Schlüsselfeld
Jubiläum

Im Stadtmuseum Schlüsselfeld arbeitet man mit viel Herzblut für die Heimat

Das Schlüsselfelder Stadtmuseum wurde vor 25 Jahren gegründet. Am 17. August findet daher ein kleiner Festakt statt.
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Bürgermeister Johannes Krapp und Museumsleiter Friedel Auer (rechts) blättern in einem besonderen Schatz: Ein Kräuterbuch aus dem Jahr 1613, in dem 3000 Kräuter beschrieben sind.Evi Seeger
Bürgermeister Johannes Krapp und Museumsleiter Friedel Auer (rechts) blättern in einem besonderen Schatz: Ein Kräuterbuch aus dem Jahr 1613, in dem 3000 Kräuter beschrieben sind.Evi Seeger
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Agnes Schwanfelderin, ein Werk des verstorbenen Bildhauers Reinhard Klesse, reckt dem Betrachter ihr nacktes Hinterteil entgegen. Die kleine Bronze-Skulptur der couragierten Bamberger Gärtnersfrau ist Teil einer Sonderausstellung, die Friedel Auer am Wochenende im Stadtmuseum Schlüsselfeld präsentieren wird. Denn das Haus in der historischen Altstadt hat Grund zu feiern: 1993 eröffnet, blickt es auf 25 abwechslungsreiche Jahre zurück.


Einzigartig im Freistaat


Die Auszeichnung aus München im Rahmen der "100 Heimatschätze" kam daher zum Jubiläum gerade recht. Das Museum gewann den Preis für den wohl einzigen originalen Urmetz, den es im Freistaat noch zu sehen gibt. Den Urmetz, auch Muttermetz genannt, aus dem Jahr 1811 hat Museumsleiter Auer in der Oberpfalz gefunden. Es handelt sich dabei um ein Getreidemaß aus Eichenholz mit Eisenbeschlägen und einem Fassungsvermögen von 37,059 Litern. 1806 sei für Bayern ein einheitliches Maß eingeführt und für alle amtlichen Stellen je ein geeichtes Urmaß geschaffen worden, weiß Auer.

Nun ist ein Vierteljahrhundert des städtischen Museums an sich kein hohes Alter. Entsprechend "jung" ist es auch geblieben. Es versteht sich als "Anfass- und Begreif-Museum". Eine Vielzahl von Abteilungen beherbergt das kleine historische Gebäude am Marktplatz, die unterschiedlichsten Themen werden behandelt.


Alles zum Steigerwald


Natürlich steht der Steigerwald im Mittelpunkt, seine Geologie, seine Tiere und Pflanzen. Insider kennen auch die schöne Geschichte von der Steigerwaldhangmaus mit ihren bergseits verkürzten Beinen, die der Museumsleiter gerne augenzwinkernd erzählt.

Unter dem Begriff Volkskunde hat er alles zusammengetragen, was die Menschen angeht: landwirtschaftliches Gerät, Handwerkskunst, Töpferwaren, alles was in Haus und Hof einst wichtig war. Daneben hat er auch der Kriegsgeschichte und der Religion Vitrinen gewidmet.

Friedel Auer, der das städtische Museum von Anfang an leitet, ist ein Glücksfall für die Stadt. Der einst im Denkmalschutz beschäftigte Schlüsselfelder interessiert sich für Dinge mit Vergangenheit. 1991 sei er "dem Ruf der einstigen Stadträtin Erna Zimmermann gefolgt". Mit der Heimatfreundin habe er ein Team zusammengestellt.


Wie bei "Kunst und Krempel"


Wie bei "Kunst und Krempel" sei man vorgegangen. Um zu sehen, was vorhanden war, wurde die Bevölkerung eingeladen, ihre Fundstücke vorzustellen. "Wir mussten erst einmal Vertrauen aufbauen", sagt Auer. So sei ein Grundstock zusammengekommen, der im Laufe der Jahre erweitert wurde.

Auers ganz persönliche Leidenschaft ist Porzellan. Schwerpunkt ist die einstige Porzellanmanufaktur, die es von 1790 bis 1860 in Reichmannsdorf gab. Aus Porzellan sind auch die mehr als 3000 Salz- und Pfefferstreuer, die Auer gesammelt hat. Bis ins Jahr 1900 gehen die ältesten Exemplare zurück. Zuvor sei Salz nicht streufähig gewesen, weiß der Geschichtsbeflissene.


"Blaues Haus im Lindenschatten"


Für Bürgermeister Johannes Krapp hat die Sammlung Alleinstellungscharakter. Bislang habe er leider noch keinen Raum gefunden, um die komplette Sammlung ins rechte Licht zu stellen, bedauert Krapp.
"Das blaue Haus im Lindenschatten" diente der Stadt bis 1978 als Rathaus. Heute ist es nicht nur Heimatmuseum, sondern auch kultureller Treffpunkt. Musikabende und Kabarett, Lesungen und sachbezogene Veranstaltungen finden in der "Belle Etage" statt. In diesem Jahr sollen erstmals private Krippen gezeigt werden.

Aus Anlass des Jubiläums lädt Bürgermeister Johannes Krapp morgen zum Festakt ein. Das Engagement der ehrenamtlichen Mitarbeiter soll entsprechende Würdigung finden. "Sie sind unsere wahren Schätze", sagt Krapp. "Wenn kein Herzblut dahinter steht, funktioniert das nicht." Die Feier mit musikalischer Umrahmung beginnt um 18 Uhr im Bürgersaal der Zehntscheune. Im Anschluss daran kann die Sonderausstellung besichtigt werden.


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