Bamberg
Radunfälle

Immer mehr Unfälle mit Fahrradfahrern - Deshalb sind die Zahlen so gestiegen

Seit Statistik-Beginn im Jahr 1975 hat sich die Zahl der Verunglückten verdoppelt. Bei älteren Verkehrsteilnehmern sind die Verletzungen besonders schwer .
Artikel drucken Artikel einbetten
Trotz Unfallrisikos erfreuen sich Fahrräder mit Hilfsmotor gerade bei älteren Verkehrsteilnehmern zunehmender Beliebtheit. Foto: Thinkstock
Trotz Unfallrisikos erfreuen sich Fahrräder mit Hilfsmotor gerade bei älteren Verkehrsteilnehmern zunehmender Beliebtheit. Foto: Thinkstock

Noch nie sind in Bayern so viele Fahrradfahrer bei einem Verkehrsunfall verunglückt, wie im Jahr 2016. Dies zeigt eine kürzlich vom Landesamt für Statistik veröffentlichte Auswertung der Unfallzahlen in Bayern. Vor allem ältere Fahrradfahrer verletzen sich bei diesen Unfällen besonders schwer. Ein Trend, den Verkehrsexperten nicht zuletzt auf die wachsende Nutzung von sogenannten Pedelecs mit E-Motor als Trethilfe in dieser Altersgruppe zurückführen.
 


Wie viele Radunfälle gab es?

Konkret gab es 2016 in Bayern exakt 15 888 von der Polizei registrierte Radunfälle. Dabei wurden 14 755 Radfahrer verletzt, 2970 davon schwer, 68 kamen zu Tode. Die Zahl der verunglückten Radfahrer hat sich damit seit Beginn der Statistik im Jahr 1975 nahezu verdoppelt. Allein in den vergangenen 15 Jahren war ein Anstieg der Fahrradunfälle um rund zwanzig Prozent festzustellen. An gut 15 Prozent aller Verkehrsunfälle mit Verletzten sind damit Radfahrer beteiligt.

Der Zuwachs der verunglückten Radfahrer steht im Kontrast zur allgemeinen Unfallentwicklung: Zwar stieg vor dem Hintergrund eines wachsenden Individualverkehrs die Zahl der Straßenverkehrsunfälle seit 2007 um stolze 14,7 Prozent. Ursächlich für diesen Anstieg waren laut Statistik aber allein Unfälle mit Sachschäden. Verkehrsunfälle mit Personenschaden sanken dagegen in diesem Zeitraum insgesamt um immerhin drei Prozent.
 


Vor allem Unfälle mit älteren Fahrradfahrern steigen

Einen Grund für das erhöhte Verletzungsrisiko für Fahrradfahrer sehen die Verkehrsexperten in der wachsenden Attraktivität des Radfahrens für "fortgeschritten Jahrgänge": Waren 2008 noch gut zwanzig Prozent der verunglückten Radfahrer über 75 Jahre alt, waren es 2016 bereits 24,2 Prozent. "Ein Grund für diese Entwicklung könnte in einer gestiegenen Nutzung von Pedelecs liegen", glauben die Statistiker.

Zumal der Anteil derjenigen, die sich bei einem Radunfall schwerer verletzen, mit zunehmendem Alter steigt: "Generell verletzen sich die jüngeren Altersgruppen deutlich seltener schwer oder tödlich als die Altersgruppen in der zweiten Lebenshälfte", so die Experten. Die meisten Schwerverletzten, nämlich 553 von 2970 insgesamt, waren zwischen 50 und 60 Jahren alt - im Vergleich zu 352 Schwerverletzten zwischen zehn und 21 Jahren. Und jeder zweite der insgesamt 68 bei einem Verkehrsunfall getöteten Radfahrer war 70 Jahre oder älter.
 


Fahrer auf Pedelec- Rädern haben häufiger Unfälle


Der Anteil der Schwerverletzten war zudem bei den verunglückten Pedelec-Fahrern mit 36,7 Prozent deutlich höher, als bei den konventionellen Radfahrern mit 20,1 Prozent. Von den 18 getöteten Pedelec-Fahrern waren sogar zwei Drittel älter als 75 Jahre. Auch der Anteil der selbst verursachten Unfälle ist bei Pedelecs mit 47,7 Prozent deutlich höher, als bei Fahrrädern ohne Trethilfe mit rund dreißig Prozent. Die Gesamtanzahl der Unfälle mit E-Fahrrädern ist mit 742 von insgesamt 14 755 allerdings noch sehr gering.

 

 


Auch ist häufig Alkohol im Spiel

Unabhängig vom Alter sind verunglückte Radfahrer zudem überdurchschnittlich oft stark alkoholisiert: 43 von Tausend an einem Unfall beteiligte Radfahrer standen 2016 laut Statistik unter Alkoholeinfluss, darunter allein 35 Pedelec-Nutzer. Bei Pkw-Fahrern lag die Zahl der alkoholisierten Unfallbeteiligten mit 18 von tausend deutlich darunter.

Insgesamt erfreut sich das Fahrrad als Verkehrsmittel in Bayern aber einer ungebrochenen Beliebtheit: Auf Basis einer regelmäßig erhobenen Verbraucherstichprobe gehen die Statistiker davon aus, dass mehr als 84 Prozent aller Haushalte in Bayern zumindest ein Fahrrad besitzen. Durchschnittlich kämen auf hundert Haushalte sogar 202 Fahrräder, so das Statistische Landesamt: "Basierend auf diesen Zahlen lässt sich für Bayern ein Bestand von in etwa 12 bis 13 Millionen Fahrrädern annehmen."

 

 



was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren