Scheßlitz
Wirtschaften

In China fließt Straßgiecher Bier

In fünf chinesischen Millionenmetropolen schenken "original 1308 Brauhauses from Straßgiech, Bavaria" Drei-Kronen-Bier aus. Geschäftsführer Hans Gerner hat aus einer Not eine Tugend gemacht - und plant, zu expandieren.
Artikel drucken Artikel einbetten
Weibliche Bedienungen tragen in den "Drei-Kronen-Brauhauses" in China Dirndl, ihre männlichen Kollegen Lederhose. Frankonia ist den Asiaten kein Begriff, Bavaria sehr wohl. Das Bier im Maß ist süßer als das fränkische Original, aber von deutschen Brauern in China nach dem Reinheitsgebot und anhand des Originalrezepts eingebraut.  Fotos: Drei Kronen 1308, Schanz
Weibliche Bedienungen tragen in den "Drei-Kronen-Brauhauses" in China Dirndl, ihre männlichen Kollegen Lederhose. Frankonia ist den Asiaten kein Begriff, Bavaria sehr wohl. Das Bier im Maß ist süßer als das fränkische Original, aber von deutschen Brauern in China nach dem Reinheitsgebot und anhand des Originalrezepts eingebraut. Fotos: Drei Kronen 1308, Schanz
+10 Bilder

Es ist eine Ironie der globalisierten Welt: Das Straßgiecher Drei-Kronen-Bier aus einer der ältesten Brauereien der Erde wird heute nur noch im 8000 Kilometer entfernten China gebraut und ausgeschenkt. Im 550-Seelen-Dorf bei Scheßlitz verstaubt der alte Gärbottich - frisches Helles, Dunkles und Weizen strömen stattdessen in einem opulenten "Drei-Kronen-1308-Brauhaus" in der 21,5-Millionen-Metropole Peking aus dem Zapfhahn. Größer könnten die Gegensätze kaum sein.

"Ich finde es witzig, dass eine so kleine Klitsche aus Straßgiech, die momentan leider keine eigene Brauerei hat, im Ausland so aktiv ist", bringt es Hans Gerner auf den Punkt. Wenn der 59-Jährige in Straßgiech am Maischbottich vorbeiführt, an dem er seinem Vater Georg als Kind geholfen hat, kann er sich noch genau erinnern, wo das Kondenswasser im Winter dicke Eiskrusten um die Brauutensilien gebildet hat.

Geschichte bis 1308

"Bis 1989 haben wir hier selbst gebraut", sagt Hans Gerner, heute selbst Braumeister. Weil Geld für die in die Jahre gekommenen Apparaturen fehlte, ruht seither die Brauerei mit der beeindruckenden Geschichte. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1308. Es gibt unbestätigte Hinweise, dass Gerners Ahnen sogar noch früher für die Herren auf der Giechburg gebraut haben. Doch auch die Jahreszahl 1308 weist Drei Kronen Straßgiech laut Gerner als eine der zehn ältesten Brauereien der Welt aus.

Das weckt Begehrlichkeiten. "Irgendwann standen drei Herren aus Südafrika vor der Tür, die wollten alles kaufen", erinnert er sich an seine Jugend. Die Investoren seien auf der Suche nach einer Marke gewesen, die richtig alt ist. Und 1308 ist richtig alt. Vater Georg Gerner lehnte ab - ließ sich jedoch die internationalen Vermarktungsrechte an dem Namen "Drei Kronen 1308" versilbern. Das war 1969.

Drei Jahre später flossen quer über den Globus die Drei-Kronen-Biere in großen Mengen. Die Kapstadter Firma Rupert International setzte in Südafrika und Kanada über eine Million Hektoliter um. Lizenzgebühren fielen vom internationalen Erfolg jedoch nicht für die Straßgiecher Ursprungsbrauerei ab - die Namensrechte hatte sie für einen Fixbetrag abgegeben.

Werbung auf Formel-2-Autos

Während der Name Kronenbräu in Übersee auf Werbeplakaten mit hübschen Blondinen auf Bierkutschen und sogar auf Formel-2-Rennwagen prangte, sanierten die Gerners in Straßgiech mühsam das Anwesen. Für neue Brauanlagen habe das Geld aber nicht gereicht, sagt Gerner.

Mitte der 1980er - Seniorchef Georg Gerner war 1974 gestorben - verkauften die südafrikanischen Partner ihre Biersparte. Die Markenrechte an Drei Kronen wanderten in neue Hände - 1995 griff Hans Gerner zu und kaufte die Lizenzen zurück.

"Dann stand ich da mit den internationalen Markenrechten, ohne Brauerei", erzählt er. Nach einem Intermezzo mit einem Bier-Konsortium in Malaysia führte Gerners Weg nach China. Zunächst erneut in Lizenzproduktion, 2008 eröffnete das erste Drei-Kronen-1308-Brauhaus in Peking. Schicke Architektur, rustikale Holzoptik, gläserne Brauapparaturen, gemütliche Biergarten-Lounges, viel bayerische Klischee-Folklore: Das Konzept kommt an. Mittlerweile sind fünf solche Lokale in Betrieb. Das Restaurant führt jeweils ein chinesischer Investor, die Brauerei vor Ort leitet Drei Kronen immer selbst.

Die Bewertungen im Internet sind ambivalent. Eine deutsche Touristin reagiert geradezu geschockt auf die "hässlichen Dirndl" und die Qualität der Band und des Essens. Andere Gäste loben das Lokal über den grünen Klee - besonders das Bier.

Süß müssen die Biere sein

Das Rezept dafür gibt Gerner nicht in fremde Hände. "Nach Konfuzius heißt es: ,Es ehrt den Meister, wenn er kopiert wird'. So ist es also völlig legitim - nach Ansicht der Chinesen - eine Marke zu kopieren", zitiert Gerner. Sein Unternehmen beschäftigt daher einen festen Lizenzanwalt, der illegale 1308-Verwendungen anzeigt. Die Brauer stammen allesamt aus Deutschland, brauen vor Ort nach dem Straßgiecher Rezept - abgeändert für die asiatischen Gaumen: "Die Chinesen trinken gerne süße Biere, fränkische Originale sind ihnen zu bitter."

Nicht die einzige Anpassung. Wer in China Geschäfte machen wolle, müsse viel Geduld und Nachsicht mitbringen, sagt Gerner, dessen Unternehmen insgesamt rund 15 Mitarbeiter fest beschäftigt - mit Servicekräften in den Partner-Restaurants sind fast 400 Stellen geschaffen worden, so der Chef.

Sein neuestes Projekt steht in den Startlöchern: Drei Kronen aus Straßgiech, Bavaria, will in Jiangxi, China, ins Flaschenbier-Geschäft einsteigen.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren