Bamberg
Bildung

In vielen Bamberger Schulen ist der Lack ab

32 Millionen Euro hat die Stadt in den letzten sechs Jahren in ihre Grund- und Mittelschulen gesteckt. Stolze Leistung oder doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein?
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Trimberg-SchuleRonald Rinklef
Trimberg-SchuleRonald Rinklef
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Wenn Bernhard Ziegler im ersten Stock der Hugo-von-Trimberg-Schule ein Fenster aufmacht, muss er vorsichtig sein. Sonst kann es vorkommen, dass ihm die Scheibe auf die Füße fällt. Seinen neuen Referendaren wagt der Schulleiter, die Lehrertoiletten kaum noch anzubieten, so muffig und veraltet sind diese winzigen Rückzugsorte mit ihrem vergilbten 50er Jahre-Charme und einer offenkundig undichten Klospülung. Immerhin: Als es vor einigen Monaten durch das Dach der 1959 gebauten Schule regnete, hat die Stadtverwaltung das Loch in kurzer Zeit mit Dachpappe versiegelt. Und Ratten kennt man anders als in anderen Bamberger Schulen auch nicht auf dem Schulhof.

Löcher stopfen, wenn es nicht mehr geht - nach diesem Prinzip überleben Ziegler und sein Kollegium mit den rund 300 Schulkindern nun schon seit Jahren. Sie übersehen den überall abplatzenden Lack, lassen die Stolperfallen auf dem Weg zum Pausenhof links liegen und ignorieren die technischen Mängel in einer Uralt-Küche in der offenen Ganztagesschule. Ziegler lehnt die Container ab, die die Stadt im kommenden Jahr auf den Pausenhof stellen will, um der wachsenden Schülerzahl Herr zu werden. Er träumt den Traum einer Teilsanierung.

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Das ist auch der Grund, weshalb an diesem Mittwoch im Rathaus Maxplatz ein ganzes Dutzend Schulleiter versammelt ist. Allzu gute Laune ist den Damen und Herren nicht anzusehen, auch wenn sich Finanzreferent Bertram Felix größte Mühe gibt. "Es wird immer so getan, als ob die Stadt nichts tun würde für ihre Schule", sagt der Herr der Zahlen. Sein akribischer Vortrag über das, was die Stadt in den letzten sechs Jahren geleistet hat, soll das Gegenteil zeigen: Vom reparierten Kanal bis zur LED-Beleuchtung in der Turnhalle, von geweißelten Fluren bis zum neuen Schulgarten: Felix spricht eine Stunde lang. 95 Millionen Euro habe die Stadt seit 2014 in ihre Schulen investiert, 32 Millionen davon flossen in die 17 Grund- und Mittelschulstandorte. Das alles sei ein personeller und finanzieller Kraftakt: "Man kann nicht behaupten, dass die Stadt kein offenes Herz für die Schulen hätte. "

Eine Bilanz, die bei manchen unter den Zuhörern Stirnrunzeln auslöst. Denn Zustände wie in der Hugo-von-TrimbergSchule sind kein Einzelfall. Fenster, Toiletten, Platzmangel machen den Pädagogen das Leben schwer. Ursula Lyda-Fischer, Chefin der Heidelsteigschule, formuliert es so: "Von diesem Geld kommt bei uns nichts an."

Auf rund 200 Millionen Euro schätzt FDP-Stadtrat Martin Pöhner die Summe, die es bräuchte, um den Sanierungsstau in Bamberg abzuarbeiten.

Doch woher soll so viel Geld kommen? Und wie reagiert die Politik auf die Verwaltung des Mangels? "Wir sind am Beginn eines langen Weges", sagt Schulreferent Christian Lange (CSU). Leider wird der nicht leichter angesichts schrumpfender Steuereinnahmen und wachsender Schülerzahlen. Auch Wolfgang Metzner (SPD) sieht die Nöte der Schulen. Doch der Bürgermeister weiß auch: "Die finanziellen Ressourcen fallen nicht vom Himmel." Bamberg brauche dringend Gewerbeflächen. Norbert Tscherner wundert sich nicht über die Bilanz: "Die Schulen werden seit Jahren wie Stiefkinder behandelt."

Auch die Grünen kennen die Sorgen nur zu gut: Andreas Reuß erinnert sich, schon 2006 zurückgewiesen worden zu sein, als er Sparmaßnahmen kritisiert hatte. Seine Kollegin Christiane Laaser belegt den strukturellen Mangel mit einer langen Liste: Seit Jahren seien die Mittelanforderungen aus dem Kultursenat für die Schulen immer wieder zusammengestrichen worden.

So viel steht fest: In der Schulstadt Bamberg ist die Sanierung aller Schulen eine Mammutaufgabe. Was muss zuerst gemacht werden, was hat noch Zeit? Daniela Reinfelder (BuB) und Martin Pöhner (FDP) fragten, ob es Prioritäten gibt. Die Antwort war einfach: Nein, was Vorrang hat, wird von Jahr zu Jahr neu festgelegt.

Kommentar des Autors:

Sparen auf Kosten der Zukunft

Eine Zeitmaschine erübrigt sich in Bamberg.

Wer sich in die Vergangenheit zurückversetzen will, besucht einfach eine Grund- und Mittelschule. Dort hat sich der Muff längst vergangener Tage bis zur letzten Fliesenritze in Reinkultur erhalten - eine Zumutung für die betroffenen Kinder und Pädagogen und eine Dauerbaustelle der Kommunalpolitik.

Allen Anstrengungen zum Trotz lässt sich leider auch im Jahr 2019 nicht erkennen, wie das Problem in absehbarer Zeit gelöst oder überhaupt nur angegangen werden könnte - zu groß ist der über Jahrzehnte aufgelaufene Sanierungsstau und zu klein sind die zur Verfügung stehenden Mittel.

Die Kommunalpolitiker müssen erklären, wie es sein kann, dass unvermeidlicher Bauunterhalt immer wieder verschoben wurde, während gleichzeitig viele Millionen in neue Projekte flossen.

Und noch etwas lässt sich am kläglichen Zustand vieler Schulen ablesen - das Wertesystem hat einen Sprung. Im Land der Dichter und Denker leistet man sich die modernsten Autobahnen.

Doch die Schulen werden mit altem Gerütsch abgespeist.

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