Bamberg
Engagement

Inklusion im Fitnessstudio

Mit dem Projekt "ginaS" soll in Bamberg die Inklusion von Menschen mit Behinderung in Sportvereinen und Fitnessstudios vorangetrieben werden.
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Menschen mit Behinderung können zweimal pro Woche unter Anleitung im Fitnessstudio "Clever fit"  trainieren. Foto: Ronald Rinklef
Menschen mit Behinderung können zweimal pro Woche unter Anleitung im Fitnessstudio "Clever fit" trainieren. Foto: Ronald Rinklef
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Die jungen Menschen mit Behinderung treten in die Pedale der Fitnessräder. Sie haben ein intensives Training hinter sich und wärmen sich nun ab. Trotz der Anstrengung sind sie glücklich, denn sie können im Fitnessstudio "Clever fit" in Hallstadt trainieren.

Inklusion im Sport

Das ist nicht selbstverständlich, da gerade im Sport die Inklusion noch hinterher ist. Das wissen auch Robert Bartsch und Wolfgang Heyder. Bartsch ist Projektleiter bei "goolkids", während sich Heyder als Sportmanager einbringt. Der Förderkreis hat das Sport-Inklusions-Projekt "ginaS" ins Leben gerufen. "ginaS" steht für "goolkids integriert natürlich alle Sportler".

Die Spendensumme von 3 000 Euro, die beim Benefizspiel des FC Eintracht Bamberg gegen die Junglöwen des TSV 1860 München zusammenkam, wird für Projekte im Rahmen von "ginaS" eingesetzt. Am 30. September findet auch noch ein Benefizkonzert mit der Band "Dorfrocker" im Festzelt der Mediengruppe Oberfranken (MGO) statt. "Franken helfen Franken", der Spendenverein der MGO, unterstützt ebenfalls das Projekt.

Projekt "integraFIT"

"Die Inklusion im Sportbereich ist ein längerer Weg, aber man muss den ersten Schritt machen", sagt Bartsch. Mit "integraFIT" wurde der erste Schritt gemacht. Bartsch und Heyder betonen in diesem Zusammenhang die gute Zusammenarbeit mit dem Hallstadter Fitnessstudio . Bei "integraFIT" handelt es sich um das erste Modul von "ginaS". Gründer ist der Bamberger Franz Bezold, der als Sozialarbeiter bei "iSo" (innovative Sozialarbeit) arbeitet. Er hat einen persönlichen Bezug zum Thema Inklusion. Seine Schwester ist intellektuell beeinträchtigt.

In einem Imagefilm zu seinem Projekt sagt er: "Meine Schwester hat mich auf die Idee gebracht, weil sie sportlich engagiert ist." Bezold fiel auf, dass es kaum Menschen mit Handicap gibt, die in Fitnessstudios trainieren. Das Angebot ist schlichtweg nicht da und außerdem erfordert es von den Beeinträchtigten auch Mut, sich alleine in einem Fitnessstudio anzumelden. Daher startete Bezold, der Pädagogik mit Sportdidaktik als Nebenfach studiert hat, im September vergangenen Jahres das Projekt "integraFIT" auf ehrenamtlicher Basis.

Angebot kam gut an

Während des Studiums arbeitete der Fitnessbegeisterte bereits als Trainer im "Clever fit". Er hat seine A-Lizenz als medizinischer Fitnesstrainer und ist zudem Personaltrainer. Am Anfang hat er einmal pro Woche mit einer circa sechsköpfigen Gruppe trainiert. Die Gruppe sollte nicht mehr als sechs Leute umfassen, damit er auf jeden Einzelnen individuell eingehen kann. Bezold ist "goolkids" dankbar dafür, dass sie es möglich gemacht haben, junge Menschen mit Behinderung von der Lebenshilfe zum Fitnessstudio zu bringen. Das Angebot im "Clever fit" kam so gut an, dass Bezold mittlerweile Mittwoch- und Donnerstagnachmittag Trainingsstunden anbietet.

Mehrwert für Gesellschaft

"Das Projekt hat einen Mehrwert für die Beeinträchtigten selbst, aber auch für die Gesellschaft. Hinzu kommt auch der gesundheitliche Mehrwert", erklärt der Bamberger. Einige Menschen mit Handicap hätten beispielsweise starkes Übergewicht, unter anderem weil sie sich zu wenig bewegen. Dem könnte vorgebeugt werden, wenn mehrere Fitnessstudios Angebote für Behinderte schaffen würden. "Fitnesstudios sind eine super Möglichkeit für Begegnungen", meint Bezold. So könnten auch Berührungsängste abgebaut werden.

Der Fitnessbegeisterte hat eine klare Botschaft: "Jeder Trainer kann Behinderte trainieren." Er habe auch von Kollegen aus dem "Clever-fit-Team" nur positive Rückmeldungen erhalten. Ziel des Bambergers ist es, sein Projekt deutschlandweit auszubauen, "damit noch mehr Menschen integriert werden". Er könne sich vorstellen, bundesweit Aufklärungsarbeit in Fitnessstudios zu leisten und die Trainer zu schulen.

Weitere Projekte in Planung

Auch bei dem Förderkreis "goolkids" sind weitere Projekte in Planung. Ziel sei es laut Wolfgang Heyder, Menschen mit Behinderung über Sport und Vereine in die Gesellschaft zu integrieren. Robert Bartsch betont, dass sich zwei junge Menschen bereits selbstständig im "Clever fit" angemeldet hätten. Dies sei ein großer Schritt für die Menschen mit Handicap gewesen. "Sie waren sehr stolz darauf", sagt Bartsch glücklich. Für die Zukunft sind weitere Projekte wie ein Lauftreff geplant. Bei Mannschaftssportarten seien laut Heyder Anfängerprogramme denkbar, da jeder andere Vorkenntnisse habe.

Die Trainingsstunde ist nach dem Abwärmen auf dem Rad beendet, aber nächste Woche geht es weiter, wenn die beeinträchtigten Menschen wieder im Fitnessstudio zusammenkommen.



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