Bamberg
Wanderserie

In höchsten Höhen: Bamberger Alpenverein wächst rasant

Der Deutsche Alpenverein besteht heuer seit 150 Jahren - und die Begeisterung für den Bergsport reißt nicht ab, wie der Blick auf die Bamberger Sektion zeigt. Der Verein hat seine Spuren über die Region hinaus hinterlassen.
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Schwindelerregend: Harry Nikol  klettert e 2006 die 1000 Meter hohe  Steilwand des El Capitan    im Yosemite-Nationalpark in den USA auf der  Route "The Shield"   empor. Nikol gehört auch mit 57 Jahren zu den Spitzen-Bergsteigern in Deutschland und ist ein Aushängeschild des Bamberger Alpenvereins. Foto: Sepp Inhöger
Schwindelerregend: Harry Nikol klettert e 2006 die 1000 Meter hohe Steilwand des El Capitan im Yosemite-Nationalpark in den USA auf der Route "The Shield" empor. Nikol gehört auch mit 57 Jahren zu den Spitzen-Bergsteigern in Deutschland und ist ein Aushängeschild des Bamberger Alpenvereins. Foto: Sepp Inhöger
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Karg wie auf dem Mond wirkt das Massiv der Sella-Gruppe. In mitten des steinigen Gebirges liegt am Fuß des Piz Boè die Boèhütte - sie ist auf über 2870 Metern eine der höchstgelegenen Hütten in den Dolomiten.

Und sie ist auf besondere Weise mit Bamberg verknüpft: Das Gebäude war vor 125 Jahren als erste Hütte der damals jungen Bamberger Sektion des Deutschen Alpenvereins erbaut worden. "Hüttenwirt Lodovico freut sich noch heute, wenn jemand aus Bamberg kommt", erzählt Vorsitzender Klaus Müller. Die Hütte gehört zu den großen Fußabdrücken, die die 1886 gegründete Sektion über die Region hinaus hinterlassen hat. Nach Gründungsmitglied Karl Bindel ist in der Sella-Gruppe auch ein aussichtsreicher Höhenweg benannt.

Vier Hütten hatten die Bamberger zu Beginn des 20. Jahrhunderts in dem damals schwer zugänglichen Gelände der Dolomiten erbaut, unter anderm die ebenfalls heute noch bestehende Pisciadùhütte. So erfüllte die Sektion den Zweck des Alpenvereins, die Erschließung der Alpen. "Die Sella war eine Trutzburg, der Gletscher reichte noch bis zur Hütte", erklärt Müller. Heute sind die Auswirkungen des Klimawandels zu spüren: Das Eis hat sich zurückgezogen. Inzwischen ist das Gebiet auch mit einer Seilbahn erschlossen.

"Natur liegt im Trend"

In den Wirren des Ersten Weltkrieges gingen den Bambergern alle Hütten verloren. Doch auf dem, was gerade mal rund 100 Mitglieder vor über 100 Jahren geschaffen haben, fußt heute noch der inzwischen größte Verein in Oberfranken: Jedes Jahr wächst die Sektion - 2003 waren es erstmals 3500, inzwischen sind es zirka 6500 (!) Mitglieder. "Natur liegt im Trend", hat Müller als Grund für den Boom ausgemacht. Der Verein ist auch als Naturschutzverband anerkannt - so verhinderte er etwa eine Schnellstraße im Kleinziegenfelder Tal.

Immer mehr und immer Jüngere begeistern sich laut Harald Keiling, Ausbildungsreferent und Trainer für B-Hochtouren, für den Verein. Deren Interesse gilt dem Bergwandern und Bergsteigen, Klettern und Bouldern, aber auch Skifahren. Der DAV bietet keinen Spitzen-, sondern Breitensport an. In Konkurrenz zu Bergführern tritt die Sektion demnach nicht, es geht vielmehr um die Ausbildung der Bergsteiger.

Ohne Sauerstoff auf 8000 Metern

Doch haben auch Spitzensportler des Bamberger Alpenvereins ihre Spuren hinterlassen: Wie der Extrem-Bergsteiger Harry Nikol, der bereits in den 80ern mit Peter Tümig aufhorchen ließ und die legendäre Eigernordwand in zwölf Stunden durchstiegen hat. 2006 bezwang der Wiesengiecher zum wiederholten Male den El Capitan im Yosemite-Nationalpark in den USA - eine der steilsten und größten Granitwände überhaupt. In dem 1000 Meter hohen Fels hatte er beim Aufstieg vier Nächte geschlafen. Im Jahr 2013 stürmte der heute 57-Jährige mit einer österreichischen Gruppe auf den Broad Peak, einen der 8000er im Himalaya, ohne Sauerstoff und fremde Hilfe.

Neue Bamberger Hütte

Heute besitzt der Bamberger Alpenverein zwei Hütten: Das Würgauer Haus, eine Selbstversorgerunterkunft für Kletterer und Wanderer bei Würgau, die 1935 eingeweiht wurde. In den 1950er Jahren entstand die neue Bamberger Hütte in den Kitzbüheler Alpen auf 1756 Metern, die beliebt ist bei Wanderern und Skitourengeher - das gilt nach der Sanierung für über eine Million Euro im Jahr 2015 mehr denn je. Der Erhalt der Hütte sei heute einer der wichtigsten Vereinszwecke, sagt Klaus Müller. Darum kümmern sich mehrere Mitglieder aus Hirschaid, die dort auch die Wanderwege in Schuss halten.

Die Spuren der Bamberger Sektion werden so für die Zukunft erhalten.

Auszug aus der frühen Chronik des Bamberger Alpenvereins

1886 Am 12. Oktober 1886 heben 21 bergbegeisterte Herren die Sektion Bamberg in der Messerschmitt'schen Weinwirtschaft aus der Taufe.

Ab 1900 Josef Eckert gelingen einige Erstbesteigungen im Frankendorfer Klettergarten.

1929 oder 1930: Ferdinand Dassler und Alfred Neumeister gelingt die vierte Durchsteigung der Monte-Pelmo-Nordwand in den Dolomiten.

1934 Eine Expedition unter Führung von Adolf Prell erkundet die kaum erschlossene Bergwelt Korsikas. Vier Gipfel werden erstmals erstiegen, darunter ein Turm (2210 m), der Bamberger Spitze getauft wird.

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