von Windeck gewidmet. Noch größer als auf Hanikas Kopf bestimmt Burg Windeck die Bühne, als liebevoll gestaltete Kulisse.

Der hauchen der um Trink- und andere lockere Sprüche nicht verlegene Nachtwächter Benjamin Herbstsommer und das lieblich charmante Burgfräulein Katrin Schreiner Leben ein. Sie geleiten die Gäste witzig und spritzig durchs Programm. Durch perfektes Spiel und ebensolchen Gesang machen die Ebrachtaler Musikanten und der Männergesangverein (Leitung jeweils Jürgen Schmitt) - mit Lissi Finster als einziger Frau und Gesangspartnerin Werner Lamprechts - die Show auch zum Ohrenschmaus. Logisch, dass die "Alten Rittersleut und wie sie waren" nicht fehlen dürfen und öfter wiederkehren. Das tun auch Gardemädels und Tänzer.

Tolle Tänze

Aufwändigst gestylt und ausstaffiert fliegen den Garden der Narrengilde aus Laub, den meisterlichen Formationen aus Strullendorf (Minis, Young Team 1), der Aschbacher Tanzgruppe, einer Formation aus SV Eintracht Ober-/Unterharnsbach und TSV Burgebrach (Leitung Verena Selig) sowie den Dienstagsturnern des TSV (Leitung Babsi Günther) mit ihren jeweils einfallsreichen Tänzen die Herzen des Publikums zu.

Im Sturm erobert auch die wohl ihres Zeichens einzige Ritterin ihrer Art, Ann-Sophie Hauk, das Publikum. Sie stellt gleich klar, dass sie aus dem Monaco unter Burgebrachs Gemeindeteilen kommt, also Ampferbach - "aus dem ist halt was geworden". Hirschbrunn dagegen - "braucht kein Mensch". Der lockere Plausch mündet nach dem Live-Telefonat mit der "Omma" im ernst gemeinten Appell für mehr Toleranz. Auch das geht im Burgebracher Fasching und bekommt Beifall.

Danach geht's um eine geklaute Lederhose, Beleidigungen und Körperverletzung. Was direkt ins Gefängnis führen würde, wäre nur dem Matschi sein Kerker schon fertig. Markus Seuling, Matthias Panzer-Schmidt und Peter Mohr lassen's ordentlich krachen. Als Strafe für die Bösewichte gibt's letztlich drei Tage lang Schandmaskentragen: Trump und Putin.

Platz im Paradeis

Boney M's "By the Rivers of Babylon" dichten Adalbert Jäger und Alfons Schreiner zu "By the Rivers of Burge-Brach" um und widmen sich den neuen Herausforderungen des Altbürgermeisters Georg Bogensperger. Ritter Georg, dem Kirchenpfleger, der so gut pflegt, dass ihm das dereinst wohl einen Platz im Paradeis einbringt. Und die Moral aus der Geschicht? "Ein Pfleger bleibt so lange Pflicht, wie hier fehlt ein weibliches Gesicht..." Oder so ähnlich. Der Applaus der Burgebracher zeigt jedenfalls, dass sie's verstanden haben. Wobei dem Auswärtigen manche Anspielung und damit Pointe entgeht.

Dafür kommt die Lumpen Air aus Ober-/Unterharnsbach ohne Worte aus. Das Männerballett (Leitung Gundi Hohl) genießt hier, vor allem bei den Damen so etwas wie Chippendale-Status, im Stewardessen-Outfit oder mit Baströckchen.

In die Zeit der Burgen und Schlösser gehören Gespenster und so gibt's ein Gespenster-Casting und zwar für den neuen Kindergarten. Davor, und das verstehen jetzt wohl wieder nur Burgebracher, eine Hommage an ein Unikum vom Sportplatz: Sergus. Der geniale Dominik Winkler von den vielen engagierten Kerwasburschen auf und hinter der Bühne sei stellvertretend genannt, bringt auch Uneingeweihte herzhaft zum Lachen.

Dann, fast hätte ich es vergessen, daaaas Highlight, lange nach 23 Uhr. Wo ist der Bürgermeister? Verschwunden. Starwars-Klänge. Da kommt er angescheppert - Ritter Johannes. Helm ab und nun der große geschliffene Rundumschlag. Zuerst ist der Flamingo im Steigerwald dran, also die bunt gekleidete, an eine Buche gekettete Lisa Badum. Dann wird Burgebrachs Geschichte geradegerückt. Ritter Johannes gesteht: "Ich bin der Ursula ihr Moo." Burgebrachs First Lady der Ritterzeit war - ein echter Drachen. Jetzt Klarheit in Sachen Pfarrhaus: Der Pfarrer hat es auf der Flucht vor dem Klapperstorch verlassen und baut es so um, dass er nicht landen kann. Dafür musste der Bürgermeister dran glauben, bzw. Gattin Monika. Ein Star in Aktion. Singen kann er auch noch. Jubel im Saal, Huldigung für Ritter Johannes.

Es ist weit nach Mitternacht und keine Minute Zeit für Langeweile, außer beim Anstehen am Damen-WC.

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren