Bamberg
Inklusion

Integra fordert die Gemeinden im Landkreis Bamberg heraus

Integra Mensch fordert den Landkreis heraus: Finden sich in einem Jahr 1964 Menschen, die sich für Inklusion stark machen?
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Integra Mensch, hier vertreten durch den Leiter Kuno Eichner, will es mit dem Landkreis Bamberg "aufnehmen", hier verkörpert von Landrat Johann Kalb. Foto: Integra
Integra Mensch, hier vertreten durch den Leiter Kuno Eichner, will es mit dem Landkreis Bamberg "aufnehmen", hier verkörpert von Landrat Johann Kalb. Foto: Integra
Integra Mensch, einem Bereich der Lebenshilfe Bamberg, ist es in den vergangenen Jahren gelungen, zahlreiche Mitstreiter für Inklusion zu begeistern. Viele große und kleine Unternehmen, Kindergärten und Seniorenheime, Gemeinden und Verwaltungen stellen Arbeitsplätze für Menschen mit Handicap zur Verfügung. "Unser Ziel ist es, dass sich alle unsere Gemeinden und alle namhaften Betriebe im Landkreis beteiligen", sagt Landrat Johann Kalb. Für ihn ist Inklusion "eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe".

Mittlerweile nutzen bereits 150 Menschen mit Behinderung das Integra-Angebot. In 95 verschiedenen Betrieben engagieren sich Arbeitskollegen als Paten und binden behinderte Menschen in ihre Betriebsabläufe mit ein. Sie werden dabei von professionellen Integrationsbegleitern unterstützt. Dieser Ansatz ist so richtungsweisend, dass der Landkreis Bamberg mittlerweile als Vorbild für viele ähnliche Initiativen in der ganzen Bundesrepublik gilt. Jetzt versucht das Team von Integra Mensch gemeinsam mit allen Bürgern den nächsten Schritt zu gehen: Können die Gemeinden auch im Freizeitbereich für alle Menschen mit Behinderung eine Heimat sein?

Die Idee entstand während einer Exkursion des bayerischen Gemeindetages. Integra-Leiter Kuno Eichner war dabei und informierte die Bürgermeister darüber, dass Menschen mit Behinderung im Bereich Freizeit in den Gemeinden weitgehend außen vor sind. "Viele würden gerne bei den Vereinen mitmachen oder sich als Ministranten in die Pfarrgemeinden einbringen. Manche Integra-Mitarbeiter, die in den Bauhöfen oder in Handwerksbetrieben arbeiten, könnten zum Beispiel auch bei den Feuerwehren Dienst leisten." Es gäbe viele Möglichkeiten, aber ohne Unterstützung fänden sie kaum Zugang.

Lässt sich die Idee der Inklusion im Vereinsleben tatsächlich verwirklichen? Sven Strauß, Vorsitzender des ASV Reckendorf, ist davon überzeugt: "Menschen mit Behinderung brauchen Offenheit und Verständnis bei den Vereinsmitgliedern. Wenn es gelingt, sie auf die richtige Weise anzusprechen, ist vieles möglich. Bei uns spielt zum Beispiel Integra-Mitarbeiter Christian Then in der Zweiten Mannschaft mit."

Die Integrationsbegleiter von Integra Mensch kennen die Familien und wissen um die individuellen Bedürfnisse. Sie können die notwendigen Kontakte herstellen, weil sie über die individuellen Bedingungen, die Menschen aufgrund unterschiedlicher Handicaps benötigen, informiert sind. Inklusion geht aber nicht alleine. Genau wie im Arbeitsbereich ist auch beim Thema Freizeit die Mithilfe der Bürger gefragt.

Lassen sich dafür genügend Unterstützer im Landkreis Bamberg finden? Integra Mensch ist noch skeptisch und fordert die Bürgermeister mit der folgenden Wette heraus: "Die Gemeinden im Landkreis Bamberg schaffen es nicht, dass sich innerhalb eines Jahres 1964 Bürger für Inklusion engagieren!"

Die Idee mache neugierig und wirke spielerisch, leicht und motivierend - das Thema sei laut Eichner aber durchaus ernst gemeint: Wie weit ist die Inklusion, die von den Vereinten Nationen zum Menschenrecht erklärt wurde, in den einzelnen Gemeinden fortgeschritten? Und wo gibt es Verbesserungsmöglichkeiten?

Integra bietet folgenden Wetteinsatz an: Wenn die Bürgermeister gewinnen, wird der Landkreis Bamberg vom Bundespräsidenten als inklusivster Landkreis in Deutschland ausgezeichnet. Und wer Eichner kennt, weiß, dass dahinter kein leeres Versprechen steckt. Für den Fall der Wetteinlösung wird er auf jeden Fall seine Kontakte spielen lassen. Wenn Integra Mensch gewinnt, arbeiten der Landrat und alle Bürgermeister einen Tag bei Integra mit.

Die Wette startet am 1. Juni 2018 und endet am 31. Mai 2019. Die Bürgermeister nehmen die Herausforderung an. Sie luden in den letzten Monaten Kuno Eichner in ihre Gemeinderatssitzungen ein, damit er die Idee der Inklusion im Freizeitbereich vorstellen konnte. Die erste Einladung kam von der Stadt Baunach. Bürgermeister Ekkehard Hojer ist überzeugt: "Klar, wir schaffen das. Von Seiten der Verwaltung wurden schon viele Weichen gestellt. Im Arbeitsbereich arbeiten wir schon lange erfolgreich mit Integra Mensch zusammen. Gemeinsam werden wir es auch schaffen, dass Menschen mit und ohne Behinderung bei uns unverkrampft zusammen ihre Freizeit gestalten können."

Auch die Rückmeldungen aus den anderen Gemeinden sind überwältigend. 34 Gemeinden fassten den Beschluss, beim Aufbau von inklusiven Strukturen im Freizeitbereich finanziell mit einem Euro pro Einwohner zu unterstützen. Dass 33 Gemeinden diesen Beschluss sogar einstimmig fassten, zeigt, dass das Anliegen von einer großen Mehrheit der Bürger getragen wird.

Durch die finanzielle Unterstützung der Gemeinden war es möglich, das Team von Integra Mensch zu vergrößern. Sowohl den Familien mit behinderten Angehörigen wie auch allen Gemeindebürgern stehen nun professionelle Integrationsbegleiter als Ansprechpartner zur Verfügung. Dabei geht es nicht darum, ein neues Hilfesystem aufzubauen, das auf Jahre hinaus Geld kostet. Eine gute Hilfe sei die Hilfe, die Menschen schnell unabhängig von Hilfe macht. Das Ziel von Integra Mensch sei es, dass die Profi-Arbeit mittel- bis langfristig durch Engagement in den Gemeinden ersetzt werden kann.

Wir werden wir über die weitere Entwicklung berichten.

Integra-Ansprechpartner in den Gemeinden:

Altendorf, Buttenheim Christine Rupprecht, Tel. 0171/1718 919

Baunach, Lauter, Oberhaid Wolfgang Röckelein, Telefon 0170/7078 810

Bischberg, Gundelsheim, Hallstadt, Priesendorf, Walsdorf David Ochs, Telefon 0951/ 1897 2900

Breitengüßbach, Kemmern
Jutta-Eva Schmidt, Telefon 0151/ 1431 2508

Burgebrach, Burgwindheim
Stephan Hollmann, Telefon 0162/2917 954

Frensdorf, Pettstadt Marvin Hilmer, Telefon 0174/1520 260

Gerach, Reckendorf, Zapfendorf Gerhard Schmidt, Telefon 0172/3733 267

Heiligenstadt i. Ofr., Königsfeld, Stadelhofen, Strullendorf, Wattendorf Stefan Kah, Telefon 0162/2917 952

Hirschaid Jasmin Dykast, Telefon 0171/171 8918

Lisberg, Pommersfelden Reinhold Lechner, Telefon 0174/ 2019 789

Litzendorf Manuela Maar, Telefon 0171/2669 746

Memmelsdorf, Scheßlitz Vincent Weiß, Telefon 0171/1718 975

Schlüsselfeld, Schönbrunn i. Steigerwald Andrea Morgenroth, Telefon 0151/1064 4181

Stegaurach Christine Ochs, Telefon 0173/3416 784

Viereth-Trunstadt Sandra Fischer, Telefon 0951/ 1897 2900


Ein Beispiel aus Reckendorf, wie Integration im Freizeitbereich konkret aussehen kann, lesen Sie in Kürze auf www.infranken.de (für Abonnenten kostenlos)


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