Walsdorf
Gottesdiensttest

In der Walsdorfer St. Laurentiuskirche geht das Gemeindeleben nach der Kirche weiter

In der evangelischen Laurentius-Kirche in Walsdorf wird den Besuchern so einiges geboten - hervorragende Predigten und Begegnung im Anschluss.
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Die Kirche St. Laurentius in Walsdorf war ursprünglich katholisch.Foto: Barbare HerbstBarbara Herbst
Die Kirche St. Laurentius in Walsdorf war ursprünglich katholisch.Foto: Barbare HerbstBarbara Herbst

Das Urteil unseres Testers:

Die evangelische Kirchengemeinde ist alters- und zahlenmäßig im Gottesdienst gut vertreten. Alle Generationen sind in erstaunlicher Zahl vertreten, gerade in kleinen evangelischen Kirchengemeinden nicht unbedingt die Regel. Aus diesem Gottesdienst nehmen die Besucher ganz praktische Handlungsanleitung fürs Beten im Alltag mit. Daneben erreicht Pfarrer Rauh die Seinen auch nach dem Gottesdienst. Lebendiges Gemeindeleben.

Die Bewertungen im Einzelnen:

1. Einstieg:

Herzlich begrüßt Pfarrer Ulrich Rauh seine Gemeinde zum Gottesdienst am Sonntag Rogate. Das stellt den Nicht-Lateiner vor Fragen. Doch noch vor möglichem Kopfzerbrechen, klärt Rauh auf, es geht um das Beten. Damit kann eigentlich jeder etwas anfangen. Dazu passt dann der Hinweis, dass gleich die Vertonung des zentralen Gebets der Christenheit schlechthin in der Version Martin Luthers erklingen wird: "Vater unser". Bewertung Ein echt evangelischer Auftakt.

2. Musik:

Einfühlsam und facettenreich weiß der Organist die Königin der Instrumente zu bedienen.

Bewertung Eine Bereicherung für den Gottesdienst und ein Hörgenuss obendrein.

3. Lesungen:

Die Lesungen dieses Festtages glänzen und werden vom Lektor gekonnt vorgetragen. In angemessener Lautstärke, mit guter Betonung und Pausen, die Zeit geben, dass Worte sich setzen und wirken. Bewertung Gut gestaltet und einprägsam vorgetragen.

4. Predigt:

"Rogate!"- "Betet, Bittet", so Rauh gestenreich von seiner Kanzel. Es gelingt ihm eine griffige Übersetzung: "Beten ist das Gespräch mit Gott." Möglich immer und überall. Die Gemeinde lauscht gebannt. Während Rauh sie seinerseits in den Blick nimmt. Die Vorlage fürs Beten schlechthin, von Jesus verfasst: Das Vaterunser. Erneut der Brückenschlag. Und fürs Individuelle? Psalmen als Lehrmeister - mit allem Loben, Danken, Klagen. Bewertung Alles schlüssig und griffig gesagt und erklärt.

5. Kommunion/Abendmahl:

An diesem Sonntag fand in Walsdorf kein Abendmahl statt, dafür gab es im Anschluss eine Taufe und erstmals ein Kirchencafé. Letzteres könnte sich nach den Worten Rauhs gerne zu einer neuen Tradition entwickeln. Freilich hängt das von der Akzeptanz ab.

Bewertung Auch jenseits des Abendmahls wird versucht, Gemeinschaft zu schaffen.

6. Segen:

Am Ende des Gottesdienstes wandelt der Pfarrer die Segensformel ein wenig ab: Statt Gott segne und behüte Euch, die Zusicherung, Gott segnet und behütet Euch" Ein verheißungsvoller Abschied, der durch eine ganz persönliche Bemerkung an der Kirchentüre eine weltliche Note erhält. Bewertung Eine Variante, die passt und durch das Persönliche eine Abrundung erfährt.

7. Ambiente:

St. Laurentius ist ein kleines Gotteshaus, das seine katholische Vergangenheit nicht leugnen kann, alleine schon wegen des Altars. Dazu hat sich dann evangelische Nüchternheit gesellt, was eine reizvolle Symbiose eingegangen ist.

Bewertung Ein kleines, unverwechselbares Gotteshaus, das Geschichte atmet.

8. Kirchenbänke:

In schaudernder Erinnerung an den "Komfort", den alte katholische Kirchen bieten, sieht sich der Besucher hier angenehm überrascht: Keine Gebetsabuchablagen der Hinterbank, die sich in den Rücken drücken. Dafür breite Sitzflächen mit bequemen Polstern, genügend Freiraum für die Beine und eine Fußbank, die bequemes Sitzen zulässt. Hier lässt es sich gut auf das Wort Gottes konzentrieren. Bewertung Hier lassen sich auch längere Messen "aussitzen"

9. Beleuchtung:

In St. Laurentius ist es weder zu hell, noch düster. Für eine ausgewogene, angenehme Lichtsituation sorgen der Lüster im Kirchenschiff sowie die laternenartigen Lampen an den Seitenwänden. Beide Quellen sind gut aufeinander abgestimmt. Dazu gesellt sich natürliches Licht, das durch die hohen Seitenfenster eindringt und den Blick auf sattes Frühlingsgrün frei gibt. Ein wenig düster wirkt lediglich die Seitenempore. Bewertung Es passt, Kirchenbesucher dürften sich wohlfühlen.

10. Sinne:

In einem evangelischen Gotteshaus geht es nicht darum, Sinne anzusprechen, sondern dem Geist eine Botschaft zu vermitteln. Dennoch schweift ab und zu das Auge ab, wofür allein schon der üppige Altar und verschiedene Wandtafeln sorgen. Relikte der katholischen Vergangenheit, aber als kurzweiliger Prediger holt Rauh die Seinen schnell zurück. Bewertung Dem Protestanten wird mehr als üblich geboten.

Warum ein Gottesdiensttest?

Wir wollen mit unserem Gottesdienst-Test die Kirchen ein wenig mehr ins Blickfeld der Öffentlichkeit rücken. Unter Kirchgängern, Geistlichen und Lesern soll eine Diskussion darüber entstehen, was einen guten Gottesdienst ausmacht. Dieses in der Regel sonntägliche Treffen hat für evangelische wie katholische Christen ja bis heute eine große Bedeutung. Soll lebender Ausdruck des Christseins sein. Wir haben uns für eine Bewertung nach objektiven Kriterien theologische Hilfe geholt bei den Professoren Martin Stuflesser (Würzburg), er ist auch Berater der deutschen Bischofskonferenz, und Martin Nicol (Erlangen), der mit seinem Buch "Weg im Geheimnis" ein Plädoyer für den evangelischen Gottesdienst abgibt. Ergänzt werden objektive Kriterien um die subjektiven Eindrücke, die unsere Kollegen gewonnen haben.

Alle Berichte unserer Serie finden Sie auf unserer Übersichtsseite zum Gottesdiensttest. Dort finden Sie auch ausführliche Infos.

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