Bamberg
Bildung

Inklusion: gemeinsam singen und lernen

In diesem Schuljahr gibt es in Wildensorg wieder eine Partnerklasse. Schüler der Dom- und der Bertold-Scharfenberg-Schule verbringen darin gemeinsam den Schulalltag.
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Foto: Matthias Hoch
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Mit einem "bürgermeisterlichen Grüß Gott" erwiderte Werner Hipelius (CSU) das fröhliche "Gute-Laune-Lied", das die Schüler der Wildensorger Partnerklasse ihm und den restlichen Besuchern zur Begrüßung sangen. Die Gäste wollten sich direkt vor Ort von der viel gelobten Zusammenarbeit der beiden unterschiedlichen Klassen überzeugen.

Seit diesem Schuljahr werden in der "Kooperationsklasse" in Wildensorg 17 Regelschüler gemeinsam mit acht Schülern der Bertold-Scharfenberg-Schule unterrichtet. Während es sich bei der Regelklasse um Erstklässler handelt, sind die Schüler der Außenklasse ein wenig älter. Für sie ist es das zweite, teilweise auch schon das dritte Schulbesuchsjahr.

In der Schule Wildensorg gibt es somit bereits zum zweiten Mal eine Partnerklasse. Die damalige Kooperation wurde aufgrund der Klassengröße allerdings nur über ein Jahr aufrecht erhalten.
Diesmal sind es weniger Schüler - und die Zusammenarbeit ist auf die gesamte vierjährige Grundschulzeit angelegt.

Absprachen sind wichtig

Betreut und unterrichtet wird die Partnerklasse von einer Grundschullehrerin, einer Sonderschullehrerin und einer Kinderpflegerin. Unterstützung bekommen sie dabei von Rebecca Rink - im Rahmen ihres "Freiwilligen Sozialen Jahres" bei der Lebenshilfe vervollständigt die 17-Jährige das Gespann. Besonders bei der Organisation des Unterrichts müssen die vier Frauen eng zusammenarbeiten und sich untereinander gut absprechen.

Um den insgesamt 25 Kindern und ihren verschiedenen Fähigkeiten gerecht zu werden, lehren sie nämlich mit verschiedenen Materialen. Für den Mathematik-, Deutsch- und Sachunterricht werden die Kinder je nach Bedarf getrennt und in unterschiedlichen Konstellationen auf die drei verschiedenen Räume aufgeteilt. Davon abgesehen verbringen sie aber die meiste Zeit gemeinsam: die Pausen, Projekte und Ausflüge sowie den Kunst-, Musik- und Sportunterricht.

Der Musikunterricht ist es auch, der der achtjährigen Alina so gut in der Partnerklasse gefällt: Dabei kann man in einer großen Gruppe gemeinsam singen. Vorher, an der Bertold-Scharfenberg-Schule, war das nämlich nicht der Fall.

Ihre Mitschülerin, die siebenjährige Marie, ist vor allem vom Schulgelände und seinen Außenanlagen begeistert. Und da ist die Erstklässlerin wohl auch nicht die Einzige, schließlich liegt die Wildensorger Schule geradezu ideal: Direkt neben dem Schulhof gibt es einen Kinderspielplatz, eine große Sportwiese und einen Wald.

Drei Räume stehen zur Verfügung

Im Schulgebäude selbst stehen der Kooperationsklasse drei Räume zur Verfügung. Neben dem Hauptklassenzimmer befindet sich ein weiteres, kleineres Klassenzimmer. Beide sind auch durch eine Tür miteinander verbunden, wodurch die beiden Gruppen schnell und unkompliziert voneinander getrennt und anschließend wieder zusammengeführt werden können. Für die acht Schüler der Außenklasse mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung steht außerdem noch ein zusätzlicher Gruppenraum bereit.

Das grundlegende Ziel bei dieser Kooperation von Regel- und Förderschule ist die "Vermittlung eines Menschenbildes, nach dem Vielfalt als Normalität und Chance begriffen wird", meint Johann Deusel, Rektor der Domschule und der dazugehörigen Wildensorger Schule. Und der erste Schritt scheint dabei getan. "Durch den täglichen Umgang verringern sich Berührungsängste und Vorurteile", stellte Grundschullehrerin Claudia Seibt fest.

Obwohl die Leistungsschere in der Klasse weit auseinander geht, wird nämlich keiner ausgelacht, wenn er mal etwas nicht so gut kann. Eher das Gegenteil ist der Fall: Die Kinder lernen, einander zu helfen, um Hilfe zu bitten und diese anzunehmen.
Um die beiden Klassenzimmer mit Durchgangsmöglichkeit zu schaffen, war ein Umbau unumgänglich. 5 370 Euro hatte die Stadt Bamberg im letzten Jahr in eine Isolierwand und eine Schallschutztür investiert. Vorher waren die beiden Räume nur durch Unterschränke mit Glasaufsatz voneinander getrennt, wodurch der Schall eher noch verstärkt als gemindert wurde. Von dem tatsächlichen Nutzen der neuen Wand wollte sich Bürgermeister Hipelius gleich selbst überzeugen. Nach einer kurzen Bitte von Johann Deusel machte die Klasse ordentlich Lärm. Und die Wand erfüllte ihren Zweck: Sie hielt der Belastungsprobe stand. Neben dem Geld für Wand und Tür wurden die Zimmer der Partnerklasse auch noch neu ausgestattet - unter anderem mit Tischen, Stühlen und Gardinen. Dafür gab es von der Stadt noch einmal 9 500 Euro. "Wenn euch das gefällt, dann macht man das doch auch gerne", eröffnete Hipelius den Schülern schmunzelnd, während er seinen Blick durch den fertigen Raum schweifen ließ.



Weitere Bilder aus dem Schulhaus Wildensorg finden Sie unter


www.inFranken.de
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