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Bamberg
Interview

Impulse für einen Weg aus der Krise

Der "synodale Weg" ist in der katholischen Kirche Deutschlands angekommen. Für das Erzbistum Bamberg ist Pastoralreferent Wolfgang Eichler Ansprechpartner.
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Nach der Veröffentlichung der MHG-Studie "Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz" und den damit verbundenen Erschütterungen ist deutlich geworden: Die Kirche in Deutschland braucht einen Weg der Umkehr und Erneuerung. Aus diesem Anlass haben die deutschen Bischöfe im März 2019 einen "Synodalen Weg" beschlossen, der der gemeinsamen Suche nach Antworten auf die gegenwärtige Situation dienen soll und nach Schritten zur Stärkung des christlichen Zeugnisses fragt.

Der Synodale Weg wird von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) getragen. Beginn des auf zwei Jahre angelegten Prozesses war am ersten Advent (1. Dezember) 2019. Die erste von vier großen Synodalversammlungen mit rund 240 Mitgliedern hat bereits Ende Januar 2020 in Frankfurt stattgefunden. Die thematische Arbeit der Versammlungen dreht sich um vier Bereiche: Macht und Gewaltenteilung in der Kirche-gemeinsame Teilnahme und Teilhabe am Sendungsauftrag, Leben in gelingenden Beziehungen - Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft, priesterliche Existenz heute und Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche.

Auch im Erzbistum Bamberg ist es für Interessierte möglich, diesen synodalen Weg mitzugehen. Dafür gibt es jetzt einen eigenen Ansprechpartner: Wolfgang Eichler (50 Jahre) ist Pastoralreferent und arbeitet als Diözesanreferent für Ehe und Familie im Erzbischöflichen Ordinariat Bamberg. Für die Dauer des Synodalen Wegs wurde er zusätzlich als Diözesaner Ansprechpartner benannt. Wir sprachen mit ihm: Herr Eichler, Sie sind jetzt zum diözesanen Ansprechpartner für den Synodalen Weg ernannt worden. Was kann man sich darunter vorstellen? Wolfgang Eichler: Der diözesane Ansprechpartner ist nur eine von vielen Funktionen im Zusammenhang mit dem Synodalen Weg. Hauptakteure sind zuallererst die Mitglieder der Synodalversammlung, die in die inhaltliche Arbeit eingebunden sind. Darüber hinaus wurden für jedes Bistum diözesane Ansprechpartner benannt. Sie fungieren als Bindeglieder zwischen dem Büro des Synodalen Weges in Bonn und dem jeweiligen Bistum. Und sie helfen mit, Anliegen und Intention des Synodalen Weges in den Bistümern zu verankern. Was sehen Sie persönlich als besonders wichtig an, um diese Aufgabe zu erfüllen? Zuallererst ist es notwendig, inhaltlich weitestgehend neutral zu sein. Eine meiner Aufgaben ist es ja, unterschiedliche Positionen miteinander ins Gespräch zu bringen; und da ist inhaltliche Einmischung nicht förderlich. Hilfreich sind weiterhin eine gewisse Bescheidenheit sowie Aufmerksamkeit und Respekt vor der Meinung anderer. Schließlich geht es nicht darum, selber Sprachrohr zu sein, sondern darum, die Stimmen vieler anderer ernst zu nehmen und sich von ihnen überraschen zu lassen. Unverzichtbar ist auch die Bereitschaft zur Netzwerkarbeit. Bereits jetzt arbeiten Domkapitular Peter Wünsche (Leiter der Hauptabteilung Seelsorge), Johannes Löhlein (Geschäftsführer des Diözesanrates) und ich mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung sehr konstruktiv zusammen. Und wir hoffen natürlich, dass noch viele andere dazukommen werden. Was ist überhaupt ein Synodaler Weg? Eine Synode light oder doch eher ein Forum mit Verbindlichkeit? Dieser Punkt wird ja bekanntlich von Beginn an mit viel Leidenschaft diskutiert: Während die einen bedauern, die Ergebnisse hätten nur Empfehlungscharakter, sehen andere das Leitungsamt der Bischöfe oder die Kirche selbst gefährdet. Klar ist: Der Synodale Weg ist keine Synode und kein kirchenrechtlich definiertes Format. Er ist ein Prozess, der außerhalb bislang bekannter Strukturen stattfindet. Das kann man als Nachteil sehen, muss man aber nicht. Denn in dessen Ausgestaltung liegen durchaus Chancen. Was meinen Sie damit? Zunächst einmal ist man in Themensetzung und Verfahrensweisen freier als bei einer Synode. Das ist für mich allerdings gar nicht der ausschlaggebende Punkt. Entscheidend wird aus meiner Sicht sein, wie sich das "Synodale" am Synodalen Weg eigentlich zeigt. Synodal steht für mich beispielsweise für eine Haltung, die nicht schon vorneherein genau weiß, was am Ende herauskommen wird. Steht für eine Haltung, die mehr erhofft als die eingeführten stabilen Alternativen. Steht für eine Haltung, die mit etwas rechnet, was im Moment noch gar nicht am Horizont auftaucht. Und dann reden wir vielleicht nicht mehr abstrakt über Mehrheiten, sondern wir reden über Vertrauen, Zuversicht und eine neue Art, gegensätzliche Positionen zu verstehen und zu verhandeln. Und wir haben am Ende vielleicht Vereinbarungen nicht aufgrund von Satzung, sondern auf Grundlage von Selbstverpflichtung. Ich glaube, das ist alles andere als "light". Fungieren Sie nun als eine Art Kummerkasten für frustrierte Noch-Kirchgänger und als Prellbock für Leute, die der katholischen Kirche ohnehin keine Zukunftschancen mehr einräumen? Beim Synodalen Weg ist jede und jeder herzlich willkommen. Doch am Ende sollte immer der Wille zu einer konstruktiven Idee stehen. Sonst kommen wir keinen Schritt weiter. Was können Sie realistischer Weise überhaupt tun, um einen gemeinsamen Synodalen Weg im Erzbistum Bamberg zu ermöglichen? Es lohnt sich in der Tat, einmal zu fragen, was denn die Bedingungen dafür sein können, dass sich ein synodales Miteinander einstellen kann. Und da denke ich zunächst gar nicht an die Anliegen, die man an die Bischöfe, den Papst oder ein Konzil adressiert. Ich würde mich freuen, wenn in Pfarreien, Verbänden und Einrichtungen einmal selbstkritisch geschaut werden würde, wie gehen wir eigentlich miteinander um? Wo sind wir bereits in synodalem Geist gut unterwegs und was können wir aus diesen gelungenen Beispielen voneinander lernen? Hier wird der Synodale Weg ganz konkret. Und auch dazu möchte ich meinen Beitrag leisten. Was heißt das dann für die vier Themen des Synodalen Weges? Wie können diese auf die Diözesanebene heruntergebrochen werden? Die überdiözesane und weltkirchliche Bedeutung der vier großen Themenbereiche ist ja unbestritten. Darüber hinaus sehe ich enorme Chancen darin, diese Themen auch auf die eigene Umgebung, auf die Pfarrei oder den Verband, zu beziehen. Zum Beispiel: Wie gestalten wir Beteiligung konkret bei uns? Wie gehen wir mit Andersdenkenden um? Oder: Was macht das mit mir als Gemeindemitglied, wenn "mein" Pfarrer zunehmend ausgelaugt und gehetzt wirkt? Mit welchen Erwartungen und Idealisierungen konfrontieren wir ihn? Oder: Wie zeigt sich bei uns die bedingungslose und unteilbare Liebe Gottes zu jedem Menschen? Welche Möglichkeiten haben wir, Alltagsdiskriminierungen zu entlarven? - Das mag jetzt mitunter sehr bescheiden klingen; ist es aber nicht. Hat aber dennoch jeder und jede Interessierte die Chance, sich an Sie zu wenden, um beispielsweise Eingaben an die offiziellen Bamberger Delegierten der Synodalversammlungen zu machen? Klar! Wer mag, kann sich gerne an mich, an den Geschäftsführer des Diözesanrates oder auch direkt an eine/n der offiziellen Bamberger Delegierten wenden. Die Kontaktdaten sind einer Website zu entnehmen, die das Bistum zum Synodalen Weg eingerichtet hat. Ich würde aber nicht von "Eingaben" sprechen, da dies schon wieder sehr formalen Charakter hat. Was erhoffen Sie sich persönlich vom Synodalen Weg? Als diözesaner Ansprechpartner freue ich mich zunächst auf die Begegnungen mit allen, die den Synodalen Weg mittragen. Weiterhin glaube ich, dass sich der Synodale Weg insbesondere auch daran entscheiden wird, was an synodaler Kultur sich auf diesem Weg zeigt: Beispielsweise auf allen Ebenen die ehrliche Bereitschaft, einander verstehen zu wollen und gemeinsam nach Wegen zwischen den unterschiedlichen Positionen zu suchen. Das Gespräch führte Marion Krüger-Hundrup. Kontakt und Infos Der diözesane Ansprechpartner ist unter folgender E-Mail-Adresse erreichbar: wolfgang.eichler@erzbistum-bamberg.de; www.synodalerweg Auf der Homepage des Erzbistums Bamberg gibt es weitere Infors zum synodalen Weg: www.erzbistum-bamberg.de. Die Mitglieder Mitglieder der Synodalversammlung aus dem Erzbistum Bamberg

Für das Erzbistum Bamberg: Erzbischof Ludwig Schick, Weihbischof Herwig Gössl, Klaus Koschinsky, Vertreter des Diözesanrates der Katholiken im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), Dekan Christoph Uttenreuther (Vertreter des Priesterrates im Erzbistum Bamberg)

Für die Deutsche Ordenskonferenz: Sr. Franziska Dieterle OFM, Nürnberg

Für die Deutsche Bischofskonferenz: Prof. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, Erlangen

Für das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken (ZdK): Nora Gomringer, Bamberg

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