Bamberg
Prozess

Mann (41) aus dem Kreis Bamberg soll Nachbarskind vergewaltigt haben - Opfer einer Verleumdung?

Vor dem Landgericht Bamberg muss sich ein 41-Jähriger aus dem Landkreis verantworten: Er soll eine Zwölfjährige aus der Nachbarschaft vergewaltigt haben. Doch zu Beginn der Verhandlung stritt der Angeklagte alles ab. Er sieht sich als Opfer einer Verleumdung.
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Die inzwischen 13-Jährige gab an, vor dem Angeklagten Angst gehabt zu heben. Symbolfoto: pixabay.com/ninocare
Die inzwischen 13-Jährige gab an, vor dem Angeklagten Angst gehabt zu heben. Symbolfoto: pixabay.com/ninocare

Drei Mal soll ein 41-jähriger Mann in seiner Wohnung im Landkreis Bamberg ein damals zwölfjähriges Mädchen aus seiner Nachbarschaft vergewaltigt haben. Deshalb fand er sich vor der Jugendschutzkammer des Landgerichtes Bamberg wieder. Sollte er der Vergewaltigung und des schweren sexuellen Missbrauchs an Kindern schuldig gesprochen werden, erwartet ihn eine Freiheitsstrafe zwischen zwei und fünfzehn Jahren. Doch zu Beginn der Verhandlung stritt der Angeklagte alles ab.

Kein Geräusch ist zu hören, als die schüchterne Stimme der jetzt 13-jährigen Nathalie ertönt. Mit einfachen und nur wenigen Worten erzählt das Mädchen, das natürlich nicht wirklich so heißt, was ihr im Laufe des April 2018 geschehen ist. Nur ab und an ist das laute Ausatmen des Angeklagten zu vernehmen. Das Kind sitzt nicht selbst im Gerichtssaal. Darauf haben der Vorsitzende Richter Markus Reznik und alle anderen Verfahrensbeteiligten verzichtet. "Weil die Gefahr einer erneuten Traumatisierung besteht." Ihre Aussage ist zuvor im Beisein eines Ermittlungsrichters aufgezeichnet worden und wird nun abgespielt. Was die Schülerin berichtet, ist so ungeheuerlich, dass nach einer Stunde erst einmal bedrückende Stille herrscht.

Mehrfach habe der Angeklagte sich dem Opfer auf der Couch oder im Bett seiner Wohnung sexuell genähert. Aber erst, nachdem er die Zimmertür verschlossen habe, um nicht gestört zu werden, so Staatsanwalt Martin Barnickel. Zunächst habe der Angeklagte Nathalie auf den Mund und am Hals geküsst und an die Brüste gefasst. Später sei er zudringlicher geworden. "Ich hatte Angst vor ihm."

Einstündige Tortur

Deshalb habe sie nicht um Hilfe geschrien und sei immer wieder zu ihm gegangen. Nathalie erzählt, wie er sie an den Haaren festgehalten, sich mit seinem Körper auf ihren gedrückt habe. Sie habe sich gewehrt, immer wieder den Kopf zur Seite gedreht, "Mehrfach habe ich gesagt, er soll es lassen, aber er hat es nicht gelassen. Dann hat er mir die Hose ausgezogen." Als die jeweils einstündige Tortur vorbei war, die in zwei Fällen auch zu blutenden Unterleibsverletzungen geführt haben soll, habe er sie gehen lassen. "Ich bin dann gleich nach Hause und habe geduscht. Manchmal hatte ich solche Schmerzen, ich konnte mich kaum setzen." Dieses ungewöhnliche Verhalten fällt dann der Mutter auf, die ihre Tochter zur Rede stellt und damit die Ermittlungen ins Rollen bringt.

Wie sich herausstellt, ist es für das Kind nicht die erste Begegnung mit körperlicher und sexueller Gewalt. Von einem gewalttätigen Vater und einer versuchten Vergewaltigung durch einen 16-jährigen Jungen, da war Nathalie gerade sieben Jahre jung, ist später die Rede. Stefanie Harrer, Oberärztin für Frauenheilkunde am Klinikum Bamberg, und dem Rechtsmediziner Gunter Raffelsbauer, Facharzt für Rechtsmedizin an der Universität Erlangen-Nürnberg, werden später aussagen, dass ihnen das Mädchen vaginalen, analen und oralen Geschlechtsverkehr geschildert habe. Fast immer ohne Kondom.

Zwei Versionen

Da die körperlichen Untersuchungen aber erst zwei Wochen nach der letzten angeblichen Tat erfolgt waren, stellten beide Sachverständige keine sichtbaren Verletzungen fest. Ob sich im Körper Nathalies noch verwertbare DNA-Spuren gefunden haben, wird noch erörtert werden.

Falls nicht, müsste das vierköpfige Richterkollegium nur anhand der Zeugenaussagen entscheiden, welcher Version es mehr Glauben schenkt. Dass der zweifache Vater der hilfsbereite Nachbar war, wie er behauptete, oder ein skrupelloser Kinderschänder. Denn der Angeklagte bestritt sämtliche Vorwürfe, sah sich als Opfer einer Verleumdung durch die Mutter Nathalies, mit der er "ein kurzes Techtelmechtel" gehabt habe. Das Ganze sei doch verrückt. "Nathalie ist mir nachgelaufen, weil sie nicht zu Hause bleiben wollte. Ich wollte ihr nur helfen. Ich habe mir nichts dabei gedacht."

Offenbar auch dabei nicht, mit ihr in seinem nur 1,20 Meter schmalen Bett zu übernachten, wie er im Beisein seines Rechtsanwaltes Maximilian Glabasnia (Bamberg) zugab. Es sei nur um gemeinsames Fernsehschauen und Computerspielen gegangen. Der Angeklagte vermutete zudem, dass Nathalies neuer Freund, hier fiel das unschöne Wort vom "Kinderficker", Sex mit ihr gehabt habe und er nun als Sündenbock dafür herhalten solle. Mit einem Urteil ist am 27. November zu rechnen.

Ebenfalls am 27. November soll in Nürnberg das Urteil zu einem Prozess fallen. Hier wird einem Mann aus Bamberg vorgeworfen, seine Freundin jahrelang mit heftigen Drohungen zum Sex gezwungen zu haben.

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