Bamberg
E.T.A.-Hoffmann-Theater

Im Kindertheater ist Rosenrot eine Karrierefrau

Das Weihnachtsstück am E.T.A.-Hoffmann-Theater ist behutsam an moderne Zeiten angepasst worden. Für eine der Schwestern in "Schneeweißchen und Rosenrot" gibt es ein Glück jenseits der Ehe.
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Schneeweißchen (Aline Joers, vorne links) und Rosenrot (Sybille Kreß, rechts daneben) mit dem musikalischen Leiter Konrad Haas und Regisseurin Irmgard Lübke  Foto: Thomas Bachmann
Schneeweißchen (Aline Joers, vorne links) und Rosenrot (Sybille Kreß, rechts daneben) mit dem musikalischen Leiter Konrad Haas und Regisseurin Irmgard Lübke Foto: Thomas Bachmann
Wie war das noch mal? Also Schneeweißchen und Rosenrot sind zwei Schwestern, die mit ihrer Mutter im Wald wohnen, und irgendwann, irgendwo taucht ein Bär auf, und ein Zwerg, ein mieser, spielt auch noch eine Rolle.
Lang, lang ist's her, dass man das Grimm'sche Märchen hörte oder las. Oder ist es noch einigermaßen präsent, weil man es dem eigenen Nachwuchs vortrug? Unsterblich sind diese klassischen Erzählungen, werden von Generation zu Generation weitervererbt. Dem E.T.A-Hoffmann-Theater Grund genug, fürs diesjährige Märchenstück die Geschichte der beiden Schwestern, naturgemäß mit Happy End, auf den Spielplan zu setzen. Mit kleinen Änderungen der Story, denn was im frühen 19. Jahrhundert als glücklichster Ausgang für junge Mädchen galt, muss im frühen 21.
Jahrhundert nicht unbedingt mehr gelten.

Das sagt Irmgard Lübke, die mit der Inszenierung von "Schneeweißchen und Rosenrot" in einer Fassung von Rainer Lewandowski nach den Brüdern Grimm am E.T.A.-Hoffmann-Theater ihren Einstand gibt. Was als Kinder-Musical angekündigt wird, möchte die Regisseurin feiner ziselieren: Als "volksmusikalische Minioper nicht nur für Kinder" definiert sie das Genre, das ab 19. November über 50-mal auf den Brettern des Großen Hauses gespielt wird. Ein wahrer Marathon, der Schauspielern und Musikern da abverlangt wird, folgen doch immer zwei Vormittagsvorstellungen für Schulen aufeinander. Aber auch Familien haben die Chance, sich ins Märchenhafte zu versenken mit Interaktionen in Liedern, "Gesangs-Battles" (so musikalischer Leiter Konrad Haas).

Schneeweißchen revisited also. Was bedeutet, dass Schneeweißchen (Aline Joers) am Schluss zwar ihren aus dem Bären (Stephan von Soden) destillierten Prinzen bekommt, Rosenrot (Sybille Kreß) jedoch nicht wie im Original den Prinzen-Bruder heiratet, sondern sich außerehelich emanzipieren darf. Wobei das eine nicht gegen das andere ausgespielt werden soll, postuliert die Regisseurin.

Gegen die Reizüberflutung

So wie der Wicht (Eckhart Neuberg) nicht nur böse sein wird, aber schon ein ganz schönes Ekel (das auch nicht wie bei den Grimms stirbt). Wir erinnern uns: Die Mädchen helfen ihm großzügig aus mancher Bredouille; der übel gelaunte Zwerg dankt es ihnen mit Schimpftiraden.

Es wird auch gänzlich unplugged gespielt, verspricht der musikalische Leiter und Komponist. Verfremdetes Klavier, Akkordeon, Querflöte und Saxophon sollen eine eher ruhige, romantische Atmosphäre erzeugen, dem Leben in der Natur gemäß. In einem allerdings eher abstrahierten Bühnenbild (Jens Hübner). Die Kostüme, etwa das des Bären, der ja ein verwunschener Prinz ist, lassen die darin steckenden Schauspieler noch erkennen. Insgesamt werde ganz bewusst ein Kontrapunkt zur multimedialen Reizüberflutung gesetzt: "Wir versuchen mit ganz einfachen Mitteln, die das Theater hat, eine Geschichte zu erzählen" (Lübke).

Termine und Karten Premiere ist am 19. November um 9 Uhr im Großen Haus des E.T.A.-Hoffmann-Theaters. Familienvorstellungen am 2. Dezember, 14 Uhr, und am 16. Dezember, 14 und 16 Uhr. Karten gibt es unter Tel. 0951/873030, E-Mail kasse.theater@stadt.bamberg.de

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