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Im Wald wieder zur Ruhe finden

Zwischen Moos und Bäumen suchen mittlerweile immer mehr Menschen Wege der Entschleunigung und Fantasie, Waldbaden heißt der Trend. Entspannungstrainerin Jana Harrison führt seit drei Jahren durch den Bruderwald.
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Jana Harrison lehrt bei ihren Touren, den Wald mit allen Sinnen zu erleben. Fotos: Matthias Hoch
Jana Harrison lehrt bei ihren Touren, den Wald mit allen Sinnen zu erleben. Fotos: Matthias Hoch
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Der Weg in den Wald ist ein langsamer und das ist gut so. Denn wer seine Schritte behutsam setzt, hört das Vogelzwitschern oder das Rascheln der Blätter unter den Füßen besser. Der Alltagsstress scheint plötzlich weit weg - dabei hat die Lektion in Sachen Waldbaden gerade erst begonnen.

Wir befinden uns auf einem schmalen Pfad nahe Waizendorf, am Rande des Bruderwalds. Entspannungstrainerin Jana Harrison bittet ihre kleine Gruppe, erst im normalen Tempo und dann so langsam wie möglich zu gehen. Zugleich werden die Sinne auf Erkundungstour geschickt. Die entdecken bald allerlei Leben, Schnaken, Mäuse, Pilze, aber auch Bäume, von denen einige sichtlich unter der Trockenheit leiden. "Fasst mal das Moos an diesem Baum an, ihr könnt ihn gerne auch umarmen oder euch anlehnen", fordert sie die Teilnehmerinnen Angie und Steffi auf. Die beiden nehmen das Angebot gerne an. "Waldbaden ist schon etwas ganz Besonderes", sagt Angie, die extra aus Fürth angereist ist. "Ich komme leider viel zu selten dazu."

Natürliche Entspannung durch Austausch mit Wald und Bäumen liegt seit einiger Zeit auch in Deutschland im Trend. In Japan hat das Waldbaden eine längere Tradition (siehe Infokasten). "Der Wald wirkt entspannend auf unsere gestresste Psyche und er stärkt unser Immunsystem", sagt Jana Harrison. "Und diejenigen, die sonst ganz schwer zur Entspannung kommen oder viel zu hippelig für autogenes Training sind, die nehme ich gerne mit in den Wald." In der Natur finde man Ruhe und Klarheit. "Es tut mir gut, weil es so schön entschleunigt", sagt Teilnehmerin Steffi aus Unteraurach.

Die Gruppe setzt sich auf einen morschen Stamm und geht mit geschlossenen Augen auf Fantasiereise. Beim Waldwandern gibt es viel Raum für kreative Gedankenspiele, sagt die Entspannungstrainerin. Das aktiviere die viel zu selten genutzte linke Gehirnhälfte. "Ihr könnt euch in eine andere Zeit oder in den Urlaub versetzen, wenn ihr wollt", schlägt Jana vor. Und fordert auch immer wieder zum tiefen Atmen auf, drei bis fünf Mal hintereinander. Das sollen die Teilnehmer mit in ihren Alltag nehmen, um zum Beispiel in stressigen Situationen die Ruhe zu bewahren. "Nutzt den heutigen Tag auch später für euch." Die Teilnehmerinnen stellen sich auf Baumstümpfe, fühlen Waldboden, einmal hopst Angie von Wurzel zu Wurzel.

Zweieinhalb Stunden dauert die Tour durch den Bruderwald. Vielleicht drei Kilometer haben die Teilnehmer in dieser Zeit zurückgelegt - und fühlen sich erholt. Ein- bis zweimal im Monat macht sich Jana Harrison mit einer Gruppe von bis zu zehn Waldbadenden auf den Weg. "Ich bin durch einen Kollegen draufgekommen und mach' das mittlerweile seit drei Jahren. Ich war schon immer gern in der Natur."

Sie weiß aber, dass man als "Baumumarmer" auch schnell mal abgestempelt wird. "Im Wald kann ich auch alleine laufen", ist ein weiterer Satz, den sie gelegentlich hört. "Sicher kannst du das, aber machst du es auch? Und was entdeckst du dabei?", fragt die 37-Jährige dann immer.

Sie selbst sei vom Druck zur Entspannung gelangt - und das meint sie wörtlich. Ihre Familie hatte eine Druckerei betrieben, die irgendwann aus wirtschaftlichen Gründen schließen musste. Davor hatte der permanente Stress auch bei Jana tiefe Spuren hinterlassen. "Da habe ich erst gelernt, mir selbst zu helfen, und dann auch anderen." Gemeinsam mit ihren Eltern bietet sie inzwischen die unterschiedlichsten Massage- und Entspannungstechniken an, von der Fußreflexzonenmassage über autogenes Training, progressive Muskelrelaxation, autogenes Training bis hin zum Waldbaden. Das bleibt eines ihrer Lieblingsangebote: "Der Wald bietet so viele Möglichkeiten, man ist hier wieder wie ein Kind."

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