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Im Land der großen Biervielfalt

Im Landkreis Bamberg gibt es noch zahlreiche kleinere Brauereien, viele in Verbindung mit einem Wirtshaus. Auch Braumeister Peter Griess setzt in Geisfeld auf diese Form der Direktvermarktung. Trotzdem ist sein Bier auch in Italien begehrt.
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Braumeister Peter Griess (im Hintergrund) und Schwiegersohn Fabian Skaggs füllen Bier für italienische Kunden ab. Foto: Stefan Fößel
Braumeister Peter Griess (im Hintergrund) und Schwiegersohn Fabian Skaggs füllen Bier für italienische Kunden ab. Foto: Stefan Fößel

1000 Hektoliter Bier im Jahr sind genug für Peter Griess. Und eine Sorte reicht ihm auch: "Wir brauen ganzjährig ein ungespundetes naturtrübes Kellerbier." Das Bier vertreibt er über das eigene Gasthaus und den eigenen Keller, aber auch im Flaschenbierverkauf. Die Brauerei Griess ist eine von (laut Bierland Oberfranken) 68 aktiven Brauereien in Stadt und Landkreis Bamberg und befindet sich seit 1872 in Familienbesitz.

Als der heute 57-jährige Peter Griess 1983 den elterlichen Betrieb übernahm, war er der damals jüngste Braumeister Deutschlands. Seither hat sich viel verändert. Stolz zeigt uns Griess seine erst im Februar eingeweihte neue Lagerhalle. Hier hat er investiert, in sieben Edelstahltanks zu je 30 Hektoliter und zwei, die elf Hektoliter fassen. "Wir setzen inzwischen komplett auf Edelstahl. Nur die eiserne Sudpfanne bleibt, weil das Bier sonst einen ganz anderen Charakter bekommen würde." In der Lagerhalle füllt Schwiegersohn Fabian Skaggs gerade ein paar Fässer für italienische Biergenießer ab: "Die wissen fränkisches Landbier sehr zu schätzen." Griess weiß, dass in Italien das Seidla schon mal 8,50 Euro kostet - in Geisfeld sind es 2,50 Euro.

Die Zukunft sieht Griess aber vor allem in der Direktvermarktung: "Wenn unsere Flaschenabfüllanlage mal nicht mehr geht, stecken wir da kein Geld mehr rein." Handwerkskammer-Geschäftsführer Bernd Sauer bestätigt, dass Brauereien mit angeschlossener Wirtschaft einen strategischen Vorteil haben: "Das ist eine ganz andere Wettbewerbssituation als im Getränkemarkt, wo man mit allen nationalen und regionalen Marken konkurriert." Der meiste Umsatz werde in den Wirtshäusern gemacht, die Brauerei sei der Imagebringer. "Die Kombination macht es aus", sagt Sauer. "Wer gute fränkische Küche hat und Bier dazu, muss sich eigentlich über die Zukunft keine Sorgen machen." Freilich weiß auch Sauer von Nachfolgeproblemen einiger Betriebe, von bürokratischen Hürden und wirtschaftlichen Herausforderungen. "Mit jedem Wirt und Brauer, der aufhört, gehen Tradition und ein Stück Kulturerbe verloren", weiß Sauer.

Braumeister Griess kommt gut zurecht, als Direktvermarkter brauche er nicht viel Werbung: "Die Leute wollen natürliche Produkte, und wenn es ihnen schmeckt, dann spricht sich das rum." Durch seinen Schwiegersohn, der gelernter Braumeister und Koch ist, hat er auch kein Nachfolgeproblem. Er dürfe aber nicht aufhören, zu investieren, "sonst ist man irgendwann weg vom Fenster". Weiteres Wachstum wünscht sich Griess aber nicht. "Dann muss man größere Anlagen kaufen, ständig neue Leute einstellen und den Umsatz halten, denn rückwärts kann man nicht mehr gehen."

Längst hat sich der Bierdurst der Bamberg-Touristen auch schon ins Umland ausgedehnt. "Wenn dann ein Bus nach fünf Brauereien bei uns Station macht, sind das natürlich nicht immer die Besucher, die wir uns wünschen." Auch auf Junggesellenabschiede, die mit lauter Musik und eigenem Bier vorbeikommen, könnte Griess verzichten. Denn die Masse seiner Gäste hat es gern ruhig und gemütlich beim Biergenuss.

Griess kann nicht nachvollziehen, dass für Bier kein ermäßigter Steuersatz wie sonst in der Gastronomie gilt: "Wir stellen ein Lebensmittel her und werden auch entsprechend überwacht." Und für Pfandkästen würde er statt 3,10 gern zehn Euro verlangen. "Die gehen in alle Welt und kommen nicht mehr zurück, wir bleiben auf unseren Kosten sitzen."

Wenn Peter Griess über sein Bier spricht ("Wir haben eine Hauptsorte, nicht 17 wie andere"), wird er sehr präzise: "Eigentlich handelt es sich um ein ganz leicht Gespundetes, denn ganz ungespundet gibt es eigentlich nicht." Fränkisches Kellerbier reift bei sehr niedrigem Spundungsdruck (das ist der Überdruck, der während der Nachgärung im Lagerfass entsteht). Der geringe Kohlensäuregehalt verleiht dem Bier eine mild-süffige Konsistenz.

Weil sein Bier so sei, "wie Mutter Natur es erschaffen hat", muss man laut Griess auch irgendwann Abstriche bei der Haltbarkeit machen. "Aber in acht Wochen müsste man es doch geschafft haben, sein Bier zu trinken."

Brauereien in Stadt und Landkreis Bamberg (von denen einige Bier nach eigener Rezeptur im Lohnbrauverfahren bei anderen Brauereien brauen lassen)

Gasthaus Brauerei Aichinger, Heiligenstadt; Brauerei Gasthof Ott, Heiligenstadt-Oberleinleiter Klosterbräu, Bamberg;

Gasthausbrauerei Ambräusianum, Bamberg; Kaiserdom Specialitäten-Brauerei, Bamberg;

Brauerei Greifenklau GmbH, Bamberg;

Brauerei Schlenkerla, Bamberg;

Kronprinz, Bamberg;

Mahrs Bräu, Bamberg;

Brauerei Keesmann, Bamberg;

Brauerei Fässla, Bamberg;

Brauerei Spezial, Bamberg;

Braumanufaktur und Malzfabrik Weyermann, Bamberg;

Hopfengarten, Bamberg;

Brauerei Eichhorn Schwarzer Adler, Hallstadt-Dörfleins;

Brauerei und Gasthaus Drei Kronen , Scheßlitz; Brauerei-Gaststätte Schmitt-Bräu, Scheßlitz

Brauereigaststätte Hoh, Scheßlitz-Köttensdorf;

Brauerei-Gasthof Hartmann, Scheßlitz-Würgau;

Brauerei Gasthof Kraus, Hirschaid;

Brauerei, Wirtshaus, Biergarten Göller, Memmelsdorf-Drosendorf;

Brauerei Wagner, Memmelsdorf-Merkendorf;

Brauerei Hummel, Memmelsdorf-Merkendorf;

Hotel Brauerei Gasthof Höhn, Memmelsdorf;

Brauerei Drei Kronen, Memmelsdorf;

Seminarbrauerei Gassenbräu, Memmelsdorf;

Brauerei & Gasthof Zur Sonne, Bischberg;

Privatbrauerei Reh, Litzendorf-Lohndorf;

Brauerei und Gaststätte Hölzlein, Litzendorf-Lohndorf;

Brauerei Hönig Gasthof zur Post, Litzendorf-Tiefenellern;

Brauerei Knoblach, Litzendorf-Schammelsdorf;

Brandholz-Brauerei im Brauhaus Melkendorf, Litzendorf-Melkendorf;

Brauerei-Gasthof Griess, Strullendorf-Geisfeld;

Brauerei Sauer, Strullendorf-Roßdorf;

Brauereigasthof Sternbräu, Schlüsselfeld-Elsendorf;

Braumanufaktur Hertl, Schlüsselfeld-Thüngfeld;

Hausbräu Stegaurach, Stegaurach-Debring;

Mühlenbräu, Stegaurach-Mühlendorf;

Brauerei Müller, Stegaurach-Debring;

Brauerei Kaiser, Burgebrach-Grasmannsdorf;

Brauerei Gasthof Schwan, Burgebrach;

Brauerei Herrmann, Burgebrach-Ampferbach;

Brauerei Zehendner, Burgebrach-Mönchsambach;

Brauhaus Binkert, Breitengüßbach;

Hümmer Bräu - Pension Karin, Breitengüßbach;

St. Georgen Bräu Buttenheim, Buttenheim;

Löwenbräu Buttenheim, Buttenheim;

Meusel-Bräu, Buttenheim-Dreuschendorf;

Brauerei Büttner, Frensdorf-Untergreuth;

Brauerei Müller, Frensdorf-Reundorf;

Wagner-Bräu, Kemmern;

Brauerei Grasser, Königsfeld-Huppendorf;

Braugasthof Beck-Bräu, Lisberg-Trabelsdorf;

Brauerei Schrüfer, Priesendorf;

Brauerei Wagner, Oberhaid;

Brauerei Hennemann, Pommersfelden-Sambach;

Brauerei Schwanen-Bräu, Rattelsdorf-Ebing;

Sonnenbräu, Rattelsdorf-Mürsbach;

Brauerei Zum Goldenen Adler, Rattelsdorf-Höfen;

Freudenecker Fischer-Bräu, Rattelsdorf-Freudeneck;

Brauerei Gasthof Schroll, Reckendorf;

Schloßbrauerei Reckendorf, Reckendorf;

Seelmann Bräu, Schönbrunn i. Steigerwald-Zettmannsdorf;

Hübner Bräu, Stadelhofen-Steinfeld;

Brauerei Will, Stadelhofen-Schederndorf;

Brauerei-Gaststätte Mainlust Bayer, Viereth-Trunstadt;

Brauerei-Gasthof Kundmüller, Viereth-Trunstadt-Weiher;

Brauerei Gaststätte Dremel, Wattendorf; Brauerei Gaststätte Hübner, Wattendorf.Quelle: Bierland Oberfranken

Warum es so viele Brauereien in der Region gibt

Bierland Einen Überblick über die Brauereien der Region, Wissenswertes zum Bier, einen Routenplaner und mehr bietet der Verein Bierland Oberfranken im Internet unter www.bierland-oberfranken.de und www.bierstrasse-franken.de. Historie "Die hohe Brauereidichte in der Region hat historische Gründe", weiß Bernd Sauer von der Handwerkskammer Oberfranken. Im Hochstift Bamberg war die Bier- und Schanksteuer jahrhundertelang eine wichtige Einnahmequelle der vom Kaiser ausgestatteten Landesherren. Der Bischof von Bamberg vergab Braurechte auch auf dem Land. Zudem war Oberfranken von kleineren reichsfreien Ritterschaften, Grafschaften oder auch Städten durchsetzt, die aus kaiserlichem Privileg ebenfalls Braurechte erteilen konnten. Schließlich entstanden entlang der Handelswege große Gasthöfe, die mit einer eigenen Brauerei privilegiert waren. Ein weiterer Gründungsboom setzte dann 1807 mit der Aufhebung aller Sonderrechte und Privilegien ein.

Pro-Kopf-Verbrauch Im Jahr 2018 lag der Pro-Kopf-Verbrauch von Bier in Deutschland bei durchschnittlich rund 102 Litern. "In Franken würde ich aber weit über das Doppelte vermuten", lautet die Einschätzung von Braumeister Griess.

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