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Bamberg
Bildung

In welche Richtung soll die Uni gehen?

Im Tauziehen um die künftige Ausrichtung der Universität Bamberg hat eine Pattsituation zwischen einem konservativen und einem progressiven Lager die Wahl zum Präsidenten erfolglos ausgehen lassen.
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Quo vadis? In welche Richtung soll sich die Otto-Friedrich-Universität langfristig entwickeln? Zu dieser Gretchenfrage gab es bei der Wahl zum neuen Uni-Präsidenten unterschiedliche Meinungen. Dreimal stimmten die 20 Wahlberechtigten im Unirat ab. Am Ende - so berichtet es ein Teilnehmer - standen zwei Bewerber zur Wahl, ein externer und ein interner. Aber auch zwei Stoßrichtungen, für die sie warben. Konservativ versus progressiv. Durchsetzen konnte sich kein Konzept, kein Bewerber. Ein 10:9 bei einer ungültigen Stimme bedeutete: Die Wahl muss wiederholt werden.

"Kein böses Blut"

"Es ist überhaupt kein böses Blut geflossen und es hat keinen Stunk gegeben", betont Dieter Timmermann, der Vorsitzende des Universitätsrats, dessen zehn externe und zehn interne Mitglieder den neuen Präsidenten wählen sollten. "Es war ein offenes, sehr faires Verfahren", sagt der Professor, der daran nichts Negatives sehen will. Immer wieder habe man sich besprochen und abgestimmt, ganze eineinhalb Stunden vor dem letzten Wahlgang. Dennoch gab es keinen Sieger. "Es ging um die Vorstellungen zur zukünftigen Entwicklung der Universität, zum Teil über sehr weitreichende Veränderungen", bestätigt der Vorsitzende des Unirats und lobt beide Finalisten für ihre Bewerbungen: "Beides gute Kandidaten, die einen guten Präsidenten abgegeben hätten."

Zwei Bamberger Bewerber

Einer von ihnen ist Guido Wirtz, aktuell Vizepräsident der Otto-Friedrich-Universität Bamberg im Ressortbereich Technologie und Innovation und Leiter des Lehrstuhls für Praktische Informatik an der Fakultät Wirtschaftsinformatik und Angewandte Informatik. "Natürlich ist das eine etwas unschöne Sache, mit der niemand glücklich ist", räumt er ein. Die genauen Wahlergebnisse kenne er nicht, und dazu möchte er sich auch nicht äußern. Wirtz betont aber den fairen "Wahlkampf" und das gute Verhältnis zum zweiten Bamberger Bewerber Markus Behmer. Der Professor für empirische Kommunikatorforschung und Dekan der Fakultät für Geistes- und Kulturwissenschaften gibt das Kompliment an seinen Kollegen zurück. Informatik versus Geisteswissenschaften? Man habe bewusst keinen Wahlkampf gegeneinander gemacht. "Ich habe mich sehr gefreut, dass mein Konzept bei der Vorstellung großen Applaus bekommen hat", berichtet Behmer. Negativ am Ausgang der Wahl sei, dass die Uni nun in Zeitdruck geraten ist. Der neue Präsident muss im Amt schnell Stellvertreter finden. Andererseits sei der Ausgang auch Ergebnis einer demokratischen Wahl.

Ob die beiden Bamberger Professoren sich bei der neuen Ausschreibung noch einmal bewerben? "Das weiß ich noch nicht", sagt Behmer. "Ich denke darüber nach", antwortet Wirtz.

Die Studierendenvertretung hält sich bedeckt und betont, man vertraue auf die Entscheidung des Unirats. Der amtierende Uni-Präsident Godehard Ruppert äußert sich zur Wahl nicht. Helmut Glück, Vorsitzender der Bamberger Sektion des Deutschen Hochschulverbandes, mahnt, die Uni Bamberg stehe vor großen Entscheidungen. Die Zukunft der Lehrerausbildung oder sogenannter "kleiner Fächer" nennt er als Beispiele. Außerdem die Exzellenzinitiative, für die sich Bamberg nicht beworben hat. Bei Themen wie diesen müsse ein künftiger Präsident Entscheidungen treffen.

Info:

Ausgang Eine Findungskommission, der Mitglieder aller Statusgruppen angehörten, hatte insgesamt fünf Kandidaten, darunter zwei Frauen und drei Männer, benannt, die zu einer hochschulöffentlichen Vorstellung eingeladen wurden. Danach fand die geheime Wahl durch den Universitätsrat statt. Warum ist die Wahl nicht zustande gekommen? Die Universität fordert in der Grundordnung eine absolute Mehrheit: Nur, wenn mindestens elf der insgesamt 20 Universitätsratsmitglieder für eine Person stimmen, wird die nötige absolute Mehrheit erreicht. In drei Wahlgängen erreichte kein Kandidat diese Mehrheit.

Ausschreibung Eine erneute Ausschreibung wird zeitnah erfolgen. Laut Unirat sollen Bewerber gleich ein Visionspapier mitschicken, um Zeit zu sparen.

Nachfolge Der derzeitige Präsident, Godehard Ruppert, tritt Ende September 2020 in den Ruhestand.

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