Bamberg
Verkehr

In Bamberg ist alles in Bewegung

Die Mobilitätsmesse am Bamberger Maxplatz zeigte spannende Alternativen für Auto und Co. auf.
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Vom Lastenfahrrad bis zum Bobbycar war am Maxplatz alles vertreten. Alle Fotos: Julian Megerle
Vom Lastenfahrrad bis zum Bobbycar war am Maxplatz alles vertreten. Alle Fotos: Julian Megerle
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Was lange währt, wird endlich abgeschlossen: Die Fahrradstadt Bamberg hat nun ein Logo. "Mir gefällt das Logo sehr gut, weil es die Verzahnung mit dem Landkreis hervorhebt", beschreibt Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) den Siegerentwurf. Sandrina Freudensprung aus Scheßlitz hat ihn gezeichnet: "Das Rot steht für die Farbe der Radwege, während die geschwungene Linie das hügelige Bamberg symbolisiert", erklärt die Neuntklässlerin.

Und außerdem bewege sich das Fahrrad auf die Weltkulturerbestadt zu. Es geht also vorwärts an diesem Tag. 1500 Euro gewinnt die Realschülerin Sandrina für das Logo. Was sie damit anstellt? "Ich hatte mir tatsächlich überlegt, ein Fahrrad zu kaufen." An diesem Tag wird sie garantiert fündig: Denn auf dem Maxplatz ist die Mobilitätsmesse mit dazugehöriger Fahrradmesse.

Eine Handvoll Hersteller verkauft Räder mit und "ohne Stecker". Edmund Görtler schaut sich um und lässt sich die Neuheiten der Pedelecs erklären. Der Rentner fährt seit zehn Jahren ein Rad mit Elektromotor. Von den neuen E-Scootern hält er nichts: "Mit den kleinen Rädern ist das viel zu gefährlich. Ich fahre lieber mit dem Rad", meint der Bamberger.

Auch die Polizeiinspektion Bamberg-Stadt hat die neuen Gefährte auf dem Schirm: "E-Scooter dürfen nur dort gefahren werden, wo sie zugelassen sind", erklärt Ines Schellmann, Sachbereichsleiterin Verkehrssicherheit. Entgegen der Einbahnstraße zu fahren, wie es in manchen Fällen Fahrräder dürfen, ist nur mit einem Zusatzschild erlaubt. "In der Fußgängerzone ist das Fahren der E-Scooter verboten", stellt Schellmann klar. Zudem appelliert sie, nur zulassungsfähige Roller zu fahren und diese nicht mitten auf Gehwegen und Co. abzustellen. Bisher seien aber kaum E-Scooter in Bamberg gesichtet worden.

Busverkehr, Carsharing, Bahnausbau, städtische Förderung von Lastenrädern. "Der Mobilitätstag ist wie maßgeschneidert auf die aktuelle Verkehrsdiskussion", findet Oberbürgermeister Starke. Und er freut sich, dass die neue Stadtbuslinie nach Pettstadt kommt. "Das ist ein echtes Qualitätskriterium für Gemeinden", beschreibt Moritz Krause von den Stadtwerken Bamberg die Einführung des Stundentaktes. Auch in Oberhaid und Litzendorf gibt es Gespräche in diese Richtung. Und das ist noch nicht alles in Sachen öffentlicher Nahverkehr: Anfang Oktober will der Aufsichtsrat der Stadtwerke diskutieren, inwieweit man Angebote über das zurzeit heiß diskutierte 365-Euro-Ticket hinaus anbieten könne. "Verkehrspolitik ist eine gemeinsame Aufgabe, bei welcher es um Erreichbarkeit und Nachhaltigkeit geht, und nicht um Konfrontation", betont Starke.

Aktion in der Friedrichstraße

Beim Stichwort Mobilität ist das Radentscheid-Team natürlich nicht weit. Kurz vor Beginn der Mobilitätsmesse haben die Aktivisten mit einer Fotoaktion in der extra gesperrten Friedrichstraße nachgestellt, wie viel Platz für 50 Menschen zu Fuß, auf dem Radl, im Bus oder im Auto gebraucht wird. In der Autovariante reichte die Menschenkette fast bis zum Kreisverkehr am Wilhelmsplatz.

"Wir haben bis jetzt wenige Rückmeldungen von Autofahrern erhalten, dass der Verkehrsversuch in der Friedrichstraße schlecht umgesetzt ist", schildert die Fahrradbeauftragte Dagmar Spangenberg. Am Maxplatz können die Bürger grüne und rote Punkte für die laufenden Verkehrsversuche am Markusplatz und der Friedrichstraße verteilen. Auf bunten Zetteln wird der breite Radstreifen gelobt, aber das Linksabbiegen bleibe schwierig. Ein anderer Kommentar fordert, dass der komplette Verkehr auf einer gemeinsamen Spur läuft. Auf einem Zettel steht: "Der Verkehr ist ein Chaos!"

Claus Reinhard zeigt auf den ersten Entwurf für die Fahrradschnellverbindungen in den Landkreis.

Einen Zeitplan für die Umsetzung kann der Pressesprecher des Baureferats noch nicht festlegen. Gespräche mit den Umlandgemeinden müssen erstmal geführt werden.

Anders ist das beim Verkehrsentwicklungsplan 2035: "Wir sind noch dabei, mit Behörden und Sozialverbänden zu sprechen, um ihre Ideen zu hören", erklärt Reinhardt. Die Bürger können sich noch bis Ende Oktober einbringen. Anfang 2020 ist die letzte Anhörung. Über das komplett geschnürte Maßnahmenpaket darf dann der frisch gewählte Stadtrat im Sommer nächsten Jahres entscheiden. Und da jetzt das Logo steht, erklärt Reinhardt: "Wir haben den Anspruch, die Imagekampagne für die Fahrradstadt noch in diesem Jahr zu starten." Ein Unterfangen, dass umgesetzt werden soll, ohne Gegensätze zwischen den Verkehrsteilnehmern aufzubauen.

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