Bamberg

Investor für Textilunternehmen Kaliko gefunden

Für das insolvente Textilunternehmen Kaliko in Bamberg hat sich ein Investor gefunden: Die Kufner Holding GmbH übernimmt. Die Gewerkschaft freut das.
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Für das Bamberger Textilunternehmen Kaliko ist ein Investor gefunden. Kaliko
Für das Bamberger Textilunternehmen Kaliko ist ein Investor gefunden. Kaliko

Anfang Juli geriet Kaliko in die Schlagzeilen: Das Bamberger Textilfirmaerneut war in finanzieller Schieflage. Die Pleite drohte. Die Firma stellte einen Antrag auf Insolvenz. 130 Mitarbeiter bangten um ihre Jobs, während die Geschäftsführung einen Investor suchte. Jetzt, kurz vor Weihnachten, ist das geglückt.

"Wir haben mit der Kufner Holding GmbH einen starken strategischen Investor gefunden, der die Bamberger Kaliko Textile Finishing GmbH übernimmt", verkündet die Kaliko-Geschäftsführerin Alexandra Semrau die guten Neuigkeiten in einer Pressemitteilung.

"Kufner ist ein innovativer, globaler Hersteller von technischen Textilien und Weltmarktführer im Einlagensegment. Die Erfahrung und die Internationalität von Kufner schafft somit ein erhebliches Potential, die Kaliko wieder auf Erfolgskurs zu bringen", schreibt Semrau weiter. Geplant sei ein gemeinsames Engagement von Kufner mit den Restrukturierungsexperten der österreichischen VMS-Gruppe. Die beiden Unternehmen haben demnach bereits in einem ähnlichen Projekt erfolgreich zusammen agiert.

Erhalt des Standortes

Ulrich Sogl, Geschäftsführer der Kufner-Gruppe sagt zur Übernahme von Kaliko: "Wir sind froh, dass mit allen Beteiligten gemeinsam eine Übernahmelösung gelungen ist, die wir vertraglich am 14. Dezember unterzeichnen konnten." Der Standort Bamberg solle dabei mit seinen vier Produktsegmenten nicht nur erhalten werden, sondern es seien umfangreiche Investitionen und weitere operative Maßnahmen geplant. "Ziel ist es, wieder eine führende Marktposition in den bestehenden Geschäftsbereichen einzunehmen. Gelingt uns allen zusammen diese positive Weiterentwicklung des Unternehmens, ist auch ein Ausbau von Arbeitsplätzen denkbar", sagt Sogl.

Mit seinen rund 130 Mitarbeitern ist das fränkische Unternehmen Kaliko Hersteller in der Ausrüstung, Beschichtung und Färbung von Bucheinbandstoffen, Rollostoffen, technischen Geweben sowie Schleifmittelunterlagen auf textiler Basis. Durch die Einbindung in die Kufner-Gruppe, zu der unter anderem fünf Werke auf zwei Kontinenten sowie weltweit 20 Vertriebsgesellschaften gehören, sollen laut Pressemitteilung zum Beispiel die Einkaufskonditionen verbessert sowie die Finanzierungsstruktur optimiert werden.

Gewerkschaft lobt das Vorgehen

Der Betriebsrat und die Gewerkschaft stehen hinter der Übernahme, wie Marcel Adelhardt von IG Metall Bamberg bestätigt: "Kufner und VMS möchten die Arbeitsplätze in Bamberg sichern und den Mitarbeitern eine neue Perspektive geben. Der Tarifvertrag der Textil- und Bekleidungsindustrie gilt dabei weiterhin." Alle Beteiligten hätten in den vergangenen Wochen sehr intensiv an dieser Lösung gearbeitet. "Auch wenn es aufgrund der verschiedenen Interessenlagen manchmal unterschiedliche Meinungen gab, war die Zusammenarbeit immer konstruktiv und im Sinne der Sache, ergo der Fortführung des Unternehmens und dem Erhalt der bestehenden Arbeitsplätze. Wir sind froh, die Belegschaft der Bamberger Kaliko mit diesen Neuigkeiten ins Weihnachtsfest schicken zu können." Auch Matthias Gebhardt, Bevollmächtigte der IG Metall Bamberg, sieht es als absolut positiv, dass die Tarifbedingungen eingehalten werden, was bei Kaliko in der Vergangenheit nicht immer der Fall gewesen sei.

Auch Oberbürgermeister Andreas Starke hatte sich für Kaliko eingesetzt, die jetzige Entwicklung freut ihn, wie er sagt: "Die Kaliko ist und bleibt ein wichtiges Traditionsunternehmen für Bamberg, das wir unbedingt am Standort erhalten wollen. Das Versprechen des Investorenteams werte ich als äußerst positiv. Sie wollen den Standort nicht nur sichern, sondern sogar darin investieren, ihn zukunftsfähig aufstellen und langfristig ausbauen". Das Wirtschaftsreferat stand in den letzten Monaten in engem Kontakt mit dem Unternehmen und führte auch persönliche Gespräche mit der Kaliko-Geschäftsführerin Alexandra Semrau und dem Sanierungsberater. "Wir werden auch weiterhin dem Unternehmen und dem neuen Investorenteam als Ansprechpartner zur Seite stehen und es nach allen Kräften unterstützen", sagte Wirtschaftsreferent Stefan Goller.

Als Sachverwalter begleitet Jan Markus Plathner von der Kanzlei Brinkmann & Partner das Insolvenzverfahren. Er unterstützt den Prozess im Sinne der Gläubiger und hat hauptsächlich eine überwachende Funktion. Plathner erläutert hierzu: "Das gewählte Verfahren ermöglicht es der Kaliko, im Rahmen der Eigenverwaltung einen tragfähigen Plan, mit dem Ziel der Restrukturierung des bekannten deutschen Textilveredlers zu erarbeiten."

Die Imap M&A Consultants AG ("Imap") wurde zudem von dem Gläubigerausschuss mit der Durchführung eines kompetitiven Investorenprozesses beauftragt. Mit der Vertragsunterschrift wird nun die Übernahme vorbereitet, dafür sind noch einige weitere Schritte notwendig. Roman-Knut Seger, Geschäftsführer der BDO Restructuring GmbH und Sanierungsberater des Unternehmens, erläutert die Vorgehensweise: Der Unternehmenserwerb erfolge im Rahmen eines Insolvenzplans, die Umsetzung werde noch einige Wochen in Anspruch nehmen. Er gehe davon aus, dass im Laufe des Monats Februar die Übergabe an die neuen Eigentümer final ist. szs

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