Bamberg
Auktion

In einem Bamberger Kloster fiel der Hammer

Die Karmeliten ließen am Samstag antiquarische Objekte aus ihren Klöstern in Bamberg und Straubing versteigern. Viele verfolgten die Veranstaltung.
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Sehr gut besucht war die Auktion am Samstag im Karmelitenkloster. Foto: Barbara Herbst
Sehr gut besucht war die Auktion am Samstag im Karmelitenkloster. Foto: Barbara Herbst
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Dann geht es Zug um Zug! Nur Sekunden trennen die jeweiligen Gebote für die Skulptur "Trauben-Madonna" aus dem Straubinger Karmelitenkloster. Mindestens 400 Euro soll zunächst diese lieblich blickende, bekrönte Maria mit dem nackten Jesusknaben in ihrem linken Arm einbringen. Ein anwesender Mann und ein Bieter am Telefon übertreffen sich erst in 100-Euro-Schritten, dann um jeweils 200 Euro. Am Ende bekommt der Telefonbieter mit der Nummer 326 den Zuschlag - für 6500 Euro, das insgesamt höchste Gebot des Tages.

"Das war relativ unerwartet", bekundete denn auch Auktionator Heinz-Dietmar Richter sichtlich verblüfft über diese hohe Summe, die für die wohl um 1900 gearbeitete Kopie nach einer Straubinger Madonnenstatue des 15. Jahrhunderts hingeblättert wurde.

Zifferblatt einer Kirchturmuhr

Wer sich hinter der Bieternummer 326 verbarg, ist nicht öffentlich bekannt. Überhaupt überwogen telefonisch abgegebene Gebote bei dieser außergewöhnlichen Auktion am Samstag im Kreuzgang des Bamberger Karmelitenklosters. Aufgerufen waren 220 Lose, die alle ehemals in den Refugien klösterlicher Gemäuer beheimatet waren. Zum Teil aus den Wohnbereichen der Patres und Fratres, teils aus den Gemeinschaftszimmern und den an die Kirchen angrenzenden Räume der Klöster in Bamberg und Straubing: Heiligen- und Engelskulpturen, Kruzifixe in allen nur denkbaren Variationen, Gemälde mit religiösen Motiven, Grafiken, Mobiliar und originelle Raritäten wie zum Beispiel das Zifferblatt einer Kirchturmuhr mit einem Durchmesser von 1, 80 Metern. Auch dieses Straubinger Objekt fand für 320 Euro einen Liebhaber.

Für das renommierte Bamberger Auktionshaus "Richter & Kafitz" war es in der 20-jährigen Firmengeschichte das erste Mal, dass es Klosterinventar unter den Hammer bringen musste. Die beiden promovierten Kunsthistoriker - Heinz-Dietmar Richter und seine Frau Viviane Kafitz - erledigten diese Aufgabe hochprofessionell und unaufgeregt. Bereits vier Wochen vor dem offiziellen Auktionstermin war der entsprechende Katalog online einsehbar: "Wir bekamen schriftliche und telefonische Gebote aus ganz Deutschland und den USA", berichtet Viviane Kafitz.

Auch die Vorbesichtigungen der Objekte aus dem 16. bis zum 20. Jahrhundert sei auf großes Interesse gestoßen - trotz des "sehr speziellen Angebots", wie Richter zu den sakralen Gegenständen erklärte. Kafitz ergänzte, dass bei der auf dem einschlägigen Markt herrschenden Vielfalt an Antiquitäten das Limit der Klosterobjekte "reizvoll angesetzt ist". Tatsächlich bewegte sich die Preisspanne von zehn Euro für das am günstigsten zu ersteigernde Objekt bis zu 1500 Euro für das teuerste.

Im höheren fünfstelligen Bereich

Für nahezu alle 220 Stücke - davon 80 Bamberger - fiel der Hammer. Keinen neuen Besitzer fand etwa der Heilige Aloisius in Öl auf Leinwand (18./19. Jahrhundert) oder ein gut zwei Meter hohes Wand-Kruzifix (Mitte 20. Jahrhundert) aus dem Straubinger Kloster. Manche Objekte brachten nicht mehr ein als per Limit festgelegt. Doch für die meisten klingelte die Kasse, sodass am Ende eine höhere fünfstellige Summe herausgekommen sein dürfte. Der Erlös soll ab Dienstag auf der Homepage des Auktionshauses veröffentlicht werden.

Genau das rein Pekuniäre hatte den einen oder anderen Neugierigen in den Kreuzgang geführt. "Ich will nichts kaufen, mich interessieren nur die Erlöse", bekannte ein älterer Herr unverblümt. Etliche andere nahmen in den hinteren Stuhlreihen als bloße Zuschauer Platz, während in den vorderen die potentiellen Käufer mit ihren Bieternummern saßen.

Objekte bleiben in Bamberg

So auch Ludmila Kvapilová, Mitarbeiterin des Bamberger Diözesanmuseums. "Wenn ein Kloster in Bamberg aufgelöst wird, müssen wir dabei sein", betonte sie. Und erwies sich mit weit über zehn ersteigerten Objekten der heimischen Karmeliten als erfolgreichste Bieterin mit der Nummer 113. Für das Ölgemälde "Apostel-Abschied" (um 1630) bot Kvapilová sogar als einzige 1200 Euro, wie das Limit lautete.

Ihr Straubinger Kollege, der stellvertretende Leiter des Gäubodenmuseums, Stefan Maier, hatte schon im Vorfeld erklärt, dass er "Objekte ersteigern will, die unmittelbar mit der Stadtgeschichte verbunden sind, von Bürgern gestiftet wurden und für uns einen ideellen Wert haben." Also zum Beispiel Bilder, die mit der barocken Klosterkirche verbunden seien, oder eine Figur vom Chorgestühl. "Die angebotenen Möbel sind zwar sehr hübsch, interessieren uns aber nicht", sagte Maier.

Dem Museumsmitarbeiter Maier ist durchaus bewusst, welche Wogen die Causa Karmeliten-Kloster in Straubing geschlagen hat. Bekanntlich hat die Deutsche Ordensprovinz der Karmeliten mit Sitz in Bamberg den Klosterkomplex und die Kirche an den Freistaat Bayern veräußert - nachdem erst 2018 die 650-jährige Präsenz der Karmeliten in Straubing gefeiert wurde.

Karmeliten brauchen Geld

Die Bamberger Patres und Fratres bleiben wohl im Weltkulturerbe, aber in einem deutlich verkleinerten Klosterneubau. Auch dafür brauchen die Karmeliten Geld. Zumal die in ihrem Besitz befindliche Klosterkirche St. Theodor dringend saniert werden muss. Ein Millionenprojekt, wie die Ordensmänner wissen.

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